MAN Steyr

Deutscher Betriebsrat: „Werk darf nicht schließen“

MAN drückt bei der geplanten Schließung des Werks in Steyr aufs Tempo: Ab Mai soll die Produktion stufenweise zurückgefahren werden. Der deutsche Konzernbetriebsratsvorsitzende Saki Stimoniaris mischt sich nun ein - und appelliert: „Alle Parteien müssten wieder an den Verhandlungstisch! Ohne Vorbedingungen!“

Krone: Sie sind Konzernbetriebsratsvorsitzender der MAN. Was sagen Sie zu der aktuellen Situation in Steyr?
Saki Stimoniaris: Das Werk in Steyr ist ein Standort mit großer Tradition und einer starken Mannschaft, die stolz sein kann auf alles, was sie geschafft hat. Was mich gerade umtreibt, ist mit ansehen zu müssen, wie dieser traditionsreiche Standort seine Tore für immer schließt. Das darf nicht passieren. Deshalb mische ich mich ein. Ich glaube es müssen alle Parteien wieder an den Verhandlungstisch zurück. Ohne Vorbedingungen.

Krone: Glauben Sie wirklich, dass das Werk akut bedroht ist? Man hört von einer guten Auslastung
Stimoniaris: Es ist sogar sehr bedroht. MAN möchte den Standort schließen und leitet dazu alle Maßnahmen ein. Deswegen richte ich meine Bitte in alle Richtungen: Lasst uns alle für die Weiterführung des Standortes einsetzen, bevor es zu spät ist! Lasst uns alle – MAN, die Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften sowie die Politik – nochmals an den Verhandlungstisch treten und ohne Vorbedingungen über die Zukunft des Werks in Steyr diskutieren.

Krone: Viele glauben, dass MAN aktuell nur taktiert.
Stimoniaris: Ein Taktieren sehe ich nicht. Die finanzielle Situation ist angespannt, sie ist sogar extrem schwierig.

Krone: MAN und Volkswagen sind sich einig.
Stimoniaris: Das haben wir Arbeitnehmervertreter leider in den Verhandlungen von Anfang an ob für Deutschland, Österreich oder die anderen Konzernteile klar und deutlich gesagt bekommen.

Krone: Immer wieder gibt es Gerüchte, dass es neben Sigi Wolf und der WSA weitere Interessenten gibt?
Stimoniaris: Das Gutachten der Boston Consulting Group, von dem man in den Medien lesen konnte, liegt vor. Da ist neben der WSA-Offerte nichts dabei, was den Standort Steyr wirklich sichern könnte.

Krone: Wie sieht es aus mit der Beschäftigungssicherung bis 2030? Viele glauben, dass sie gegen eine Schließung klagen können.
Stimoniaris: Das ist richtig und wir sind durch die Kündigung der Vereinbarung in Österreich in diese Situation gekommen.

Krone: Ob man am Ende vor Gericht allerdings recht bekommt, oder nicht, weiß man heute nicht. Solche Gerichtsprozesse sind langwierig und dauern viele Jahre.
Stimoniaris: Darum würde ich persönlich eine Lösung jetzt und nicht irgendwann begrüßen. Das haben die Menschen, der Standort und die Region in Steyr verdient.

Krone: Steht Sigi Wolf nach der negativen Urabstimmung überhaupt noch zur Verfügung?
Stimoniaris: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich habe keinen Kontakt zu Herrn Wolf. Wünschen würde ich mir das schon. Was aktuell in Steyr passiert, ist eine Katastrophe, die meine Kolleginnen und Kollegen nicht verdient haben. Meine Sorge ist, dass der Standort so herunter gefahren wird, dass es irgendwann mal kein Zurück mehr gibt. Darum zählt jeder Tag!

Krone Oberösterreich
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