01.11.2020 14:39 |

„Luft nach oben“

365 Tage später: Bilanz zum Rauchverbot in Lokalen

Nach erbittertem Kampf trat das Zigaretten-Verbot in der Gastronomie vor genau einem Jahr in Kraft. Bei der Bilanz gibt es Luft nach oben. Trafiken erlitten Einbußen, das „Wirtesterben“ durch den Nichtraucherschutz blieb aber aus, weil alles von der Corona-Pandemie überschattet wird.

Vor einem Jahr, in der Halloween-Nacht auf den 1. November, begann das aschenbecherlose Zeitalter in gastronomischen Innenräumen. Zudem wurde das Mindestalter fürs Rauchen auf 18 Jahre angehoben. Das „Don’t smoke“-Volksbegehren unterzeichneten knapp 900.000 Menschen.

Rauchverbot ist in Gastronomie angekommen
Arg gebeutelt sind nach wie vor Shisha-Bars, deren Geschäftsgrundlage das Dampfen von Wasserpfeifen war. Weiters Hotels und Restaurants, die diversen Zigarrenklubs die Möglichkeit von Treffen geboten hatten. Sehr zu spüren war die Einführung des Rauchverbots auch in der Nachtgastronomie mit oftmals massiven Anrainerbeschwerden, weil im Freien gequalmt wurde.

Doch dann walzte die Pandemie alles nieder. „Der Einfluss auf den Umsatz in den Lokalen, wo viele Raucher zu Gast waren, war zuvor deutlich zu spüren“, sagt Obmann Peter Dobcak von der Wirtschaftskammer. Auswirkungen spürten auch die Trafiken: Immer weniger Wirte verkaufen Zigaretten, sie fallen als Kundschaft weg. Der Rückgang durch das Verbot betrug im November 2019 knapp neun Prozent.

Im Lockdown wird mehr gequalmt
„Doch durch den Lockdown gab es wieder ein Plus von 4,4 Prozent, offenbar durch die Grenzsperren“, so Josef Prirschl, Obmann des Bundesgremiums der Tabaktrafikanten. Laut Finanz ist für Jänner bis August 2020 ein Tabaksteuer-Mehraufkommen von 44,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Das bedeutet sogar ein Plus von 3,5 Prozent – wohl auch, weil die Einkaufsfahrten ins Ausland weggefallen sind.

Für Sozialmediziner Ernest Gormann von der Med-Uni Wien hat sich alles ins Private verlagert. „Es scheint in der Krise eher zu einer Zunahme des Rauchens zu kommen. Im Home-Office kann man sich die Zigaretten-Pausen besser organisieren als in einer Firma, wo ein Verbot herrscht.“

„Beim Nichtraucherschutz gibt es dennoch viel Luft nach oben, etwa höhere Preise“, so der besorgte Mediziner. Es gibt aber dennoch erste Hinweise, dass nun weniger geraucht wird. So ist laut Statistik Austria die Zahl der Raucherinnen erstmals seit dem Jahr 1972 wieder gesunken.

Florian Hitz, Kronen Zeitung

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