28.05.2021 08:01 |

Seilbahn-Unglück

Hinterbliebene: „Es war kein Unfall, es war Mord!“

Nach dem Gondel-Absturz in Italien ist eines klar: Das Unglück hätte verhindert werden können. Der Seilbahn-Betreiber gab mittlerweile zu, die Notbremsen manipuliert zu haben. Er hat ein schlechtes Gewissen - und jammert! Doch für die 14 Todesopfer kommen die Schuldgefühle zu spät. Die Tante des einzigen Überlebenden, des kleinen Eitan (5), spricht von Mord.

Für Eitans Tante ist klar: „Das war kein Unfall, das sind Mörder, die nur ans Geld gedacht haben!“ Letztendlich seien nicht nur die Verstorbenen zu Opfern geworden. „Da sind auch noch wir, die Familien von denen, die auf dem Berg ihr Leben verloren haben. Wegen jener, die dachten, dass Menschenleben weniger wert seien als ein bisschen Geld.“

Ermittlungen wegen Totschlags
Gegen drei Personen wird jetzt wegen Totschlags ermittelt: Es sind Seilbahn-Inhaber Luigi Nerini (56), der Direktor Gabriele T. (63) und der Cheftechniker Enrico P. (51). Fehler an der Technik sollen ihnen bereits seit 24. April bekannt gewesen sein. Aber sie handelten nicht. Im Gegenteil! Bewusst sollen sie die zu reparierende Notbremse der abgestürzten Gondel durch eine Metallgabel deaktiviert haben, damit die Seilbahn wieder ohne Betriebsstörung läuft. Nach italienischem Recht drohen ihnen für Totschlag bei Verkehrsgefährdung 14 Jahre Gefängnis.

Geständnisse und Reue
Und es gibt Geständnisse: Die Abschaltung der Bremse habe man in der Überzeugung beschlossen, „dass das Zugkabel nie reißen würde“, soll Nerini den Ermittlern gesagt haben, berichtet ein Insider in italienischen Medien. Dieses Risiko habe der Inhaber in Kauf genommen. Er sagte: „Ja, es ist ein Problem. Aber nicht so gravierend. Das Wetter ist schön, die Saison startet, wir machen auf. Es wird nicht so schlimm sein. Wenn die Gabel drin ist, haben wir die Störungen ja nicht.“ Das Problem hat er unterschätzt.

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Ich leide darunter, dass Menschen gestorben sind. Es fühlt sich an, als seien meine eigenen Kinder gestorben.

Seilbahn-Eigentümer

„Ich leide darunter, dass Menschen gestorben sind. Ich fühle mich gekreuzigt, kann nicht schlafen. Es fühlt sich an, als seien meine eigenen Kinder gestorben“, sagt der Seilbahn-Eigentümer. Für die 14 Todesopfer kommen die Schuldgefühle zu spät. Der einzige Überlebende, Eitan (5), verlor bei der Tragödie seine Eltern, seinen kleinen Bruder ( 2) und seine beiden Urgroßeltern.

Nur der Direktor weist alle Vorwürfe von sich
„Die Entscheidung wurde von allen gebilligt“, zitierte ihn die Tageszeitung „Corriere della Sera“. Sowohl der Eigentümer als auch der Direktor seien „wiederholt über die Probleme informiert“ worden. Doch genau dem widerspricht der festgenommene Direktor: Er sei „ein äußerst gewissenhafter Ingenieur“ und bestreitet, von der Überbrückung der Notbremse gewusst zu haben: „Wenn ich Zweifel an der Sicherheit gehabt hätte, hätte ich am Sonntag nie die Seilbahn in Betrieb nehmen lassen. Auch meine Kinder sind eingestiegen“, sagt der Direktor laut „Corriere della Sera“.

Er könne sich den Riss des Zugseiles nicht erklären, zumal alle Prüfberichte immer positiv ausgefallen seien. Das Abschalten der Notbremse sei nur bei besonderen Eingriffen vorgesehen, aber natürlich nie bei einem Personenbetrieb.

Ermittler vermuten noch weitere Mitwisser
Wenn das Problem mit dem Bremssystem eineinhalb Monate lang bekannt gewesen sei, könne es noch weitere Mitwisser geben, betonte Staatsanwältin Olimpia Bossi. Nun werden Techniker und Wartungsarbeiter unter die Lupe genommen, die die Anlage überprüften.

Andere Angehörige der Opfer zeigen Unverständnis für den Umgang der Behörden mit den Trauernden. Sie hätten der Familie ein Staatsbegräbnis versprochen, so der Vorwurf. Jetzt würden sie jedoch plötzlich zurückrudern.

Ed Ricker
Ed Ricker
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