24.02.2021 17:55 |

Braukunst

„Das Bierbrauen ist kein Hexenwerk“

Das Craft-Beer der „Hopfenkocher“ sorgt bei der Austrian Beer Challenge regelmäßig für Furore. Derzeit feilen Peter Wilhelm und Stefan Spiegel an neuen Spitzenbieren.

Beinahe ein Jahrzehnt brauen die Frastanzer Peter Wilhelm und sein Schwager Stefan Spiegel schon Bier. 2012 kehrte Peter von einer Geschäftsreise aus San Francisco zurück, wo ihn die starke Craft-Beer Szene begeistert hatte. Von dort brachte er die Idee zum Schwager mit, und bald brauten sie gemeinsam. Das erste Mal ging vieles schief, erinnert sich Peter: „Jeden Brauschritt mussten wir nachlesen, dann kochte das Bier über und die Pizza verbrannte. Unsere Frauen hofften, dass es in die Hose geht, aber es mundete sehr.“ Beide im Maschinenbau tätig, verbesserten die „Hopfenkocher“ laufend die Brauanlagen. Nach jahrelangem Brauen im Freien begannen sie aber erst 2017, eine Brauerei einzurichten. „So müssen wir im Winter nicht frieren und im Sommer plagt uns kein Sonnenbrand“, scherzt Peter. Um es dennoch draußen gesellig zu haben, errichtete er im Lockdown einen Biergarten. Dieser ist zwar im „Industrie-Style“ gehalten und unter anderem mit einem alten Pumpwerk der Wasserwerke Dornbirn dekoriert, ein „Industriebier“ wird’s von den „Hopfenkochern“ aber nie geben - alles wird von Hand gemacht, um das „Gespür fürs Bier“ zu behalten.

Was die beiden ebenfalls eint, ist die Liebe zur Vielfalt. So erfinderisch wie die Bierkreationen, sind deren Namen: Beim Mädesüss-Holunder-Bier „Wieble“, dem mit Übersaxner Trauben veredelten Blonde Ale „Weibi“, dem Oktoberfestbier „Bavaria“ und der „Fensterhenne“ locken weibliche Reize. Das Münchner Dunkel „Lluja Sog I“ ziert hingegen der grantige Aloisius. Vom New England IPA spukt der „Pfellerpfifer“ - der Sage nach ein Mann ohne Kopf aus Schwarzach - und das Doppelbock heißt selbstverständlich „Triumphator“. Spezialist für die starken Bockbiere ist übrigens Peters Sohn Simon, der zwar nicht mittrinkt, aber sorgfältig den Zuckergehalt prüft.

Immer wieder wird mit neuen Zutaten experimentiert. In jüngster Zeit wird an Sauerbieren und Weizen getüftelt. Zuletzt wurde ein „Schwarzwälder Kirsch“ gebraut, das „Zbreand“ ist ein herber Cider. „Bier aus Großbrauereien schmeckt immer gleich. Die Freiheit des Hobbybrauers ist es, das Bier immer wieder etwas anders schmecken zu lassen“, erklärt Stefan. Dem stimmt Peter ausdrücklich zu: „Ein Bier darf und soll Ecken und Kanten haben.“

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Bier aus Großbrauereien schmeckt immer gleich. Die Freiheit des Hobbybrauers ist es, das Bier immer wieder etwas anders schmecken zu lassen

Stefan Spiegel

Für ihr Bier verwenden die Hopfenkocher selbstverständlich nur natürliche Zutaten, vorrangig aus der Region. Für ganz spezielle Biersorten wird sogar der eigene Hopfen verwendet, den Tante Margreth, einst Hopfenbrockerin in Tettnang am Bodensee, extra in Fellengatter anbaut. Der Aufwand ist immens: „Für ein Kilo getrocknete Hopfendolden pflückt man immerhin rund sechs Stunden“, erklärt Peter.

Die „Hopfenkocher“ wollen auch andere zum Bierbrauen motivieren und geben ihr Wissen gerne weiter. Hexenwerk sei das Brauen keines, auch die finanzielle Belastung ist bewältigbar: „Die Ausrüstung kostet etwa 500 Euro, dann kann es schon losgehen.“

 Vorarlberg-Krone
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