Drama in Neuseeland
Polizei schockiert über Betrügereien nach dem Beben
Das Verbraucherschutzministerium warnte die Bürger vor betrügerischen E-Mails. In einem Mail, das nach einem offiziellen Spendenaufruf des Roten Kreuzes aussieht, werden die Empfänger zur Angabe ihrer Kreditkartennummer aufgefordert. Eine andere gefälschte Nachricht gab vor, von einer in Großbritannien ansässigen Wohltätigkeitsorganisation zu stammen. Auch im weit entfernten Ort Kapti auf der Nordinsel machte sich ein Mann das Erdbeben auf der Südinsel zunutze: Er gab sich als Opfer aus und bettelte Eltern vor einer Schule um Spenden an.
"Ich bin offen gesagt angewidert von Leuten, die die Katastrophe als Möglichkeit sehen, Jagd auf verletzliche Menschen zu machen", sagte Polizeipräsident Russell Gibson am Freitag. Nach Polizeiangaben wurden nach dem Beben zwei Männer wegen des Diebstahls von Generatoren angeklagt, die nach dem Stromausfall genutzt wurden. Acht Menschen wurden festgenommen, weil sie eine Absperrung um die Stadt durchbrachen.
Schäden erreichen Milliardenhöhe
Wie unterdessen bekannt wurde, wird der Wiederaufbau nach dem Beben voraussichtlich Milliardenbeträge kosten. Der für die Erdbebenkoordination zuständige Minister Gerry Brownlee sagte am Freitag, er rechne mit mehr als zehn Milliarden neuseeländischen Dollar (5,42 Milliarden Euro). Die lokale Handelskammer in Christchurch geht sogar von der dreifachen Summe aus.
Die Suche nach Überlebenden geht weiter, aber die Hoffnung schwindet, weitere Opfer lebend zu finden. "Wir hoffen weiter, aber es wird unwahrscheinlicher", sagte der Minister für Zivilverteidigung, John Carter. Die Zahl der Todesopfer dürfte nach Polizeischätzungen auf mehr als 200 steigen. Bei der schwer beschädigten Kathedrale begann am Freitag die Bergung von Opfern. Der Turm des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes war eingestürzt, bis zu 20 Opfer werden darunter vermutet.
Das Beben der Stärke 6,3 hatte die Stadt mit 390.000 Einwohnern am Dienstagmittag erschüttert und schwere Schäden verursacht. Es war bereits das zweite Beben innerhalb von knapp sechs Monaten. Viele Gebäude sind einsturzgefährdet, darunter ein 26-stöckiges Hotel in der Innenstadt, das nach Angaben von Bürgermeister Bob Parker abgerissen werden muss - wenn es nicht ohnehin in den kommenden Tagen von alleine in sich zusammenfällt.
"Nachbeben im Viertelstundentakt"
"Wir haben Nachbeben im Viertelstundentakt. Sie sind ziemlich stark. Die Bergungsmannschaften können nur hoffen, dass ihnen nichts auf den Kopf fällt", erklärte der aus Deutschland stammende Fotograf Martin Ohlwein am Freitag. Ohlwein war in Neuseeland für die Arbeit an einem Bildband, geriet aber dann in Christchurch in das Unglück: "Da wurde aus meiner Arbeit plötzlich Katastrophenberichterstattung. Ich bin direkt in der Innenstadt. Die Bergungsmannschaften arbeiten rund um die Uhr. Sie haben nur die Wahl zwischen Aufhören und einfach Weitermachen. Aber hier in Neuseeland ist man da wenig kompliziert. Man macht das einfach."
Die Versorgungslage in der Katastrophenregion hatte sich bis Freitag noch nicht völlig normalisiert. Die Stadtverwaltung von Christchurch verwies zwar darauf, dass es nicht notwendig sei, Treibstoff zu bunkern. Auch die Supermärkte seien voll bestückt. Doch erst 75 Prozent der Stadt wären wieder mit elektrischer Energie versorgt, der volle Wiederaufbau des Netzes werde noch einige Wochen dauern. Nur 50 Prozent der Stadt wären wieder mit Trinkwasser versorgt.
Mehr als 14.000 Erdbeben pro Jahr
Neuseeland liegt in einem Gebiet, in dem zwei Erdplatten zusammenstoßen. Deshalb kommt es hier zu mehr als 14.000 Beben pro Jahr, von denen rund 150 zu spüren sind. Bei weniger als zehn im Jahr kommt es zu Schäden. Das letzte große Beben erreichte sogar eine Stärke von 7,8. Es ereignete sich am 16. Juli 2009 in der Region Fiordland auf der Südinsel. Das Beben führte dazu, dass die Südspitze Neuseelands 30 Zentimeter näher an Australien herangeschoben wurde. Die bisher schwerste Naturkatastrophe erlebte Neuseeland 1931, als bei einem Erdbeben 256 Menschen starben.











Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.