Impf-Modellregion

Im Bezirk Schwaz ist die Null zum Greifen nahe

Tirol
03.06.2021 09:43

Als erste Region Europas wurde der Tiroler Bezirk Schwaz schon im März und April durchgeimpft. Die Aktion zeigt nun volle Wirkung und Virologin Dorothee von Laer spricht vorsichtig von Herdenimmunität. Das einstige Sorgenkind ist zur Vorzeigeregion geworden. Die Erleichterung ist allerorts riesig.

Bezirk Schwaz: 3 Infizierte mit Stand Donnerstagfrüh. Schon bald könnte die 0 aufscheinen. Eine regionale Momentaufnahme mit einer global bedeutenden Botschaft: Impfen wirkt! Die Erleichterung im Bezirk, der vom Sorgenkind zum europäischen Vorzeigemodell mutierte, ist riesig. „Wir hatten schwere Zeiten im Winter, umso dankbarer ist die Bevölkerung um die aktuelle Entwicklung“, fasst Bezirkshauptmann Michael Brandl die Stimmung zusammen und verweist auf eine Traum-7-Tage-Inzidenz von 2,4.

(Bild: LIEBL Daniel | zeitungsfoto.at)

Kein einziger Corona-Patient im Bezirkskrankenhaus
Allerorts Erleichterung: Im Krankenhaus Schwaz, wo kein einziger Corona-Patient mehr zu betreuen ist. In den Schulen, wo durch die hohe Impfrate bei den Erwachsenen auch die Kinder größeren Schutz genießen. „Derzeit kein einziger Fall“, meldet Bildungsdirektor Paul Gappmaier. Er geht davon aus, „dass diese erfreuliche Situation noch bis zum Schulschluss anhält“.

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Hier könnte man den Schwellenwert für eine Herdenimmunität erreicht haben.

Virologin Dorothee von Laer von der Med-Uni Innsbruck

Mehr als 70 Prozent geimpft oder genesen
Erleichterung auch bei den Medizinern. „Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung sind geimpft oder genesen. Hier könnte man den Schwellenwert für eine Herdenimmunität erreicht haben“, lautet die Beurteilung von Virologin Dorothee von Laer von der Med-Uni Innsbruck.

Virologin Dorothee von Laer (Bild: Daniel Liebl)
Virologin Dorothee von Laer

Sie war es, die im Winter beim Auftreten der Südafrika-Mutante in Schwaz für ihre Forderung nach Abschottung zuerst geprügelt wurde. Ihre Einschätzung und die weiterer Experten führten schließlich dazu, dass die EU 100.000 Extra-Impfdosen locker machte und ab 11. März in Schwaz an die 46.000 Erwachsene durchgeimpft wurden.

Zuletzt nur noch leichte Krankheitsverläufe
Die Zahlen gehen seither rasch zurück. Doch Infektionen kommen weiter vor. Brandl: „Vor allem in Familien, in denen keiner geimpft ist.“ Es habe auch Fälle bei Geimpften gegeben, sagt der Bezirkshauptmann: „Diese verliefen aber alle leicht.“ Epidemiologe Peter Willeit von der Medizin-Uni Innsbruck koordiniert eine Studie, die die Wirksamkeit der Schwazer Impfaktion auch bei Mutationen untersucht. Detaillierte Ergebnisse werden im Herbst erwartet, doch die aktuellen Daten bewertet Willeit als „vielversprechend“. Was ihn freut: Rund 12.000 Geimpfte nehmen an dieser Studie teil. Willeit: „Damit wird sie sehr aussagekräftig sein.“

Am 3. März wurde bekannt, dass der Bezirk Schwaz 100.000 Impfdosen von BionTech/Pfizer erhält. (Bild: Andreas Fischer)
Am 3. März wurde bekannt, dass der Bezirk Schwaz 100.000 Impfdosen von BionTech/Pfizer erhält.

Einschränkungen trotz Impfung mitgetragen
Die Schwazer zeigten sich in den vergangenen Wochen auch auf anderer Ebene sehr kooperativ. „Wir orten keinen größeren Widerstand gegen die noch immer geltenden Schutzmaßnahmen, nur weil hier die Menschen früher ihre Impfung hatten“, stellt Erwin Glader, stellvertretender Kommandant der Polizei-Inspektion Schwaz den Einheimischen ein gutes Zeugnis aus.

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Nun freuen wir uns auf weitere Öffnungsschritte.

Bezirkshauptmann Michael Brandl

„Die Schwazer haben das Privileg der frühen Impfung dankbar angenommen und sind solidarisch mit jenen, die noch auf die Immunisierung warten“, meint der Bezirkshauptmann und ergänzt: „Aber nun freuen wir uns auf weitere Öffnungsschritte.“

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