Brief ans Ministerium

Online-Unterricht bringt Eltern auf die Barrikaden

Schulen offen lassen oder Schulen schließen - am Montag ist die Debatte darüber angesichts weiterhin sehr hoher Neuinfektionszahlen mit dem Coronavirus und bevorstehender weiterer Verschärfungen im Land neu entbrannt. Während Wissenschaftler forderten, „sofort“ zuzumachen, sprangen Landeshauptleute sowie die Caritas und SOS-Kinderdorf für die Schüler in die Bresche. Und auch Eltern, an denen in einem neuerlichen Bildungslockdown die Hauptlast hängen würde, appellieren eindringlich, die Schulen offen zu halten. Der bevorstehende flächendeckende Online-Unterricht bringt einige von ihnen auf die Barrikaden - eine Initiative wendete sich in einem Offenen Brief ans Bildungsministerium.

Zwar zeigen Studien immer wieder, dass die Gefahr in der Corona-Pandemie nicht von den Schülern ausgeht, doch sind die 1,13 Millionen Schüler in Österreich laut Mathematikern der größte Hebel, um Kontakte zu reduzieren - was in der derzeitigen Situation das Um und Auf ist. Mediziner, Eltern, Psychologen sowie Caritas und SOS-Kinderdorf warnen vor den Folgen, doch gehen die Zahlen in den kommenden Tagen nicht hinunter, ist eine gestaffelte Schließung nach dem Alter wahrscheinlich: Je jünger die Kinder sind, umso länger wird ein Schließen hinausgezögert.


„Niemand spricht mit uns Eltern“

Dass es überhaupt zu Schließungen kommt, will eine Initiative aus Oberösterreich verhindern: „Niemand spricht mit uns Eltern, obwohl wir die größte Aufgabe beim Online-Unterricht haben“, ist Peter Androsch empört. Er ist Vater von zwei Kindern, die ein Linzer Gymnasium besuchen. Nun hat er sich mit anderen Eltern in Oberösterreich zusammengetan, um dem Minister und den Bildungsdirektionen in allen Bundesländern einen offenen Brief zu schreiben.

„Würden Sie Ihr Kind täglich sechs oder mehr Stunden vor den Bildschirm zwingen? Nein? Die Schulen tun es!“, heißt es etwa darin. Viele Kinder hätten nur ein Smartphone. „Starren die sechs Stunden in das Smartphone, um den Lehrer zu beobachten?“ Schulpflicht könne ja nicht heißen, dass Eltern zu Hause verpflichtet sind, Internet und Computer zur Verfügung zu stellen, so Androsch weiter.

Die Verwendung privater Online-Plattformen im Unterricht verstoße außerdem gegen Datenschutz. Aber: „Wer nicht mittut, bekommt schlechtere Noten!“, poltert Androsch. Ein solches Vorgehen fördere soziale Ausgrenzung. Der Wunsch (Details siehe Posting und Ausrisse oben): „Eltern, Lehrer, Kinder sollen gleichberechtigt Wege entwickeln, wie Schule in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg stattfinden kann.“

„Balance zwischen Gesundheitsschutz und den Interessen auf Bildung“
Das Bildungsministerium verwies übrigens am Montagnachmittag auf die unterschiedliche Datenlage zum Thema Corona und Schule. „Es gibt eine vielfältige Forschungslage zu dem Thema“, hieß es in einer der APA übermittelten Stellungnahme zur Forderung von Mathematikern und Physikern zur sofortigen Schließung aller Schulen. „Wichtig ist es, die Balance zwischen Gesundheitsschutz und den berechtigten Interessen auf Bildung herzustellen“, betont man im Ministerium.

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sprachen sich am Montag „entschieden“ gegen Schulschließungen auf Kosten der Eltern aus.

Heike Reinthaller-Rindler, krone.at, und
Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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Dienstag, 24. November 2020
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