21.12.2020 13:03 |

Freund verurteilt

Terrorismus in Wien: Halbherziges Geständnis

„Wir sind gekommen, um euch zu schlachten“ - das und ähnliche abscheuliche Statements postete ein in Wien lebender Jugendlicher aus Bangladesch. Er war ein Freund des späteren Wiener Terrorattentäters und soll ihn in seiner Überzeugung für den „Heiligen Krieg“ bestärkt haben. Er gibt alles zu, doch klingt dieses Geständnis vor Gericht mehr als halbherzig.

Im Jahr 2013 kam der Jugendliche nach Wien. Seine Eltern lebten bereits seit Jahren hier. Der Erfolg in der Schule blieb wohl wegen seiner mangelnden Vorkenntnisse aus. Er fiel durch, wiederholte, versuchte sich im HTL, was ebenfalls fehlschlug.  Letztlich machte er eine Lehre für Elektrotechnik, was ihm aber keinen Spaß machte. In der Schule, so sagt sein Verteidiger, sei sein Mandant gemobbt worden: „Man hat ihn auch wegen seiner dunklen Hautfarbe verspottet.“

„Ich hab nur die Melodien schön gefunden“
Im Sommer 2018 traf der damals 16-Jährige den späteren Wiener Attentäter im Allerheiligenpark in Wien-Brigittenau. Die beiden freundeten sich an und hatten vor allem im Internet über Instagram-Accounts viel Kontakt. „Wir haben über religiöse Themen geredet“, sagt der Angeklagte. „Über jene radikalen Prediger, die einen islamistischen Staat gründen wollen?“, fragt die Richterin. Die Antwort kommt verhalten. Er behauptete, dass er die IS-Mitglieder ursprünglich als eine Art Freiheitskämpfer gesehen habe.

Und die Kampf-Naschids, die Propaganda-Lieder des IS, will er zwar gepostet, aber nicht verstanden haben: „Ich kann nicht arabisch, ich habe nur die Melodien schön gefunden.“ Richterin: „Haben Sie sich Tötungsvideos angesehen?“ Angeklagter: „Ja, ganz wenige.“

Am 1. September 2018 verließ Kujtim F. Österreich in Richtung Syrien. Der Angeklagte im Prozess: „Ich habe nie mit ihm über die Reise geredet und habe ihn auch nicht darin bestärkt. Aber er hat mich gebeten, seinen Instagram-Kanal zu übernehmen.“ Einmal habe sich Kujtim F. aus dem Ausland gemeldet: „Er hat bei dem Telefonat nicht gesagt, wo er ist und ich habe nicht gefragt.“

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Ich habe nie mit ihm über die Reise geredet und habe ihn auch nicht darin bestärkt. Aber er hat mich gebeten, seinen Instagram-Kanal zu übernehmen.

Der Angeklagte über Kujtim F.

Die Richterin fragt dann nach verschiedenen Postings des Angeklagten über die Huldigung der Märtyrer und das Töten der Ungläubigen. Der Angeklagte gibt das zu, Begründungen bleibt er schuldig.

„Habe mich gewundert, dass er schon wieder frei ist“
Bald nach der Rückkehr aus der Türkei wurde Kujtim F. verhaftet und wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung  zu 22 Monaten Haft verurteilt. Im Sommer 2019 kam er wieder frei. Eigenen Angaben nach hat der Angeklagte den Attentäter kurz danach getroffen: „Ich habe mich gewundert, dass er schon wieder frei ist.“

Abschließend meint er: „Ich habe niemand dazu motiviert, nach Syrien zu gehen. Und ich distanziere mich heute total von den Ideen des IS.“ Richterin: „Ich war Beisitzerin im Prozess gegen Ihren Freund und der hat damals gesagt: „IS ist die schlimmste Seuche des Islam. Dass er ganz anders gedacht hat, haben wir bald danach leider gesehen."

Das - nicht rechtskräftige - Urteil: Zwei Jahre teilbedingte Haft. Der 18-Jährige sitzt auch wegen seiner möglichen Beteiligung am Attentat vom 2. November in U-Haft.

Peter Grotter, Kronen Zeitung

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