09.11.2020 13:15 |

Heute vor 82 Jahren

„Pogromnacht muss uns immer eine Mahnung bleiben“

Zum 82. Mal jährt sich das Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung in Österreich und Deutschland in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Teile der Bundesregierung gedachten am Montag gemeinsam mit dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, mit einer Online-Veranstaltung im Bundeskanzleramt der gewaltsamen Ereignisse. „Die Pogromnacht muss uns immer eine Mahnung bleiben“, sagte Ministerin Karoline Edtstadler (ÖVP).

Die Pogromnacht „markierte eine folgenschwere Wende: aus den Worten wurden Taten, die sich gegen die jüdischen Mitmenschen richteten“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Aus diesen Taten wurde dann „das größte Menschenverbrechen“. Und das Gift des Antisemitismus sei noch immer nicht verschwunden.

„Wir müssen darauf achten, nicht stetig neuen Antisemitismus zu importieren durch Menschen, die zu uns kommen“, warnte Kurz. Dafür sei in Österreich kein Platz. Nur wer die Würde jedes einzelnen Menschen achte, habe in unsere Gesellschaft Platz. „Gegenüber der Intoleranz darf es keine falsch verstandene Toleranz geben“, so der Kanzler.

Die Redner widmeten sich in ihren Ansprachen auch dem jüngsten Terroranschlag in Wien mit vier Toten und mehr als 20 Verletzten, der sich just vor der einzigen nach der Pogromnacht übrig gebliebenen Synagoge abspielte. Das ist nach Meinung von Kurz „wahrscheinlich kein Zufall“.

Kogler: „Zügellose Gewalt“
„Wir müssen auch acht Jahrzehnte nach dem Ende des dunkelsten Kapitels unseres Landes wachsam bleiben“, sagte Edtstadler. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) zeigte auf, welche Folgen die „zügellose Gewalt“ jener Nacht hatte: Von sechs großen Synagogen und an die Hundert Vereinen und Gebetshäusern sei eine einzige Synagoge übrig geblieben.

„Wer Jude war, schwebte plötzlich in Lebensgefahr, weil er Jude war“
Jene Nacht vor 82 Jahren habe gezeigt, dass „dort, wo Hass ist, auch Lebensgefahr ist“, sagte Deutsch. „Wer Jude war, schwebte plötzlich in Lebensgefahr, weil er Jude war.“ Auch der jüngste Terroranschlag in Wien zeige, dass Hass Menschenleben in Gefahr bringe. Die jüdische Gemeinde bringe 20 Prozent ihres Budgets für die Sicherheit auf.

Österreichisch-jüdisches Kulturerbe mit vier Millionen Euro unterstützt
Mit dem am Montag präsentierten „Gesetz zur Absicherung des österreichisch-jüdischen Kulturerbes“, das diese Woche im Ministerrat beschlossen wird, wird die Gemeinde mit vier Millionen Euro jährlich unterstützt. Kurz sei es „ein ehrliches Anliegen, Judentum als zentralen Bestandteil der österreichischen und europäischen Identität zu unterstützen“. Das Gesetz sei ein „historisches Projekt“. Deutsch bedankte sich bei Kurz für dessen Einsatz für die jüdische Gemeinde und verglich ihn in diesem Punkt mit Altkanzler Franz Vranitzky.

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