12.01.2011 13:28 |

krone.at-Filmkritik

Indiana Jones zum Frühstück: Ford in "Morning Glory"

TV-Morgenshows haben weltweit eines gemeinsam: einen äußerst schlechten Ruf - und das meist völlig zu Recht. Moderatoren so langweilig wie dünner Kaffee in einem US-amerikanischen Diner und Geschichten, die die Welt nicht braucht, prägen das Fernseh-Geschehen vor neun Uhr früh. Rachel McAdams will in "Morning Glory" aus einer heruntergekommenen Frühstückssendung einen Quotenhit machen. Dabei erhofft sie sich Unterstützung von einem ehemaligen Starjournalisten mit Motivationsproblemen ("Indiana Jones" Harrison Ford).

Als die engagierte Becky Fuller (McAdams), Fernsehproduzentin einer lokalen Nachrichtensendung in New Jersey, gefeuert wird, sieht es mit ihrer Karriere ebenso trostlos aus wie in ihrem nicht wirklich existenten Liebesleben. Zufällig stolpert sie über ein Jobangebot bei "Daybreak" in New York - der schlechtesten aller nationalen Morgenshows im US-amerikanischen Fernsehen - und nimmt sich vor, die Sendung ordentlich auf Vordermann zu bringen und bei ihrem neuen Chef (Jeff Goldblum) zu glänzen.

Als erste Maßnahme holt sie den legendären TV-Anchorman Mike Pomeroy (Ford) an Bord. Dumm nur, dass der altmodische Nachrichtenmann es als unter seiner Würde empfindet, seine Zeit mit Morningshow-Themen wie Tratsch, Wetter und Mode zu verplempern. Und dass er sich kategorisch weigert, mit seiner neuen Kollegin, der ehemaligen Schönheitskönigin Colleen Peck (Diane Keaton), zu arbeiten, macht die Sache nicht einfacher.

Der Zickenkrieg zwischen Mike und Colleen geht schließlich auch an Beckys zart erblühender Affäre mit ihrem Produzentenpartner Adam Bennett (Patrick Wilson) nicht spurlos vorüber. Und auf einmal muss sie ihre Beziehung, ihren Ruf, ihren Job und nicht zuletzt die Show vor dem endgültigen Untergang retten.

Ford und Keaton spielen Katz und Maus
Regisseur Roger Michell ("Notting Hill", "Venus") und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna ("Der Teufel trägt Prada", "27 Dresses") servieren uns eine Komödie, die auf unbekümmerte und charmante Weise das Morgenfernsehen auf die Schippe nimmt. Ohne Harrison Ford und Diante Keaton wäre "Morning Glory" ein netter Film geworden, dank der zwei Hollywood-Altstars verdient sich der Streifen jedoch das Prädikat "sehenswert".

Ford glänzt als mürrischer Starjournalist, der seine besten Zeiten schon hinter sich hat und nun - statt Staatsmänner zu interviewen - den untalentierten Wetterfrosch anmoderieren muss. Man hat's nicht leicht, aber leicht hat's einen. "Ich habe mit Dick Cheney zu Mittag gegessen, und nun das!", schnauzt er die neue Vorgesetzte an, die seine Tochter sein könnte. Und wehe, der alte Grantler schlägt den Besuch einer Sauerkraut-Party vor - Becky Fuller wird ihr blaues Wunder erleben...

Harrison Fords Katz-und-Maus-Spiel mit Diane Keaton, die ihre Rolle als Ex-Schönheitskönigin und nicht gerade gewiefte Moderatorin bestens verkörpert, ist einfach nur köstlich. Da ist es für die junge Rachel McAdams sehr schwer zu punkten. Trotzdem gefällt sie als überhektische Karrierefrau mit Herz, auch wenn sie hie und da etwas zu dick aufträgt.

Fazit: Roger Michells Frühstückskino ist beste Abendunterhaltung mit zwei Altstars, die es immer noch draufhaben. Für Fernsehinteressierte bietet "Morning Glory" - in bester "30 Rock"-Manier - zudem einen amüsanten Blick hinter die Kulissen des US-TVs.

von Ingemar Pardatscher

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