Etikettenschwindel

„Made in Austria“: Schmutziges Geschäft mit Masken

Österreich
04.03.2021 06:00

Lohndumping und schwerer Betrug: Krimi um Österreichs größten Maskenhersteller Hygiene Austria! Bei einer Großrazzia sollen 45 Schwarzarbeiter aufgedeckt worden sein, die China-Masken auf „Made in Austria“ im Keller der Firma umetikettiert haben. Das Unternehmen weist die „haltlosen Vorwürfe“ schärfstens zurück, gesteht allerdings die Produktion in China ein. Die Tochterfirma der heimischen Dessous-Traditionsmarke Palmers und des börsennotierten Faserkonzerns Lenzing will eng mit den Behörden kooperieren.

Denn die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wittert nach einem abgehörten Telefonat bei Ermittlungen wegen Menschenhandels ein schmutziges Millionengeschäft mit Masken. Demnach hätten Dutzende geringfügig Beschäftigte wie Arbeitssklaven in Billiglohnländern zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche in Wiener Neudorf in Niederösterreich geschuftet.

Der Maskenproduzent ist im Visier der Korruptionsjäger. (Bild: Huber Patrick)
Der Maskenproduzent ist im Visier der Korruptionsjäger.

Während oben klinisch reine Produktionsstätten bei Politikerbesuchen gezeigt wurden, sollen die mutmaßlichen Schwarzarbeiter - ohne Schutz (!) - im Keller bei China-Masken Beipackzettel auf heimische Qualitätsware gefälscht haben. Eine Spur führt zu einer Liechtensteiner Stiftung. Es geht um 20 Millionen Stück Mund-Nasen-Schutz.

Bundeskanzler Sebastian Kurz besuchte im Mai 2020 die Maskenproduktion der Hygiene Austria. (Bild: APA/BKA/DRAGAN TATIC)
Bundeskanzler Sebastian Kurz besuchte im Mai 2020 die Maskenproduktion der Hygiene Austria.

Firma gesteht Einsatz von chinesischem Lohnfabrikanten
Kunden von Hygiene Austria waren etwa ein Lebensmittel-Riese und das Parlament. Die Opposition übt Kritik an der Regierung, Einkäufe sollen bekannt gegeben werden. Indes legte die Bundesbeschaffungsagentur den Vertrag auf Eis. Am Mittwochabend gestand die Firma ein, man habe zum Spitzenausgleich einen chinesischen Lohnfabrikanten beauftragt. Die Masken seien um 60 bis 100 Prozent teurer als in heimischer Produktion gewesen. Weitere Vorwürfe wies man zurück.

(Bild: P. Huber)

Auch ein steirischer Maskenhersteller gerät indes ins Visier. Ein deutscher Kunde könnte im großen Stil Ausschussware angekauft, umetikettiert und wieder nach Österreich eingeführt haben. Die Firmenführung streitet eine Beteiligung ab und verspricht rasche Aufklärung.

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