31.08.2020 09:29 |

Neue Risiken im Herbst

Corona: Experte warnt vor „Dynamik bei Jungen“

Mit einer „potenziell schwierigen Ausbreitungssituation“ im Herbst rechnet Simulationsforscher Niki Popper von der Technischen Uni (TU) Wien beim Blick auf die Covid-19-Pandemie. Die aktuelle „Dynamik bei den Jungen“ könne zeitversetzt auch dazu führen, dass die älteren Risikogruppen wieder stärker mit dem Virus konfrontiert sind. Bei der Eindämmung gebe es noch Luft nach oben, so Popper.

Tatsächlich hat sich im Sommer der Anteil der Covid-19-Fälle stark in Richtung der Altersgruppe der 15- bis 30-Jährigen verschoben: Für Mitte August zeigen Auswertungen der EMS-Daten durch Popper und sein Team etwa, dass rund die Hälfte der über den Monat hinweg kontinuierlich steigenden Fallzahlen in dieses Alterssegment fallen. Zur Erinnerung: Am Beginn der Pandemie lag der Schwerpunkt auf den 45- bis 60-Jährigen und 60- bis 75-Jährigen.

„Therapie viel effizienter als im Frühling“
Die Prognosen des TU-Wien-Modells um den Lockdown im März hätten relativ bald erkennen lassen, dass die Kapazitäten im Gesundheitssystem ausreichen werden. Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Monate sieht der Simulationsforscher auch jetzt keine problematischen Auswirkungen auf das Gesundheitssystem, speziell die Hospitalisierungen, zukommen, „weil die Therapie viel effizienter ist als im Frühling“.

„Wahrscheinlich höhere Dunkelziffer“
Kritisch sei aber die Ausbreitung zu sehen: „Der Druck ist schon höher, als er damals war. Das liegt unter anderem daran, dass wir diesmal nicht bei null oder zwei Fällen anfangen, sondern jetzt weitverbreitet viele Herde haben und wahrscheinlich auch eine höhere Dunkelziffer“, sagte Popper. Dass die Fallzahl momentan nicht stark steigt, liege den Modellen folgend vermutlich an der Struktur der Cluster, dem „Gegendruck“, den die Maßnahmen noch ausüben, und einem derzeit ausreichenden Isolieren positiver Fälle.

Herbst: Verstärkte Indoor-Aktivitäten, größere Menschenmengen
Wenn im Herbst nun wieder verstärkt Indoor-Aktivitäten mit größeren Menschenmengen anfahren und zeitversetzt mit den fallenden Temperaturen der Wintertourismus und die Grippesaison einsetzen, würden sich die Strukturen in den Ausbreitungsnetzwerken ändern und die gesetzten Maßnahmen in ihrer Wirkung schwächer. Gleichzeitig wird der Aufwand der Test- und Nachverfolgungsstrategie (TTI-Strategie) mit steigenden Fallzahlen schnell höher und dürfte für diesen Fall noch immer nicht ausreichend gut funktionieren.

Corona-Ampel „wichtiger Schritt“
Die geplante Corona-Ampel des Gesundheitsministeriums wertet Popper als „wichtigen Schritt“. Es werde aber vieles daran liegen, wie die Politik mit den Empfehlungen der Ampel-Kommission umgeht. Da hier - im Gegensatz zum Vorgehen in Deutschland - sehr viele Indikatoren wie die Testzahlen, die Cluster-Situation oder die Krankenhausressourcen mitberücksichtigt und transparent gemacht werden, verspreche die Konstruktion viel Positives, weil man „viel differenzierter“ auf die Dynamik der Ausbreitung reagieren könne. Popper hofft, dass mit derartigen Systemen künftig „nicht zielgerichtete und zu breite Reaktionen“ vermieden und stattdessen regional sinnvolle Aktionen gesetzt würden.

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