21.01.2021 12:07 |

Anschober mahnt:

„Die Mutation bringt eine neue Phase der Pandemie“

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erklärte am Donnerstag, dass sich die Infektionszahlen mit dem Coronavirus langsam in die richtige Richtung entwickeln würden. Es stünden aber nun die wohl zwei schwierigsten Monate in der Pandemie bevor, weshalb es weiterhin gelte, sehr achtsam zu sein. Generell möchte man nun die Suche nach Corona-Mutationen ausbauen, um auf neue Entwicklungen rasch reagieren zu können - bislang seien diese noch nicht großflächig im Land verbreitet.

Die Welt trete durch die Verbreitung der britischen Corona-Variante B.1.1.7. nun in eine neue Phase der Pandemie ein, erklärte Anschober im Rahmen einer Pressekonferenz. Während sich die Lage in Österreich bei derzeit rund 1500 Neuinfektionen pro Tag zunehmend stabilisiere, würden Prognosen in den USA zeigen, dass dort bereits im März die neue Mutation die vorherrschende Variante in den Staaten sein werde.

Anschober warnt vor falscher Sicherheit
Es wäre völlig falsch, angesichts der wieder abgesunkenen Infektionszahlen in eine falsche Zufriedenheit zu verfallen, mahnt Anschober. Die britische Mutation werde schon bald auch großflächig in ganz Europa vorhanden sein, weshalb man die Lage nun genau beobachte. Positiv sei, dass auch die bisherigen Maßnahmen gut gegen die weitere Verbreitung wirken würden.

„Der Babyelefant ist erwachsen geworden“
Die ersten Analysen hätten gezeigt, dass die britische Mutation noch nicht großflächig in Österreich verbreitet ist, sondern sich vor allem noch auf regionale Cluster - etwa in Salzburg - beschränkt. Es bestehe aber nun das Risiko, dass sich „eine Pandemie in der Pandemie“ entwickle, so Anschober. Ab Montag null Uhr soll dann die neue Corona-Verordnung in Kraft treten, die durch eine Vergrößerung des Mindestabstands - „Der Babyelefant ist erwachsen geworden“ - sowie der FFP2-Maskenpflicht in einigen Bereichen bereits eine Reaktion auf die Mutation sei.

Mutationen könnten Impfstoffe unwirksam machen
Um die Situation bestmöglich verfolgen zu können, möchte man nun vermehrt positive PCR-Testungen auf Mutationen untersuchen. Es sei nämlich nicht auszuschließen, dass sich das Virus in eine Richtung weiterentwickle, dass es gegen die bereits entwickelten Impfstoffe resistent wird, erklärt Christoph Bock vom Zentrum für Molekulare Medizin. Dabei seien vor allem auch die nun ausgeweiteten Untersuchungen des Abwassers in Kläranlagen entscheidend - mit den Proben könnte man dann bereits 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung abdecken.

Diese seien keine Suche nach der Nadel im Heuhaufen, sondern vielmehr eher die Suche nach der Nadel in einem ganzen Waldstück, meint Bock. Dadurch ließen sich aber neben der Ausbreitung der neuen Formen auch mögliche neue Entwicklungen rascher erkennen und dadurch etwaige Maßnahmen besser anpassen. Derzeit sei B.1.1.7. aber „noch nicht in der Breite angekommen“, sondern beschränke sich noch auf regionale Cluster, so Bock.

Popper: „Mutation wird Oberhand gewinnen“
Der Simulationsforscher der Technischen Universität Wien, Niki Popper, erklärt, dass die aktuellen Maßnahmen zwar wirken würden, „jedoch nicht in dem Ausmaß, wie wir uns das wünschen würden.“ Die aktuellen Zahlen würden jedenfalls zeigen, dass „testen und isolieren wirkt“. Dies würden auch die Infektionszahlen aus Großbritannien und Irland zeigen, wo die Werte wieder klar zurückgegangen sind.

Impfeffekt wohl ab 200.000 Impfungen
Es gebe noch eine große Ungewissheit, wie sich die Ausbreitung von B.1.1.7. weiterentwickeln werde, er gehe aber derzeit nicht davon aus, dass die Infektionszahlen absehbar stark ansteigen werden - er prognostiziert dabei, dass die täglichen Fallzahlen wohl bereits in der kommenden Woche unter 1000 Neuinfektionen fallen werde. Dennoch rechnet Popper damit, dass die Mutation bereits im Februar, spätestens Anfang März, die Oberhand gewinnen wird. Mit Blick auf die Zahlen aus Israel, wo bereits deutlich mehr Menschen geimpft worden sind, rechnet er zudem mit einem positiven Effekt auf den Intensivstationen, sobald mehr als 200.000 Menschen in Österreich geimpft sind.

Anschober: „Sicherheit der Impfstoffe muss garantiert sein“
Zur aktuellen Impfstoffstrategie meint Anschober, dass die Zukäufe von Biontech/Pfizer nochmals erhöht werden sollen, da diese auch eine gute Wirksamkeit gegen die Mutationen versprechen. Er hoffe auf eine rasche positive Entscheidung zur Zulassung des Impfstoffes von AstraZeneca. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA müsse aber garantieren, dass die Vakzine wirklich sicher ist - er gehe davon aus, dass die Zulassung bald erfolgen werde.

Gemeinsame europäische Maßnahmen, wie sie etwa Deutschland zuletzt gefordert hatte, würde auch Anschober befürworten - die gemeinsame Impfstoffbeschaffung sei bereits ein gutes Beispiel dafür, so der Minister.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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