07.02.2021 18:02 |

Am Montag geht‘s los

Wieder in die Schule mit den „Nasenbohrer“-Tests

Für Kinder und Jugendliche in Wien und Niederösterreich geht es am Montag nach Wochen des Homeschoolings wieder los: Regelbetrieb für Volksschulen, Zwei-Tages-Schichtbetrieb in Sekundarstufe I und II. Maskenpflicht gilt auch hier: FFP2-Maske ab 14 Jahren, Mund-Nasen-Schutz ab 6 Jahren. Und ohne „Nasenbohrer“-Test kommt keiner in die Klasse. Wer den nicht will, muss weiter von daheim aus lernen. Zwar können mit den Tests nur etwa die Hälfte der asymptomatisch infizierten Kinder entdeckt werden, aber hier gilt das Motto: besser die Hälfte als gar keiner, wie auch Bildungsminister Heinz Faßmann sagt. Ein (Test-)Überblick - und alle Details.

Die Schulöffnung sei dringend notwendig, heißt es aus dem Bildungsministerium - zu groß wurde der Leidensdruck bei den Kleinen. Doch normal wird der Schulalltag nicht sein. Vielmehr gilt: Testen, Schichtbetrieb und Maskenpflicht.

In den Volksschulen zweimal pro Woche, bei den Größeren jeweils am ersten Präsenztag: In den Schulen gibt es nun Tests, „die so einfach sind wie Nasenbohren“. Und das geht so: „Hände waschen bzw. desinfizieren, Wattestäbchen 1,5 cm tief in ein Nasenloch stecken, mehrmals drehen, dann das andere Nasenloch abstreichen“, erklärt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter.

Bei den Kleinen übernehmen die Lehrpersonen dann das Beträufeln der Wattestäbchen - dann heißt es 15 Minuten warten. Erscheinen zwei Striche, ist der Test positiv ausgefallen, dann wird das über eine Kontaktstelle der Bildungsdirektion den Gesundheitsbehörden mitgeteilt und das Ergebnis mittels PCR-Test erneut überprüft. Die Tests „sind absolut schmerzfrei“, betonen Hutter und das Bildungsministerium.

Lieber schnell testen, als gar nicht testen
Erscheint nur ein Strich, ist das Ergebnis negativ - das ist aber nur eine Momentaufnahme. Die Tests sind laut einer AGES-Studie zudem nicht so sensitiv wie PCR-Tests. Die Vorteile eines schnellen Ergebnisses und der Isolierung von positiv getesteten Kindern würden die geringere Sensitivität bei Asymptomatischen aber weit überwiegen, so das Ministerium. Logistisch wäre es zudem nicht möglich, alle Schulen mit PCR-Tests auszustatten, auch die Laborkapazitäten würden gesprengt werden. Um den Schulalltag dennoch so sicher wie möglich zu gestalten, müssen Kinder wie Lehrpersonen Masken tragen. Ab der Sekundarstufe zwei gilt außerdem Schichtbetrieb.

Die Kinder zu Hause zu testen, wie es der Dachverband der Elternvereine fordert, ist nicht möglich. Dann sei nicht mehr nachvollziehbar, wer den Test gemacht hat, erklärte Bildungsminister Faßmann. Zudem kritisieren die Eltern, dass die Tests zu viel Unterrichtszeit in Anspruch nehmen - allerdings: Die Tests ermöglichen den Unterricht überhaupt. Eltern können zudem mit in die Schulen kommen, um sich vom Wohl ihrer Kinder überzeugen zu können.

All das sei aber letztlich eine Option, sagt Faßmann. Niemand werde zum Testen gezwungen, wer nicht will, könne zu Hause bleiben. Richtigen Fernunterricht wird es dann nicht geben, aber „Homeschooling mit einer gewissen pädagogischen Begleitung“. Die Eltern argumentieren weiter mit der psychologischen Belastung der Kinder durch die Tests - die dürfte aber jedenfalls nicht höher sein als jene im Homeschooling. Der Minister geht davon aus, dass nur wenige Kinder daheim bleiben, „wenn klar ist, wie harmlos die Tests sind“.

FFP2-Masken eventuell auch für Lehrpersonen
Diskutiert wird auch darüber, dass Kinder zweimal, Lehrer aber nur einmal die Woche getestet werden - und sich die Pädagogen durch die Berufsgruppentests von den FFP2-Masken befreien können, sie für Schüler über 14 Jahren aber verpflichtend sind. Hier kann es aber noch zu einer Nachbesserung kommen, die Ministerien beraten.

„Den Kindern geht es nicht gut“
Zusätzlich zu der entstandenen Bildungslücke der Kinder komme es jetzt auch vermehrt zur Sorge um deren psychische Gesundheit, warnte AK-Präsidentin Renate Anderl Ende der letzten Woche. Auch die Eltern stehen immer mehr unter Druck. „Wir wissen von Müttern, die ihren Job aufgeben, um ihre Kinder zu Hause unterrichten zu können, und von Eltern, die Angst haben, dass ihre Kinder große Bildungsdefizite haben“, so Anderl.

Die AK fordert deshalb als Soforthilfe eine Einmalzahlung von 200 Euro zur Familienbeihilfe pro Schulkind, um Eltern zumindest finanziell zu entlasten. Denn durch den Fernunterricht mussten Familien von heute auf morgen Laptops und Drucker kaufen und ihre Internetverbindung aufstocken. Die Soforthilfe würde 240 Millionen Euro kosten. „Das müssen uns unsere Kinder wert sein“, so Anderl. Es brauche auch mehr Mittel für die Schulen, und das ständige „Auf-Zu-Auf-Zu muss ein Ende haben“.

Einen eindringlichen Appell an die Politik richtete auch Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien: „Unseren Kindern und Jugendlichen geht es nicht gut. Das zeigen die Zahlen an Patienten. Kinder und Jugendliche weisen erhebliche psychische Probleme auf. Es muss jetzt gehandelt werden, und wir müssen die Behandlungsressourcen massiv steigern.“ Jene, denen heute nicht geholfen werde, „sind die psychisch chronisch Kranken von morgen“, warnte Lochner.

„Unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen ist die Öffnung von Schulen aus psychosozialer Sicht ein wichtiger Schritt, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken“, betonte Locher einmal mehr.

Wieder Unterricht: Fragen zur Rückkehr in die Schule
Tests, Betreuung und Co. Die „Krone“ beantwortet die wichtigsten Fragen zu der Rückkehr in die Klassen.

  • Das Kind hatte schon Corona - muss es testen?
    Nein, dann muss nicht getestet werden, solange ein Attest vorgelegt werden kann und die Erkrankung nicht länger als sechs Monate zurückliegt.
  • Warum gibt es keinen gestaffelten Start?
    Den gibt es, allerdings nicht überall, weil die Schulen das autonom entscheiden können. In manchen wird aber gestaffelt gestartet.
  • Was passiert, wenn mein Kind Corona-positiv ist?
    Dann wird es in einen abgesonderten Raum gebracht, und die Gesundheitsbehörden werden informiert. Mittels PCR-Test wird erneut überprüft.
  • Wie funktioniert das mit der Einverständniserklärung?
    Grundsätzlich müssen die Eltern für die kleinen Kinder Einverständniserklärungen unterschreiben, damit getestet werden kann. Konnte diese über das Wochenende nicht gedruckt werden, können die Eltern am Montag mit in die Schule kommen, um dies vor Ort zu tun. Ist auch das nicht möglich, wird das Kind am Montag nicht heimgeschickt, da dieser als Übergangstag gilt. Ab Dienstag muss das Einverständnis aber vorliegen.
  • Gibt es wie bisher eine Betreuung?
    In den Volksschulen nicht, da alle Kinder vor Ort sind. In den anderen Schulen wird es Betreuung an jenen Tagen geben, an den kein Präsenzunterricht ist.

Karin Podolak und Anna Haselwanter, Kronen Zeitung/krone.at

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