Politik tut nichts

„Angefressenes Personal“ in Kindergärten

Österreich
21.01.2021 13:32

Das Personal in elementaren Bildungseinrichtungen wie etwa Kindergärten ist „angefressen wegen der Nichtbeachtung durch die Politik“. „Es wird nur verlangt, verlangt, verlangt“, so die Koordinatorin des am 24. Jänner anstehenden Tags der Elementarbildung, Raphaela Keller, am Donnerstag. „Die Erkenntnis, dass elementare Bildungseinrichtungen eben Bildungseinrichtungen sind, kommt nicht einmal mehr in Sonntagsreden und verbalen Behübschungen vor.“

Das zeige sich gerade jetzt in der Corona-Zeit, meinte Keller. „Wenn es uns nicht gäbe, könnten Eltern nicht arbeiten gehen.“ Auch Homeoffice wäre neben Kindern im Kindergartenalter nicht möglich. Gleichzeitig wäre das Personal durch Ausfälle aufgrund von Quarantäne oder Erkrankungen überlastet: „Unsere Kolleginnen können sich nicht auf den Dienstplan verlassen.“ Wenn man niemanden habe, an den man um 14.30 Uhr nach Ende der Dienstzeit übergeben könne, müsse man bis zum Schließen der Einrichtung bleiben.

Durch die Corona-Vorgaben werde die Arbeit zusätzlich erschwert: Kinder dürfen nun nicht in die Gruppe gebracht werden, sondern müssen quasi an der Eingangstür übergeben werden. Dafür brauche es eine eigene Kraft, die die Kinder an der Tür übernehme und in die Gruppe bringe bzw. umgekehrt. Außerdem seien Elterngespräche nicht mehr möglich,

(Bild: REUTERS/Majid Asgaripour/WANA)

Adäquate Betreuung ist Mangelware
Aber auch abseits von der Corona-Zeit passe es nicht: „Wenn so viele Kinder in einer Gruppe sind, ist es nicht möglich, jedem Kind zu entsprechen“, so Keller. Nach wie vor sei oft nur eine Pädagogin in der Gruppe, eine Aufteilung in kleinere Einheiten, die etwa für den Spracherwerb wichtig wäre, scheitere häufig. Bei einer Befragung von 290 Fachkräften in Kärnten haben zuletzt nur zehn Prozent angegeben, dass sie die Kinder adäquat betreuen können.

Die Interessenvertretung der Elementarpädagogik verlangt daher schon seit Jahren unter anderem massive Investitionen in diesen Bereich, weniger Kinder pro pädagogischer Kraft, mehr Platz für die Kinder sowie Dienstzeiten für Team- und Elternarbeit, Weiterbildung, und Supervision. „Unsere Forderungen sind eher von vorgestern als von gestern“, meinte Keller. Sie würden aber immer wieder ignoriert bzw. an die Länder weiterverwiesen.

(Bild: dpa)

Verbesserungen werden wahrgenommen
Im Langzeit-Vergleich werden aber durchaus Verbesserungen wahrgenommen, zeigt eine im November durchgeführte Integral-Umfrage unter 1000 Personen zwischen 16 und 69 Jahren. So nahmen etwa 60 Prozent der Befragten gegenüber ihrer eigenen Kindheit Verbesserungen bei den Öffnungszeiten wahr, knapp gefolgt von der Ausbildung der pädagogischen Kräfte (56 Prozent) und der Vorbereitung auf den Übergang zur Volksschule (53 Prozent). Die geringsten erzielten Optimierungen wurden bei der Anzahl der Kinder pro Gruppe im Kindergarten (41 Prozent) bzw. in der Krippe (43 Prozent) gesehen.

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