30.08.2020 10:56 |

Chronik zu Wasserstand

Als jahrelang der See ausgetrocknet war

Trockenheit und geringer Niederschlag setzen dem Neusiedler See immer mehr zu. Der Wasserstand ist auf besorgniserregende 70 Zentimeter gesunken. Ein Konzept zur Rettung des Naturparadieses ist in Arbeit. Dass die Oase im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ganz verschwunden ist, zeigen historische Aufzeichnungen.

Der Neusiedler See hat kaum Zuflüsse und außer dem Einserkanal keine Abflüsse. Frisches Wasser bringen nur Niederschläge. Zum Verlust trägt fast ausschließlich die Verdunstung bei. Heiße Sommertage mit viel Wind können in kurzer Zeit den Wasserstand um bis zu einem Zentimeter senken. Bei Messungen nahe Mörbisch betrug nun der Pegelstand nur 70 Zentimeter.

Höchst interessante Einblicke geben historische Aufzeichnungen. Nachweislich war der See vor zwei Jahrtausenden, im Mittelalter sowie 1736 und 1811 zum Teil oder ganz ausgetrocknet, wie eine Chronik der Fischerei aufzeigt. Das Schwinden des Wassers war aber in keiner Periode von so langer Dauer wie bei der letzten Austrocknung von 1865 bis 1871.

„Schon 1864 war der Pegelstand nieder, große Flächen wirkten wasserfrei“, heißt es in dem Protokoll. Der Sommer im Jahr darauf, geprägt durch Hitze, Föhnwinde und lang anhaltenden Regenmangel, bereitete dem See dann ein Ende. „Nur an der tiefen Stelle unweit von Apetlon schimmerte ein schmaler Wasserstreifen im Licht. Jede Böe wirbelte vom kargen Boden viel Staub auf, was mit Rauchwolken bei einem Brand verwechselt wurde“, lautet die Beschreibung von einst. „Das Gehen auf dem frei liegenden Seegrund war sehr unsicher, oft brach die Kruste ein und man versank bis über die Knie im Schlamm“, berichtete damals ein Wanderer, der von Weiden nach Oggau unterwegs war.

Aufsehen erregte früher oft eine Fata Morgana. Laut Chronik erblickten Seeuferbewohner an manch sonnigen windstillen Tagen hoch in der Luft das verkehrte Spiegelbild einer gegenüberliegenden Gemeinde - so, als ob der Ort von Wasser umgeben wäre. „Die Podersdorfer sahen etwa die Purbacher oder Weidener Kirche mit umgekehrter Turmspitze, gleichsam in der Luft schwebend“, so die Schilderung. Bleibt zu hoffen, dass auch das Bild vom ausgetrockneten Neusiedler See künftig nur eine Fata Morgana ist.

Karl Grammer, Kronen Zeitung

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