EM in Pandemiezeiten:

So wird Platinis Mammutprojekt zum Hochrisikoevent

Die Erwartungen an die Fußball-EM 2021 sind nicht gerade bescheiden. „Europa lebt und feiert das Leben. Europa ist zurück“, brachte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin vor dem Start des Turniers in elf Ländern die Stimmungslage auf den Punkt. Das Mammutprojekt war nicht für eine Pandemie konzipiert worden, nach der Verschiebung auf dieses Jahr wurde der Termin aber nicht noch einmal angetastet. Der große Einfluss von Covid-19 bleibt jedoch auch trotz weitgehend guter Zahlen.

Die EURO, die offiziell weiter den Zusatz 2020 trägt, ist das bisher größte Sportevent der Corona-Zeit und soll an allen Spielorten mit Zuschauern stattfinden. Die Idee für das paneuropäische Turnier geht auf den früheren UEFA-Präsidenten Michel Platini zurück. Anlässlich des 60-Jahre-Jubiläums der ersten Europameisterschaft wollte der Kontinentalverband eine besonders denkwürdige Endrunde. 13 Städte sollten ursprünglich dabei sein, doch Brüssel sprang frühzeitig wegen hausgemachter Streitigkeiten ab. Später sagte auch Dublin ab, Bilbao wurde durch Sevilla ersetzt.

Verband setzt auf Sicherheit
Als Schnapsidee hat der deutsche Corona-Mahner Karl Lauterbach diesen Ansatz noch im April abqualifiziert. „Ich halte das für medizinisch nicht vertretbar“, sagte der SPD-Politiker. Die sichtbarsten Auswirkungen der Pandemie: Tests und Mund-Nasen-Schutz sind ständige Begleiter - bei den Zuschauern wie auch bei den Protagonisten. Zwar haben schon zahlreiche Fußballer zumindest eine Impfung erhalten oder eine Erkrankung hinter sich, dennoch wird der Infektionsstatus bei allen laufend überwacht. Auch für die Zuschauer gilt fast überall: wer ins Stadion will, braucht zumindest den Beleg eines negativen Tests. Auch andere Zertifikate werden mitunter verlangt.

Baku geht eigene Wege
Nur in Baku und Glasgow herrscht - Stand heute - eine Politik der offenen Tür. Einheimische oder ausländische Fans brauchen keinen Nachweis außer Ticket und Ausweisdokument. Aserbaidschan erlaubt allerdings nur die Einreise von Ticketinhabern aus der Türkei, der Schweiz und Großbritannien sowie aus den Nationen, die in Baku ihr Viertelfinale bestreiten.

Budapest plant als einziger Spielort mit voller Stadionauslastung (61.000). In Baku und Sankt Petersburg werden etwa 50 Prozent Auslastung angepeilt, was jeweils knapp 30.000 Zuschauern entspricht. Amsterdam (16.000) und Bukarest (13.000), wo das ÖFB-Team seine Gruppenspiele bestreitet, sind eher am unteren Ende der Skala.

Zeitfenster für Stadion-Eintritt
Das Stadionerlebnis wird reglementierter ablaufen, als das Fußballfans im Allgemeinen gewohnt sind. So bekommt jeder Ticketinhaber ein eigenes 30-Minuten-Zeitfenster zum Eintritt ins Stadion. Drinnen ist ein Mindestabstand von 1,50 Metern zu anderen einzuhalten. Mund-Nasen-Schutz ist Pflicht, Desinfektionsmittel wird es reichlich geben. In Sevilla wird zusätzlich die Kontaktverfolgungs-App der spanischen Regierung sowie ein Covid-19-Armband benötigt, ein solches auch in Bukarest. Die UEFA empfiehlt Händeschütteln, Umarmungen und engen Kontakt zu anderen zu unterlassen. Selbstverständlich sollten Personen, die sich unwohl fühlen oder Symptome von Covid-19 haben, zu Hause bleiben.
Zudem warten die Vorgaben und Anmeldeformalitäten der einzelnen Ländern für die Einreise. Als Faustregel gilt: wer geimpft, getestet oder genesen ist, erspart sich eine Quarantäne. Maßgeblich ist jedoch immer, welche Länder vor dem Grenzübertritt bereist wurden. Großbritannien und die Niederlande sind derzeit in vielen Ländern als Risikogebiete eingestuft.

Quarantäne bei positiven Tests
Beim Auftauchen eines positiven Tests sind die Folgen abhängig vom Aufenthaltsort. Dies könnte das sportliche Geschehen massiv beeinflussen: Weil nationales Recht vor UEFA-Regeln Vorrang hat, wenn Gefahr im Verzug ist, müssten in manchen Ländern im schlimmsten Fall ganze Mannschaften auf Anordnung der lokalen Behörden in Quarantäne. Und behördliche Maßnahmen zur lokalen Eingrenzung von Infektionsherden können jederzeit auch kurzfristig gesetzt werden.

Aufschiebung möglich
Angepfiffen werden kann eine Partie, solange beide Mannschaften mindestens 12 gesunde Feldspieler plus einen Torhüter zur Verfügung haben. Kann ein Team keine 13 Spieler mehr stellen, ist eine Aufschiebung um bis zu 48 Stunden möglich. Im Anschluss würde das Team, das für eine Absage verantwortlich ist, mit 0:3 als Verlierer gewertet. Für jeden zusätzlichen Spieler, der während des Turniers nachgemeldet wird, um die Mindestzahl von 13 Spielern zu erreichen, muss die gleiche Zahl von in Quarantäne befindlichen Spielern definitiv aus dem 26-Mann-Kader gestrichen werden.

krone Sport
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