04.08.2020 18:00 |

Beratungen fortgesetzt

Urteilsverkündung im Mordfall Kuciak verschoben

Das  Strafgericht in Pezinok in der Slowakei hat die für Mittwoch angekündigte Urteilsverkündung im Mordfall des Investigativ-Journalisten Jan Kuciak verschoben. Grund: Der dreiköpfige Strafsenat will die Beratungen fortsetzen. Als neuer Termin für die Urteilsverkündung wurde der 3. September bestimmt.

Die Urteilsverkündung wurde im ganzen Land mit viel Spannung erwartet und sollte am Vormittag um 9 Uhr stattfinden. Akkreditiert hatten sich im Vorfeld auch rund 100 in- und ausländische Journalisten. Am Dienstag um 16:30 Uhr wurde der Termin am Mittwoch völlig unerwartet abgesagt, wie Gerichts-Sprecherin Katarina Kudjakova bekannt gab. Die Senatsvorsitzende Ruzena Sabova habe diesen Schritt beschlossen, da eine Fortsetzung der Beratung des dreiköpfigen Senats notwendig sei, so Kudjakova. 

Bedenken an Schuld eines Angeklagten?
Laut slowakischen Medien sollte der zuständige Strafsenat am Dienstag bei einer geplanten Beratung über das definitive Strafmaß abstimmen. Warum nach sieben Monaten und 21 Verhandlungstagen eine eintägige Beratung den Richtern nicht ausreichte, ist nicht bekannt. Medien in der Slowakei spekulieren, dass eines der Mitglieder des Senats Bedenken bezüglich der Schuld eines der Angeklagten haben könnte.

25 Jahre Haft beantragt
Vor Gericht stehen in der Hauptverhandlung, die am 13. Jänner begonnen hatte, der Geschäftsmann Marian K., als mutmaßlicher Auftraggeber des Journalisten-Mordes, die Italienisch-Dolmetscherin Alena Zs., die den Mord organisiert haben soll, und Tomas Sz., der den Todesschützen zum Tatort gefahren haben soll. Für alle drei hatte der zuständige Staatsanwalt 25 Jahre Haft beantragt. Alle drei Angeklagten bestreiten ihre Schuld. Zwei weitere Mittäter wurden im Fall bereits in gesonderten Verfahren verurteilt.

Anfang April wurde der Todesschütze Miroslav Marcek wegen vorsätzlichen Mordes für schuldig befunden und zu 23 Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

Journalistenmord im Februar 2018
Der Aufdeckreporter Kuciak und seine Lebensgefährtin Kusnirova wurden am 21. Februar 2018 in ihrem Haus im westslowakischen Velka Maca erschossen. Der Journalist hatte zuvor zu Korruption und Verstrickungen von Politik und Geschäftemacherei recherchiert, womit er dem einflussreichen Geschäftsmann Kocner in die Quere gekommen sein dürfte. Die Bluttat hat die Slowakei politisch und gesellschaftlich zutiefst erschüttert und führte bei der Parlamentswahl Ende Februar zur Abwahl der seit Jahren regierenden sozialdemokratischen Smer-Partei. Ihr wurde die Hauptschuld für mafiaähnliche Zustände und wuchernde Korruption im Land zugeschrieben.

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