19.01.2011 14:24 |

Tanz von Gut & Böse

Psychothriller mit Natalie Portman: "Black Swan"

Mit "Back Swan" realisierte Regisseur Darren Aronofsky einen Thriller im Ballett-Milieu, der Rivalität, Horrorelemente und die Pein des Trainings in eine ästhetisch berauschende Bilderwelt packt. Die Schauspielerin Natalie Portman fesselt als überehrgeizige Prima Ballerina und erhielt dafür einen Golden Globe.

Für sie zählt nur eines: Vollkommenheit! Die der schwebenden Anmut des Spitzentanzes - Königsdisziplin des klassischen Balletts, wenn der nach außen hin fragile Körper den in Hunderten Trainingseinheiten gestählten Sehnen und Muskeln eine schwebende Leichtigkeit anbefiehlt, die die Poesie des klassischen Tanzes ausmacht...

Eine athletische Glanzleistung, der das obsessive Ringen um Perfektion nicht anzumerken ist, ja sein darf, soll doch die Verzauberung völliger Losgelöstheit auf den Zuschauer im Theaterrund übergehen. Wenn die grazilen Armbewegungen zum scheinbar mühelosen Flügelschlag werden, dem die Beine exstatisch wirbelnd folgen, so als sei die Bühne nur gedachte Waagrechte für die Inszenierung atemberaubender Figuren und Schrittkombinationen, wird die so umgesetzte Choreographie  zur himmelstürmenden Disziplin - auch wenn die Ballerina durch die Hölle geht.

Neuinszenierung von "Schwanensee"
Mit "Black Swan" kredenzt uns Regie-Magier Darren Aronofsky ("The Wrestler", "The Fountain", "Requiem for a Dream") einen dunklen und visuell bestechenden, ja grandiosen Psychothriller, der in der physisch aufreibenden Welt des Berufsballetts angesiedelt ist. Eine Neuinszenierung von Tschaikowskys "Schwanensee" wird zur schauspielerischen Tour de Force für Natalie Portman, Mila Kunis, Vincent Cassel, Winona Ryder und Barbara Hershey.

So hat man Ballett kaum je auf Film gebannt gesehen, einfangen von einer virtuosen Handkamera, die um die Tänzer zu wirbeln scheint und so Dynamik, Schweiß und Schmerz einfängt. Elegisch-gefühlsbetont Tschaikowskys Musik, die von einem modern düsteren Soundtrack kontrastiert wird. Getanztes Martyrium zwischen purem Horror, der sich des Geistes der Prima Ballerina bemächtigt und theatralisch-großer Oper und Opulenz der Gefühle.

Ein Biss in die Lippe des Ballettdirektors - gespielt von dem charismatischen Franzosen Vincent Cassel - beschert der jungen aufstrebenden Ballerina Nina - Natalie Portman - die lang erträumte und immens fordernde Doppelrolle in "Schwanensee": die des unschuldig Weißen Schwans wiewohl auch jene des dämonischen Schwarzen Schwans, dessen Verkörperung Ninas dunkle Seite ihrer Psyche auslotet. 

Unschuld, Bosheit und Paranoia
Ihre vereinnahmende Mutter sowie die Rivalität zu ihrer ebenso talentierten wie verführerisch-provozierenden Kollegin Lily - Mila Kunis -, die Ninas manisch-asketischen Kontrollzwang in allem mit sinnlicher Präsenz überflügelt, treiben die Primaballerina in einen selbstzerstörerischen Prozess, der sich in bizarren Wahnvorstellungen und erotischen Wachträumen entlädt. Ein verwirrendes Trugbild aus Unschuld, abgründiger Bosheit und Paranoia.

Darren Aronofsky: "Für die meisten haben Wrestling, also Show-Catchen, und klassisches Ballett so gar nichts gemeinsam. Hier Brutalität, dort Grazie und Anmut. Doch Mickey Rourke macht als Gladiator etwas ganz Ähnliches durch wie Natalie Portman als geforderte Ballerina. Beide verlangen ihrem Körper alles ab, beide teilen die Verletzungsgefahr, da ihre Physis das einzige Ausdrucksmittel ist."

Mit der Welt des Tanzes kam der Kult-Regisseur schon in jungen Jahren durch das schockierend harte Ballett-Training seiner Schwester in Berührung. In Natalie Portman, unvergessen als Königin Amidala in der "Star Wars"-Serie sowie Oscar-nominiert für "The Closer - Hautnah", fand er seine Idealbesetzung für den schwarzweißen Schwanenpart in "Black Swan". Portman, die als Kind eine Ballettausbildung genossen hatte, unterzog sich mit unglaublicher Disziplin einem zehnmonatigen Tanztraining und beeindruckte so selbst Berufstänzer des New York City Ballet. 

"Unglaubliche Herausforderung" für Portman
Portman: "Es ist eine unglaubliche Herausforderung, wenn du mit 28 wieder Ballett machen willst. Ich hatte nicht erwartet, dass es körperlich so hart werden würde. Um für ein Spitzenniveau zu trainieren, musst du einen Kreuzweg beschreiten - was ich ja laut Drehbuch in gewissem Sinne tue!" Bänderzerrungen und eine Rippenverletzung blieben nicht aus. Portman: "Nina hat ihre Identität als Tänzerin - und Frau - noch nicht gefunden. Doch die Proben zu Schwanensee entfesseln eine nie gekannte Sinnlichkeit in ihr. Und als sie zum Schwarzen Schwan mutiert, beginnt etwas Dunkles in ihr zu brodeln... Selbstfindung hat immer auch mit sich verlieren zu tun und beschwört eine Art Orientierungslosigkeit der Seele herauf!"

Regisseur Darren Aronofsky ist ein Bildermagier, wie es nur wenige gibt. Brillant überträgt er die halluzinatorische Wahrnehmung seiner Heldin, wenn diese ihre Metamorphose zur gefährlichen Kreatur des schwarzen Dämonenschwans vollzieht, auf den perplexen Zuseher im Kinodunkel - und macht so das fatale Wesen einer geschundenen Künstlerseele spürbar. Ein fesselnder Pas de Deux von Triumph und Desaster.

von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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