29.03.2021 19:04 |

Ex-Polizist angeklagt

Prozess wegen Tötung von George Floyd begonnen

Fast ein Jahr nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA hat das Hauptverfahren gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin in Minneapolis begonnen. Ihm wird „Mord zweiten Grades“ vorgeworfen, worauf im Staat Minnesota bis zu 40 Jahre Haft stehen. Die Verhandlung begann am Montag unter schweren Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt Minneapolis. Vor Prozessbeginn verurteilte der Anwalt der Familie die Polizeigewalt aufs Neue.

„Was George Floyd getötet hat, war eine Überdosis an exzessiver Gewalt“, sagte Ben Crump am Montag dem Nachrichtensender CNN. Er rechne damit, dass die Verteidiger des angeklagten Ex-Polizisten Derek Chauvin vor Gericht versuchen werden, Floyds Ansehen in Verruf zu bringen. Die Tatsache, dass Rückstände von Drogen in dessen Blut gefunden wurden, lenke jedoch nur von der eigentlichen Todesursache ab: Dass Chauvin sein Knie minutenlang in Floyds Nacken gepresst habe.

Anwalt der Floyd-Familie: „Das war Folter“
„George Floyd war am Leben, er atmete, lief und sprach ganz normal, bis die Polizei ihn mit dem Gesicht nach unten gedrückt hat, ihm Handschellen angelegt hat und 8 Minuten und 46 Sekunden lang ein Knie in seinen Hals gedrückt hat“, sagte Crump bei einer Pressekonferenz vor dem Gerichtsgebäude. „Dieser Mordprozess ist nicht schwierig“, sagte er. Wer das „Foltervideo“ von Floyds Tod ansehe, verstehe dies. Falls Floyd weiß gewesen wäre, würde niemand daran zweifeln, sagte er. „Das war Folter“, betonte er.

Angeklagtem droht jahrzehntelange Haft
Dem 44-jährigen Derek Chauvin wird unter anderem „Mord zweiten Grades“ vorgeworfen - das bezeichnet im Justizsystem der USA eine Tötung, die absichtlich aber ungeplant erfolgte. Insgesamt drohen ihm bis zu 40 Jahre im Gefängnis. Der Ex-Polizist ist derzeit auf Kaution frei und muss während des Prozesses anwesend sein. Chauvin hatte auf nicht schuldig plädiert. Das Gericht hatte vergangene Woche die Auswahl der Geschworenen abgeschlossen. Richter Peter Cahill geht davon aus, dass das Hauptverfahren bis zu einem Monat dauern könnte. In einem Vergleich mit der Stadt Minneapolis bekamen die Angehörigen bereits Schmerzensgeld zugesprochen.

Hoffen auf Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt
Floyds auf Video festgehaltener Tod am 25. Mai 2020 hatte im ganzen Land wochenlang zu Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus geführt. Viele Menschen in den USA, darunter wohl die meisten Schwarzen, hoffen daher, dass der Prozess ein Zeichen setzen wird. „Heute beginnt ein wegweisender Prozess, der ein Referendum darüber sein wird, wie weit Amerika bei den Bemühungen um Gleichheit und Gerechtigkeit für alle gekommen ist“, sagte Crump.

Bei brutaler Festnahme getötet
Der 46-jährige Floyd war bei seiner brutalen Festnahme ums Leben gekommen. Videos haben dokumentiert, wie Polizisten den unbewaffneten Floyd zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie minutenlang in Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Die Beamten hatten Floyd wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

 krone.at
krone.at
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).