04.05.2021 06:00 |

Ab 17. Mai

Pro und Kontra: Schulöffnungen in der Pandemie

Ab 17. Mai sollen alle Schüler in den Präsenzunterricht zurückkehren. Für Mikrobiologe Michael Wagner von der Uni Wien ein hohes Risiko. Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde befürwortet den Schritt. Pro und Kontra zur Schule in der Pandemie.

„Für mich als Wissenschaftler ist das die Wiederholung eines Experiments, das an sich, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, nicht gut gehen kann“, sagt Michael Wagner, Mikrobiologe der Uni Wien und Initiator der Gurgel-Studie. Denn gerade in der dritten Welle „haben Schulen eine wichtige Rolle gespielt“, sagt Wagner, „Kinder und Jugendliche hatten die höchsten Altersgruppeninzidenzen.“

Inzwischen gebe es zwar wärmeres Wetter, aber der Impffortschritt sei noch nicht so weit, dass man sich in Sicherheit wiegen könnte, betont er. Insgesamt sei es deshalb „ein sehr hohes Risiko, dass diese Öffnungen ein Stück weit zu früh kommen“. Denn die Elterngeneration werde erst Ende Mai bis Juni geimpft: „Das heißt, wir haben ein bis zwei ungeschützte Monate für viele Leute, die durchaus anfällig für einen schweren Krankheitsverlauf sind.“

Kinderärzte befürworten die Schulöffnungen
Auf der anderen Seite aber stehen besorgniserregende Entwicklungen. Die Bildungsschere öffnete sich zunehmend, zudem machten sich zum Teil gravierende psychische Folgen bei den Kindern bemerkbar - und: „Zahlreiche Studien zeigen, dass Kinder weniger zum Infektionsgeschehen beitragen als Erwachsene“, heißt es von der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Denn die Kinderärzte warnen davor, die „vermeintliche Zunahme an Infektionen unter Kindern und Jugendlichen“ falsch zu interpretieren. Es dürfe die Zunahme der Tests nicht außer Acht gelassen werden.

Es sei unbestritten, dass es auch bei Schülern zu Infektionen kommen könne, aber „durch kontrollierbar eingehaltene Hygienemaßnahmen und regelmäßige Tests kann das Übertragungsrisiko in Schulen deutlich reduziert werden“, schreiben die Kinderärzte.

Forderung nach PCR-Tests in den Schulen
Tatsächlich könnten die Schulen sogar ein starker Hebel zur Pandemiebekämpfung sein, weil durch die regelmäßigen Schultests auch deren Haushalte indirekt mitgetestet werden. Wagner plädiert dafür aber für die Schaffung eines „PCR-Schutzschirms“. Dazu gibt es auch Pilotprojekte, die Logistik sei aber eine Herausforderung, betonte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) zuletzt. Wagner hingegen ist überzeugt, dass das selbst im ländlichen Bereich umsetzbar sei.

„Rasch Impfstoffe für Kinder organisieren“
Zudem kritisiert der Wissenschaftler, dass in den Volksschulen, wo Hygieneregeln am wenigsten eingehalten werden können, die am wenigsten aussagekräftigen Tests zum Einsatz kommen. Betreffend eine Umstellung gibt es aber Pilotprojekte, kontert das Ministerium. Sollte die Durchführung der Tests auch bei den Kleinsten funktionieren, sollen demnach alle Volksschulen im Juni auf die sensitiveren Tests umstellen. An die Politik appelliert Wagner, möglichst rasch auch Impfstoffe für Kinder zu organisieren.

Eltern unterstützen indes die Rückkehr zum Präsenzunterricht, wie eine kürzlich durchgeführte Umfrage zeigt. 71% sprechen sich für einen Vollbetrieb aus, 17% für den Schichtbetrieb, nur noch acht für Distance Learning. Und die Schüler? Die schließen indes Wetten ab.

„Wir haben Wetten abgeschlossen“
Stefan Steininger ist Schüler in der Steiermark. Er freut sich auf den Präsenzunterricht, vom Schichtbetrieb hält er wenig.

„Krone“: Wie sieht dein Schulalltag aktuell aus?
Stefan Steiniger: Wir sind im Schichtbetrieb abwechselnd Montag, Dienstag und Mittwoch, Donnerstag in der Schule. Freitag ist immer Homeschooling.

Wie funktioniert das?
Im Großen und Ganzen gut, allerdings wäre mir lieber, ganz im Präsenzunterricht oder ganz im Homeschooling zu sein, denn im Schichtbetrieb kommen jene zu kurz, die von zu Hause zugeschaltet werden.

Heißt, du freust dich auf den Präsenzunterricht, oder hast du ein mulmiges Gefühl wegen Covid-19?
Nein, das habe ich gar nicht. Ich denke, wir sind mit Masken und Tests gut geschützt. Die Frage ist nur, wie lange wir in den Klassen bleiben. Dazu haben wir Wetten abgeschlossen.

Anna Haselwanter
Anna Haselwanter
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