10.09.2021 11:30 |

Wandern im Ländle

Panorama-Tour auf den Hausberg der Klostner

Wie ein steinerner Wächter thront er über dem Klostertal: der 2244 Meter hohe Burtschakopf. Vom Gipfel genießt man einen sagenhaften Rundumblick, der Weg dorthin verlangt allerdings Kondition. Durch eine eigentümliche Hochmoorlandschaft führt der Wanderweg im Gebiet Sonnenkopf bis zum exponierten Burtschakopf. Rubina Bergauer ist für die „Krone“ unterwegs auf den schönsten Wanderrouten Vorarlbergs.

Mit der Sonnenkopfbahn geht es zunächst auf 1840 Meter Seehöhe. Von der Bergstation führt der Weg anfangs steil bergan, bis man eine Anhöhe erreicht. Den Markierungen folgend marschiert der Wanderer über Bergwiesen und am Rande von Hochmooren in einem weiten Bogen unter dem Glatigart dahin. Nach Niederschlägen kann der Weg auf diesem Streckenabschnitt teilweise matschig sein.

Herbstliche Färbung
Auf dieser Höhe ist das Jahr weiter fortgeschritten als im Tal. So ist die Landschaft bereits in ein herbstliches Gewand gehüllt, da sich Alpenrosensträucher und Heidelbeerblätter gelb und rot verfärben. Eine Farbenpracht, die an die Tundragebiete in Skandinavien erinnert. Hochmoore werden auch als Regenmoore bezeichnet, da sie ausschließlich vom Regenwasser genährt werden. Sie sind somit sauer und nährstoffarm. Die am solchen Standorten typische Pflanzenwelt besteht großteils aus geschlossenem Torfmoosrasen.

In unmittelbarer Nähe von solchen Feuchtgebieten und Kleingewässern ist auch die blaugrüne Mosaikjungfer zu Hause. Mit einer Flügelspannweite von bis zu elf Zentimetern und einer Körperlange von sieben bis acht Zentimetern gehört sie zur Familie der Großlibellen. Die Männchen weisen am Hinterleib blaue und grüne Flecken auf, die Weibchen haben nur grüne Flecken, der Brustabschnitt der Tiere ist gelb-grün gefärbt mit schwarzer Zeichnung. Die blaugrüne Mosaikjungfer ist von Juli bis Oktober an Gewässern aller Art anzutreffen. Sie kommt auch auf einer Höhe von knapp 2000 Metern vor. Auf der Jagd nach anderen Insekten unternimmt die Libelle ausgedehnte Flüge.

Lange Entwicklungszeit
Die Männchen fliegen auf der Suche nach einer Partnerin die Gewässerufer ab, wobei sie häufig in einem Rüttelflug stehen bleiben. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen Eier an Gehölzen und Pflanzen in Wassernähe ab. Die Entwicklungszeit der Larven dauert zwischen zwei und drei Jahren, was der sechsfachen Lebenszeit der adulten Libelle entspricht, die nach der Flugzeit im Oktober stirbt. Im Sonnenkopfgebiet bieten sich zahlreiche Gelegenheiten diese faszinierenden Flugkünstler zu beobachten, da der Wanderweg an mehreren kleinen Tümpeln vorbeiführt.

Trittsicherheit gefragt
Nachdem es eine Weile relativ eben durchs Gelände ging, kommt der Anstieg zum Burtschasattel. Hierfür geht es durch ein Tor in der Lawinenverbauung hindurch und dem Wanderer eröffnen sich bereits phantastische Ausblicke. Nun ist auch der Burtschakopf in all seiner schroffen Pracht zu sehen. Obwohl er sich aus der Ferne gesehen als breiter Grasrücken präsentiert, ist der Gipfelbereich nicht einfach zu erklimmen. Das letzte Wegstück ist daher auch mit einer weiß-blau-weißen Markierung (alpiner Steig) versehen. Es sind also Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt. Drahtseile bieten zusätzlichen Halt. Der exponierte Bereich um das Gipfelkreuz bietet nicht besonders viel Platz. Eine längere Pause sollte daher am Grasrücken oder am weiter unten gelegenen Burtschasattel (etwa 15 Minuten vom Gipfel entfernt) eingelegt werden.

Fakten

Torfmoose

Torfmoose werden auch als Bleichmoose bezeichnet und gehören zur Gattung der Laubmoose. Das Gewächs ist maßgeblich für die extremen Lebensbedingungen in den Hochmooren verantwortlich. Da Torfmoos über keine Wurzeln verfügt, ernährt es sich von Regenwasser und den darin enthaltenen Nährstoffen. Diese werden so der Umgebung entzogen und der Säuregehalt im Moor nimmt zu. Torfmoose wurden in früheren Zeiten auch im Blockhausbau als Dämmmaterial verwendet. Aufgrund ihrer antibakteriellen Eigenschaften wurde die Pflanze auch für Verbände benutzt. Durch die zunehmende Zerstörung von Mooren und Feuchtheiden sind die Moose vielerorts stark gefährdet. In Vorarlberg sind rund ein Fünftel der heimischen Moosarten mehr oder weniger stark gefährdet, etwa vier Prozent gelten als ausgestorben.

An klaren Herbsttagen ist das Panorama sowohl vom Burtschasattel als auch vom Burtschakopf geradezu phänomenal: Arlberg, Lechquellgebirge, Rätikon und die Schweizer Berge breiten sich vor dem Gipfelstürmer aus, das Klostertal liegt zu Füßen der Felsriesen. Nach einer Verschnaufpause kann derselbe Weg retour zur Bergstation gewählt werden. Wer noch über genügend Kraftreserven verfügt, hat die Möglichkeit die deutlich längere Rundwanderung über die Thüringer Alpe und den Höhenweg zu beschreiten. Dabei sollte man jedoch die Zeit im Auge behalten, denn die letzte Talfahrt der Sonnenkopfbahn erfolgt bereits um 16.30 Uhr.

Fakten

Tipps und Infos:

Typ: mittelschwere Bergwanderung
Anforderung: gute Grundkondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit
Höhenmeter: ca. 450 hm
Dauer: gut 2,5 Std. (ohne Retourweg über Thüringer Alpe), ansonsten 4,5 Std.
Startpunkt: Bergstation Sonnenkopfbahn
Einkehrmöglichkeiten: Panoramarestaurant Sonnenkopf (am Berg)
Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie L90 von Bludenz nach Klösterle

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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