26.09.2020 10:55 |

„Krone“-Kommentar

Lieber schweigen

Etwas Besseres hätte der SPÖ, 15 Tage vor der Wien-Wahl, gar nicht passieren können. Ein kritischer Text des Schriftstellers Robert Menasse wurde vom Facebook-Profil des ÖVP-Spitzenkandidaten einfach gelöscht. Blümel, der immerhin einmal Kulturminister war, lässt ausrichten, dass alle Postings, die der sogenannten Netiquette widersprechen, entfernt würden, unabhängig davon, wer der Urheber sei. Das gelte insbesondere für Hitler-Vergleiche.

„Lieber Gernot Blümel“, hatte Wutliterat Menasse als Reaktion auf ein Wahl-Video gepostet, „was meinen Sie mit ,Wien wieder nach vorne bringen‘? Meinen Sie die Zeit vor dem roten Wien, als die Stadt einen antisemitischen Bürgermeister hatte, von dem Hitler lernte?“

Und dann führte Menasse aus, dass „alles, was an Wien lebenswert“ sei - Gemeindebauten, Fußgängerzonen, Ausbau der U-Bahn, UNO-City -, nicht aufgrund politischer Entscheidungen der ÖVP entstanden sei. Und dass Finanzminister Blümel aufgefallen sei als einer, der sechs Nullen vergesse, nicht imstande, ein EU-Formular korrekt auszufüllen, also solle er lieber schweigen.

Souverän wäre allerdings gewesen, wenn Blümel eben nicht geschwiegen, sondern Menasse geantwortet hätte.

Kein Wunder, dass von der Parteichefin Pamela Rendi-Wagner abwärts sämtliche SPÖ-Politiker Menasse nun bejubeln. All die Punkte, die er anführt, muten wie eine Gratis-Werbekampagne für die Wahl am 11. Oktober an. Und das kann Gernot Blümel doch nicht gewollt haben.

Conny Bischofberger, Kronen Zeitung

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