05.06.2021 06:00 |

Klares Nein

Immer mehr gegen Binnen-I und Gender-Stern

Liebe LeserInnen, Leser*innen sowie Leser und Leserinnen! Oder reicht Ihnen das Wort Leser? Mit welcher Schreibweise fühlen Sie sich am meisten angesprochen? Eine aktuelle Akonsult-Studie bestätigt jedenfalls: Die Österreicher sagen eindeutig Nein zu Binnen-I und Gender-Sternchen. Auch unsere deutschen Nachbarn haben die gleiche Sichtweise auf das Thema (siehe auch Video oben).

Seit Jahren flammt immer wieder die emotionale Diskussion rund um die gendergerechte Sprache auf. Jedes Geschlecht und auch jene, die sich weder als Mann noch als Frau sehen, sollen angesprochen werden - so der Tenor der Befürworter. Doch eine aktuelle „Welt“-Studie aus Deutschland belegt: 65 Prozent unserer Nachbarn lehnen Binnen-I, Gender-Sternchen oder Kunstpausen (Leser - Pause - innen) in der gesprochenen Sprache ab. Die Gendergegner haben sogar zugenommen. Im Vorjahr wehrten sich 56 Prozent der Deutschen dagegen.

66 Prozent lehnen gendergerechte Sprache sogar ab
Die „Krone“ fragte in Österreich nach: Laut einer repräsentativen Studie findet ein Viertel der 500 Befragten, unter ihnen 51 Prozent Frauen, gegenderte Texte schwer lesbar. 66 Prozent - also zwei Drittel der Österreicher - lehnen gendergerechte Sprache sogar ab. 20 Prozent verwenden gendergerechte Sprache selbst.

56 Prozent glauben nicht, dass Gendersprache Frauen fördert
Im Zuge der Studie wurden die Probanden auch gefragt, ob sie einen Zusammenhang zwischen der Verwendung des Binnen-I und der Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau sehen. Mehr als die Hälfte denkt nicht, dass gendergerechte Sprache sich positiv auf das Leben der Österreicherinnen auswirkt (56 Prozent). Ein Grund dafür könnte sein, dass 63 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass sich Frauen auch bei der ausschließlich männlichen Schreibweise - generisches Maskulinum genannt - angesprochen fühlen.

„Die Mehrheit möchte zwar die Abschaffung der verpflichtenden Gendersprache, gegen eine freiwillige Verwendung haben 81 Prozent der Befragten aber nichts“, erklärt Kristin Allwinger, Geschäftsführerin vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Akonsult.

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38 Prozent der Befragten halten Binnen-I und Co. für unnötig. 81 Prozent sind für die Wahlfreiheit. Wenn es jemand möchte, soll er oder sie die Texte gendern - oder eben nicht.

Kristin Allwinger, Geschäftsführerin vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Akonsult

Bei einer ähnlichen „Frage des Tages“ auf unserer Website fiel das Ergebnis am Freitag noch deutlicher aus: 95 Prozent jener, die abgestimmt haben, halten das Gendern nicht für sinnvoll.

Genderstreit nun auch zwischen den Rechtschreibbibeln
Seit der Überarbeitung des Duden gibt es nun auch einen Genderstreit zwischen den Rechtschreibbibeln. Während das Österreichische Wörterbuch auf weibliche Berufsbezeichnungen verzichtet, steht im deutschen Duden der Arzt neben der Ärztin. Alle 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen der Online-Datenbank wurden geändert.

Auch österreichische Verlage setzten bei feministisch und politisch ausgerichteten Publikationen auf gendergerechte Sprache. „Leser, die sich sehr für diese Inhalte interessieren, sind in dieser Hinsicht auch meist schon erfahren und würden sich eher wundern, wenn nicht gegendert würde“, erklärt Stefanie Jaksch, Verlagsleiterin bei Kremayr & Scheriau. Doch es gibt auch immer wieder Beschwerden bei solchen Werken: „Vor allem Verfechter des Nicht-Genderns merken an, dass die Sprache verhunzt wird“, berichtet Jaksch.

Für und gegen das Gendern - zwei Autoren im Interview
Die „Krone“ sprach zudem mit der Wiener Migrationsforscherin Judith Kohlenberger, die ihr Sachbuch „Wir“ mit Gender-Sternchen verfasste und dafür positive Resonanz erhielt, und dem Lehrer und niederösterreichischen Autor Thomas Kubelik, der in seinem Buch „Genug gegendert!“ gegen Binnen-I und Sternchen argumentiert.

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Sprache verändert die Wahrnehmung

Judith Kohlenberger

„Krone“: Wie wichtig war Ihnen, gegenderte Sprache in Ihrem Buch zu verwenden?
Judith Kohlenberger: Für mich ist es selbstverständlich, gendergerechte Sprache im Alltag zu verwenden, deshalb auch im Buch. Immerhin geht es darin um ein größeres „Wir“, aus dem ich schon allein sprachlich nicht die Hälfte der Weltbevölkerung ausschließen wollte.

Warum das Sternchen und nicht das Binnen-I?
Einerseits ist das Sternchen inklusiver, weil es Raum für nicht-binäre Geschlechtsidentitäten (Personen, die sich „weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht“ zuordnen, Anm.) bietet. Anderseits, und das ist jetzt rein subjektiv, fügt es sich schön ins Textbild ein und spart Platz.

Sie arbeiten auf der Wirtschaftsuni - Gendern ist Pflicht. Können Sie es verstehen, wenn andere nur die männliche Form benutzen?
Im Jahr 2021, wo selbst in der „Zeit im Bild“ gendergerechte Sprache verwendet wird, kann ich das nicht mehr nachvollziehen. Nicht nur Männer in der Sprache abzubilden, tut nicht weh und nimmt niemandem etwas weg - aber es verändert die Wahrnehmung und formt unser Denken.

Welche Reaktionen haben Sie auf Ihr Buch bekommen?
Ich hatte tatsächlich einen sehr netten Anruf eines Pensionisten aus dem Burgenland, der mir ganz begeistert erzählte, dass mein Buch das erste war, welches er „mit Sternderl“ gelesen hat. Das Gendern habe ihn überraschenderweise überhaupt nicht gestört.

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Binnen-I ersetzt nicht Frauenpolitik.

Autor Thomas Kubelik

„Krone“: Was spricht gegen gendergerechte Sprache?
Thomas Kubelik: Gegenderte Formen wie Binnen-I und Sternchen entsprechen nicht dem Regelwerk der deutschen Rechtschreibung. Außerdem erschweren sie Migranten das Erlernen der Sprache, was einem Integrationshindernis gleichkommt. Am meisten stört mich aber die Tatsache, dass das Gendern vorgeschrieben oder zumindest mit moralischer Überheblichkeit erwartet wird. Zur freien Meinungsäußerung gehört auch das Recht, die Art der Ausdrucksweise wählen zu dürfen.

Sie sind für die Förderung von Frauen. Warum sprechen Sie sich dennoch gegen Gendersprache aus?
Frauenpolitik, Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik können doch nicht durch Sprachvorschriften ersetzt werden! Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass gegenderte Sprache etwas am Leben von Frauen verbessert.

Die komplette Verschriftlichung - Schüler und Schülerinnen -, wäre das für Sie eine gute Alternative?
Das kommt auf den Kontext an. Wenn es wichtig ist, die Unterschiede herauszustreichen, ist es sinnvoll, andernfalls nicht. Wenn es heißt: „Am Montag haben alle Schüler frei“, gibt es weder ein Missverständnis, noch wird irgendjemand diskriminiert.

Hat schon eine Schülerin von Ihnen eingefordert, dass Sie gendern sollen?
Nein, das ist noch nie vorgekommen.

Kronen Zeitung/krone.at

Katharina Pirker
Katharina Pirker
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