31.01.2011 14:41 |

Geständnis abgelegt

"Ich bin der AvW!": Acht Jahre Haft für Auer-Welsbach

Zum ersten Mal in dem Verfahren klingt seine Stimme wirklich fest. "Ja, ich war der Mastermind, ich muss für alles die Verantwortung übernehmen – und das tue ich jetzt", sagt Wolfgang Auer-Welsbach und erklärt endlich, wie er mit seiner Finanzfirma AvW mindestens 450 Millionen Euro Schaden anrichten konnte. "Weil ich der AvW bin und wie ein Diktator geglaubt habe, alles, was ich tue, sei schon irgendwie richtig." Die acht Jahre Haft nimmt er dankend an.

Als "Midas vom Wörthersee" bezeichnet ihn sein neuer Verteidiger, Franz Großmann. "So hat er alle geblendet – und so konnte dieser immense Schaden entstehen." Wolfgang Auer-Welsbach nickt. Er beschönigt endlich nichts mehr, redet sich nicht mehr heraus, sagt: "Die Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen, bedingt die höchste Sorgfaltspflicht. Ich habe das missbraucht – das sollten aber andere Wirtschaftsleute auch endlich einsehen, wie sorgsam man da umgehen müsste."

Nicht taktisches Kalkül hätte ihn daher zum Umdenken und zu einem umfassenden Geständnis bewogen, sondern das Faktum, dass das, was für ihn bisher Zahlen waren, nun "Menschen sind, die wegen mir so leiden. Für sie ist es sicher eine große Genugtuung, wenn ich endlich erkenne, was ich gemacht und ihnen angetan habe!" Richter Christian Liebhauser hatte Fingerspitzengefühl bewiesen, als er  gleich zu Prozessbeginn auf den Gutachter verzichtete, dafür aber Geschädigte als Zeugen zu Gericht holte – einen Kärntner etwa, der als Anleger bei AvW Haus und Hof verlor und kurz vor der Pensionierung nun vor dem Nichts steht. "Meine Gier war schuld", hat er im "Krone"-Interview zugegeben.

Kurse manipuliert, Vermögen verschoben
Und das gilt auch für Auer-Welsbach: "Ich habe mit der Gier gespielt. Und ich habe ja selbst auch immer gut gelebt. Dazu kam dann der Erfolgsdruck, immer höhere Renditen, immer mehr Beteiligungen." Weil die Marktrealität aber nicht mit seinen Zielen übereinstimmte, begann er, Kurse zu manipulieren, Vermögen zu verschieben, die Firma "diktatorisch" und im Alleingang zu führen.

"Ich habe 95 Prozent der eigenen AvW-Aktien über Konstrukte in Liechtenstein selbst gehalten. So konnte ich die Kurse der Genussscheine beeinflussen", gesteht er ein. Um dann noch einen überraschenden Vorwurf zu erheben: "Die Bundeswertpapieraufsicht (heute: Finanzmarktaufsicht, Anm.) wusste allerdings von diesen Besitzverhältnissen. Hätte sie früher etwas unternommen, würden wir heute nicht dasitzen, wären nicht so viele, viele Menschen geschädigt worden."

Überhaupt hätten die Kontrollinstanzen kläglich versagt. "So viele Berater, Banker, Prüforgane von FMA und Finanzamt  – keiner hat mich gestoppt!" Daher führen die beiden Staatsanwälte Christoph Pollak und Thomas Liensberger noch weitere 22 Ermittlungsverfahren rund um die AvW-Causa – um zu schauen, wer was gewusst und nichts unternommen oder gar mitgeschnitten hat.

Klare Botschaft in Zeiten großer Finanzverbrechen
Schließlich liefen die AvW-Geschäfte über 15 Jahre lang bestens, ehe das "wirtschaftliche Kartenhaus AvW" gleichzeitig mit der Börse im Oktober 2008 zusammenbrach, wie es Liensberger formuliert. Er fordert daher in Zeiten großer Wirtschaftsverbrechen eine "klare Botschaft" und ein Urteil, das jeden auch nur von der "Idee eines derartigen Betrugs abhalten soll".

Und tatsächlich dauert es gerade einmal 15 Minuten, bis sich die Schöffen und Richter Liebhauser auf einen Schuldspruch wegen Betrug, Untreue, Beweismittelfälschung und Vergehen nach dem Aktiengesetz auf acht Jahre Gefängnis geeinigt haben. Auer-Welsbach nickt wieder. "Ich danke für das faire Verfahren und nehme das Urteil an.“"

500 Euro für jeden Geschädigten
Die Genussscheininhaber werden vermutlich nur einen kleinen Teil ihres Investments wiedersehen. Auer-Welsbach erklärte sich wie angekündigt zur teilweisen Anerkennung der Anlegeransprüche bereit, und zwar von bis zu 500 Euro pro Geschädigtem.

Bisher hatten sich rund 8.500 Genussscheininhaber dem Strafverfahren als Privatbeteiligte angeschlossen, am Montag kamen weitere 300 hinzu. Insgesamt umfasst die Liste 80 Aktenbände, die im Gerichtssaal in Kisten auflagen.

von Kerstin Wassermann (Kronen Zeitung) und krone.at

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