02.09.2020 16:11 |

Aussage unter Tränen

Studentin nach Uber-Fahrt vergewaltigt: Haftstrafe

Bei den Schilderungen des Erlebten brach das Opfer in Tränen aus, minutenlang musste die Verhandlung am Mittwoch am Wiener Straflandesgericht unterbrochen werden. Laut Anklage war die 20-Jährige Ende Juni von einem Wiener Uber-Fahrer nach einer Fahrt vergewaltigt worden. Bis zuletzt leugnete der Angeklagte die Tat, Sex habe es nie gegeben, ein Übergriff sei nie passiert. Das Gericht glaubte dem Mann schlussendlich nicht, verurteilte ihn zu drei Jahren Haft. Der Angeklagte akzeptierte überraschend den Schuldspruch.

Gemeinsam mit zwei Freunden hatte die 20-Jährige am 28. Juni ein Uber-Auto bestellt, da sie die letzte U-Bahn verpasst hatten. Nachdem die beiden Burschen abgesetzt worden waren, bat der Lenker die Studentin, neben ihm am Beifahrersitz Platz zu nehmen. Man habe sich gut unterhalten, am Zielort noch gemeinsam eine Zigarette geraucht, dann habe er ihr seine Handynummer gegeben, damit sie ihn auch künftig bei Bedarf für Fahrten bestellen könne.

Gepackt, geküsst, an Zaun gedrückt
Ein Übergriff sei jedoch nicht passiert, auch könne sich der Angeklagte die Anschuldigungen nicht erklären, wie es am Mittwoch hieß. Doch die Schilderungen der 20-Jährigen waren gänzlich andere. So hätte sie der Lenker während der Fahrt nach sexuellen Erfahrungen gefragt, ihr am Zielort eine Zigarette angeboten und sie plötzlich gepackt und geküsst. Weil sie das nicht wollte, habe er sie gegen einen Zaun gedrückt, ihr schließlich ihr Kleid aufgeknöpft und sich an ihr vergangen.

Auf die Frage, weshalb sie nicht um Hilfe gerufen habe, erwiderte die Studentin: „Ich war in einem Schockzustand. Ich hatte Angst, dass er aggressiver wird, wenn ich schreie.“ Auf den Austausch der Telefonnummern habe sie sich eingelassen, „um kein Risiko einzugehen“. Sie habe erst zwei bis drei Tage später einem Freund und einer älteren Vertrauten von dem Vorfall erzählt, die sie ermuntert hätten, die Sache anzuzeigen. Am 6. Juli ging die Studentin zur Polizei, der Uber-Fahrer wurde daraufhin festgenommen und von dem Ride-Sharing-Unternehmen gesperrt.

Angeklagter akzeptierte Urteil
Der Angeklagte wurde wegen Vergewaltigung zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Angaben der Zeugin seien „glaubwürdig und logisch nachvollziehbar“, stellte die Vorsitzende in der Urteilsbegründung klar. Es gebe auch kein Motiv, weshalb sie einen Mann zu Unrecht belasten sollte, den sie bis zur gegenständlichen Tat gar nicht gekannt habe. Nach der Urteilsverkündung und einer 20-minütigen Beratung mit Verteidiger Philipp Winkler akzeptierte der Mann dann überraschend Schuldspruch und Strafe. Das Urteil ist somit bereits rechtskräftig.

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