03.12.2020 06:35 |

Enttäuschung

Bankchef-Familie am Rande des Abgrunds

Tiefe Einblicke in das Familienleben mit Ex-Bankchef Martin Pucher gab dessen Ehefrau Elisabeth am Mittwoch im U-Ausschuss in Eisenstadt. Den Tränen nahe entschuldigte sie sich gleich zu Beginn bei allen ehemaligen Kunden: „Unsere Enttäuschung ist riesengroß. Mein aufrichtiges Bedauern gilt allen Betroffenen.“

„Die Bank befindet sich in einer gravierenden Schieflage!“ Das habe Martin Pucher zu seiner Frau am Abend des 13. Juli gesagt, bevor Tags darauf das Millionen-Debakel aufgeflogen ist. Das ganze Ausmaß des Finanzfiaskos sei ihr da noch gar nicht bewusst gewesen. „Der 15. Juli war der schlimmste Tag in meinem Leben. Ich saß neben meinem Mann bei den Anwälten. Jetzt erst wurde mir klar, vor welchem Abgrund unsere Familie steht“, schilderte die Ehefrau.

Sie und ihre Töchter hätten stets auf den Mann und Vater aufgeschaut – auf einen, der nie jemanden die Hilfe verweigert habe. Über seine Bank sei Zuhause nie gesprochen worden. Fragen über seine Geschäfte hatte er – so wie im Aufsichtsrat – nie geduldet (siehe auch Politik unserer heutigen Printausgabe). Auch in die Arbeit beim SV Mattersburg sei Elisabeth Pucher nicht eingebunden gewesen. Bei den Matches war sie dabei. Im VIP-Bereich seien oft Karrieren geschmiedet worden. Jetzt habe die Ehefrau „berechtigte Hoffnung“, dass die Umweltpatente ihres Mannes mithelfen, den Finanzschaden in Grenzen zu halten.

Kein freundschaftliches Verhältnis zum Ex-Bankchef hatte die Bezirkshauptfrau von Eisenstadt-Umgebung, Franziska Auer. „Pucher war nicht ein Mensch, der offen auf andere zugegangen ist“, sagte sie. Gut befreundet war Auer allerdings mit der Ehefrau des Bankchefs. „Als sie mich am 14. Juli anrief, um mir die Selbstanzeige ihres Mannes mitzuteilen, war ich perplex. Genaues wusste sie jedoch nicht darüber“, erinnerte sich die Bezirkshauptfrau.

„Ich habe keine Wahrnehmungen, die den Untersuchungsgegenstand betreffen.“ Diese Antwort kam auf viele Fragen von Johann Fuchs, dem früheren Leiter der Staatsanwaltschaft Eisenstadt und jetzigen Chef der Oberstaatsanwaltschaft Wien, sowie von Alexandra Baumann von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft.

Detail am Rande: Nach ihrem kurzen Auftritt in der ersten Befragungssitzung im U-Ausschuss wird Puchers mitbeschuldigte Vorstandskollegin Franziska Klikovits am 17. Dezember erneut vorgeladen.

Karl Grammer, Kronen Zeitung

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