Häufig Folgeschäden

Acht Prozent der Österreicher krankhaft schlaflos

Wissenschaft
06.09.2021 12:00

Bisher hat es in Österreich wenig Daten über die chronische Schlaflosigkeit der Bevölkerung gegeben. Jetzt haben Forscherinnen und Forscher der MedUni Wien eine Studie zu dem Thema fertiggestellt. Fast acht Prozent der Österreicherinnen und Österreicher leiden unter krankhafter Insomnie, was zu körperlichen und geistigen Problemen und hohen gesellschaftlichen Kosten führt.

Unter Leitung des Schlafforschers Stefan Seidel von der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien und der MedUni Wien-Epidemiologin Eva Schernhammer wurden die Schlafprobleme von 1004 Personen (davon 50,4 Prozent weiblich) online abgefragt und nach den internationalen Klassifikationen von Schlafstörungen (ICSD-3) eingeteilt.

Fast acht Prozent sind krankhaft schlaflos
Das ICSD-3 bildet den Standard für die Diagnostik von Schlafstörungen in Schlaflaboren, schlafmedizinischen Abteilungen und Forschungseinrichtungen weltweit. Je nach Symptomatik werden dabei Schlaflosigkeit, schlafbezogene Atmungsstörungen, Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen oder auch Parasomnien wie etwa Schlafwandeln diagnostiziert. Dabei zeigte sich, dass 7,8 Prozent der Österreicherinnen und Österreich im Alter von 18 bis 67 Jahren an krankhafter Schlaflosigkeit leiden. Das ist ein ähnlicher Prozentsatz, wie er auch in anderen europäischen Ländern gezeigt werden konnte.

In der Studie zeigte sich: Nur jeder zweite Betroffene sucht sich Hilfe bei krankhafter Schlaflosigkeit. (Bild: MedUni Wien)
In der Studie zeigte sich: Nur jeder zweite Betroffene sucht sich Hilfe bei krankhafter Schlaflosigkeit.

Nur jeder Zweite holt sich Hilfe
„Wenn man die Kriterien etwas weicher als ICSD-3 auslegt und die Daten dann auswertet, kommen nochmals 8,9 Prozent mit chronischen Insomnie-Symptomen dazu“, sagte Seidel. Und: „Nur jede bzw. jeder Zweite mit krankhaften Schlafproblemen hat sich professionelle Hilfe geholt, woraus sich ein dringender Bedarf nach besserem Screening und Aufklärung in der Bevölkerung ablesen lässt.“ An der MedUni Wien etwa werden Personen, die Hilfe suchen, mit der interdisziplinären Expertise im neurologischen Schlaflabor und der Schlafambulanz in enger Kooperation mit der Neuropsychologie unterstützt.

Die ersten Online-Befragung zu der Studie wurden im Jahr 2017 durchgeführt. Die Tagesfunktion musste „stark“ bis „sehr stark“ für die Feststellung einer chronischen Schlaflosigkeit bzw. „etwas“ (für Symptome einer chronischen Insomnie) beeinflusst sein. Bei 8,9 Prozent wurden Schlafstörungen als chronische Schlaflosigkeitssymptome (weite Definition) und bei 7,8 Prozent als chronische Schlaflosigkeit (genaue Definition) klassifiziert.

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