06.11.2020 05:43 |

Sorgen um Spitäler

Corona: „Jetzt kommt es noch einmal hart auf hart“

Mit Wien, Niederösterreich und Oberösterreich haben am Donnerstag gleich drei Bundesländer mehr als 1000 Neuinfektionen gemeldet. Österreichweit stieg die Gesamtzahl der Covid-Infizierten erstmals über 50.000. Bevor der Lockdown sich - hoffentlich - auswirkt, könnten Spitäler an die Grenzen stoßen. „Jetzt kommt’s noch einmal hart auf hart“, sagt der Landessprecher von Vorarlberg, Florian Themeßl-Huber - und niemand wisse, wie lange das so bleibt.

„Die Maßnahmen, die in den Wochen vor dem Lockdown gesetzt wurden, haben nichts bis wenig gebracht“, sagt Simulationsforscher Niki Popper.

„Lockdown ist die einzig erfolgreiche Strategie“
Sein Kollege Peter Klimek von der MedUni Wien erklärt: „Es ist ernüchternd, aber ein Lockdown ist die einzig erfolgreiche Strategie.“ Die Mathematiker gehen davon aus, dass nach dem November ein neuerliches Herunterfahren unvermeidbar ist. Wintertourismus etwa sei nur mit starken, regionalen Eingriffen möglich.

Hoffnung, dass Österreicher ihre Kontakte reduzieren
Bis dahin ist die Hoffnung, dass die Österreicher ihre Kontakte reduzieren und so das Gesundheitssystem entlasten. Am Donnerstag waren 407 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen. Binnen 14 Tagen wird sich diese Zahl auf 760 knapp verdoppeln, so die Mathematiker. Ein kritischer Wert: Damit wären 38 Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt, 60 Prozent werden im Schnitt akut benötigt. Bleibt eine Reserve von zwei Prozent ...

Angespannte Lage in Tirol
Besonders angespannt ist die Lage laut AGES in Tirol, mit einer Auslastung von fast 90 Prozent. Hierbei gilt es aber zu differenzieren, denn an den Tirol Kliniken wird ein Pandemie-Stufenplan angewandt - wird die nächste Stufe erreicht, kann ausgeweitet werden. „Wie viele Betten noch frei sind, können wir nicht sagen“, erklärt Kliniksprecher Johannes Schwamberger. Dennoch: „Die Zahlen steigen in besorgniserregender Geschwindigkeit." Alleine am Dienstag wurden 16 neue Covid-Patienten eingeliefert. Und die Überwachung des Abwassers in Tirol verheißt nichts Gutes: Am Montag wurde in Innsbruck die höchste Viruslast seit Beginn des Monitorings Anfang August gemessen.

Vorarlberg richtet 200 Betten in Messehalle ein
Auch in Vorarlberg spitzt sich die Lage zu, hier liegt die Auslastung laut AGES, wie in Oberösterreich, bei rund 50 Prozent. Und es geht in rasantem Tempo weiter: „Am 26. Oktober hatten wir noch 69 Covid-Patienten, gestern waren es 141 - 27 davon auf der Intensiv“, schildert Sprecher Florian Themeßl-Huber. Die Vorarlberger Gesundheitsverantwortlichen haben sich deshalb zur Reaktivierung des stationären Notversorgungszentrums in Dornbirn entschlossen. In der Messehalle werden zwei Stationen mit je 100 Betten errichtet.

In der Steiermark und in Salzburg sind laut AGES 25 bis 35 Prozent der verfügbaren Intensivbetten belegt. In fast allen Bundesländern werden planbare und nicht dringende Operationen verschoben.

Anna Haselwanter und Teresa Spari, Kronen Zeitung

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