18.07.2021 14:52 |

Nach Empörung

Minister erkrankt: Johnson geht doch in Quarantäne

Der britische Premierminister Boris Johnson will nach Kontakt mit seinem an Covid-19 erkrankten Gesundheitsminister Sajid Javid doch in Selbstisolation gehen. Das teilte der Regierungssitz Downing Street am Sonntag mit - nur Stunden nachdem ein Sprecher das Gegenteil verkündet hatte. Zuerst hatte es geheißen, Johnson würde an einem Pilotprojekt teilnehmen und daher statt der Selbstisolation tägliche Tests absolvieren - Das hatte für heftige Kritik an einer „exklusiven Regel“ gesorgt.

Derzeit sitzen Hunderttausende Briten zu Hause, nachdem sie vom Nationalen Gesundheitsdienst NHS wegen Kontakts mit einer infizierten Person mittels einer Covid-App zu einer zehntägigen Quarantäne aufgefordert wurden. Die Ankündigung, dass Johnson und sein Finanzminister Rishi Suna das nicht müssten, hatte zu einer Welle der Wut und Empörung geführt.

Labour-Politiker: „Eine Regel für die und eine andere für alle anderen“
So sagte Schatten-Gesundheitsminister Jonathan Ashworth von der Labour-Partei, dass viele Menschen in ganz Großbritannien über die „spezielle, exklusive Regel“ bestürzt sein würden. Viele, die sich in Quarantäne begeben müssten, würden sagen: „Eine Regel für die und eine andere für alle anderen“, so Ashworth im Gespräch mit dem TV-Sender Sky (siehe Tweet unten).

Auch nach dem Einlenken Johnsons ließ Ashworth kein gutes Haar am Handeln des britischen Premiers und des Finanzministers: „Sie haben diese Kehrtwende nur gemacht, weil sie erwischt wurden“, sagte er in einem BBC-Interview.

Drastischer Anstieg der Infektionszahlen
Für Johnson, der sich nach Angaben der Regierung derzeit auf seinem Landsitz Chequers aufhält, kommt der Vorfall zur Unzeit. Am Montag sollen fast alle Corona-Maßnahmen in England aufgehoben werden, obwohl die Infektionszahlen derzeit drastisch ansteigen. Die Regierung rechtfertigt das mit der hohen Impfquote. Inzwischen haben 88 Prozent der Erwachsenen im Vereinigten Königreich eine erste Impfung erhalten.

Knapp 68 Prozent sind bereits zweimal geimpft. Die Verbindung zwischen Neuinfektionen und Krankenhauseinweisungen sowie Todesfällen sei erheblich geschwächt, so die Argumentation. Die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche je 100.000 Einwohner wurde zuletzt mit 360 angegeben.

Matthias Fuchs
Matthias Fuchs
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