Gewalt durch Corona

1600 Polizeieinsätze und 2000 Betretungsverbote

Ein Jahr Pandemie – und die seelische Bilanz für die Frauen und Kinder sieht gar nicht gut aus. Der ständige Druck lässt die Fäuste fliegen. Im Vorjahr wurde die Polizei in Oberösterreich zu fast 1600 Einsätzen wegen häuslicher Gewalt gerufen, es wurden mehr als 2000 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen.

„Vor allem Frauen haben während der Krise unser System am Laufen gehalten, gleichzeitig stehen sie schon jetzt in vielen Bereichen als die großen Verliererinnen da. Zu wissen, dass sie zu all dem, das derzeit zu schultern ist, auch noch mehr Gewalt ausgesetzt sind, mehr Prügel einstecken müssen, ihnen mehr körperliche und psychische Gewalt angetan wird, macht mich sehr betroffen“, sagt Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer. Das Sozialressort des Landes finanziert derzeit fünf Frauenhäuser in Oberösterreich, in Braunau ist ein sechtes Haus geplant. Zusätzlich werden auch sieben Frauenberatungsstellen gefördert, die kostenlose Gewaltschutzberatungen anbieten.

Der Bedarf für solche Hilfestellungen ist leider generell hoch, und durch die Pandemie stark gestiegen: Im Jahr 2020 betreute das Gewaltschutzzentrum OÖ 2840 Klientinnen, das bedeutet einen Zuwachs von 8 Prozent. Polizeieinsätze, die zu einem Betretungs- und Annäherungsverboten führten, stiegen um 19 Prozent.

Grundsätzlich gute Erfahrungen
„Grundsätzlich haben wir sehr gute Erfahrungen mit dem Gewaltschutzgesetz gemacht, weil es einen guten Schutz für die Opfer und eine hohe Akzeptanz bei den Tätern bewirkt. Ausnahmen gibt es leider immer wieder“, sagt Landespolizeidirektor-Vize Erwin Fuchs. „Deshalb wird auch an einen vermehrten Einsatz der sogenannten sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen gearbeitet.“

Kinder wurden deutlich öfter als bisher Opfer
Ganz schlimm: Die Gewaltakte gegen Kinder haben um 49 Prozent zugenommen, sagt Eva Schuh vom Gewaltschutzzentrum OÖ. Mit Prävention wird versucht, gegenzusteuern.

Christoph Gantner
Christoph Gantner
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Dienstag, 20. April 2021
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