10.07.2020 08:01 |

Takuma Sato

„Als hätte mich ein Meteorit getroffen“

In Runde 27 des Großen Preises von Österreich 2002 lenkte der Jordan-Pilot Takuma Sato in die Remus Kurve ein. Hinter ihm ging Nick Heidfeld im Sauber auf die Bremse … und die Hölle brach los!

Takuma Sato war nach einer Safety-Car-Phase wieder auf der Strecke und bereitete sich gerade darauf vor, mit seinem unterlegenen Jordan EJ12 so weit wie möglich nach vorne zu kommen. Als er den Hügel in Richtung Kurve 2 hinauffuhr, wurde der japanische Formel-1-Neuling von den Spitzenreitern des Rennens überrollt. Sato wich pflichtschuldig nach links von der Ideallinie ab, als Rubens Barrichello, Ralf und Michael Schumacher sowie Juan Pablo Montoya auf der Innenbahn vorbeizogen.

„Dachte, es würde alles gut gehen ...“
Weiter hinten musste der fünftplatzierte Nick Heidfeld reagieren, als die Bremsen von Alex Yoong im Minardi blockierten. Obwohl Heidfeld die Bremsen bloß antippte, geriet sein Auto plötzlich völlig außer Kontrolle, drehte ab und raste seitlich auf den Scheitelpunkt der Kurve zu. „Ich bin sehr lange rückwärts gerutscht“, sagt Nick. „Ich wusste, dass viele Autos vor mir waren, und hoffte nur, ich würde da irgendwie durchkommen, ohne jemanden zu berühren. Ich dachte, es würde alles gut gehen, aber dann …“ Alles explodierte.

„Unglaublich harter Einschlag“
Heidfelds Sauber krachte mit beträchtlicher Wucht in die rechte Seite von Satos Jordan und deckte die Strecke mit Kohlefasersplittern ein. „Ich dachte, ein Meteorit hätte mich getroffen“, erinnert sich Sato. „Es war ein unglaublich harter Einschlag, völlig aus dem Nichts. Ich fühlte starke Schmerzen und konnte meine Beine nicht bewegen, weil sie zwischen den Carbonteilen eingeklemmt waren.“ Der Aufprall war so heftig, dass er ein Loch in die Seite des Jordan-Cockpits schlug, durch das man Satos Beine sehen konnte. Alle hielten die Luft an.

„Woran ich mich vor allem erinnere, ist, dass ich in meinem Auto saß und sah, dass Takumas Jordan in Stücken war“, sagt Heidfeld. „Er blieb lange, lange Zeit in seinem Auto, und ich machte mir große Sorgen um ihn. Dieses Warten, um zu erfahren, ob er verletzt war, war einer der schlimmsten Momente meiner Karriere.“

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Der Unfall war meine Schuld.

Nick Heidfeld

„Meine Schuld“
„Der Unfall war meine Schuld“, gibt er zu. „Wir hatten neue Bremsbeläge im Einsatz, die ich ausgewählt hatte, obwohl ich wusste, dass es schwieriger sein würde, sie auf die optimale Betriebstemperatur zu bringen. Aber wenn man sie erst einmal im richtigen Arbeitsbereich hatte, waren sowohl der Biss als auch die Verzögerungswerte besser. Während der Safety-Car-Phase hatte sich dann alles abgekühlt, und die Beläge sind einfach nicht wieder auf Temperatur gekommen. Daher der Dreher.“ „Wäre der Unfall fünf Jahre früher passiert, wäre die Sache nicht so glimpflich ausgegangen“, räumt der japanische Fahrer ein. „Zum Glück hatte sich die Sicherheit der Autos rasant verbessert. Außerdem muss ich mich bei Eghbal Hamidy bedanken, der den EJ12 entworfen hat. Das Auto hatte den höchsten Vorderwagen in der Formel 1, und das bedeutete, dass sich Nicks Getriebe unter meinem rechten Knie ins Auto gebohrt hat und nicht ins Knie selbst. Hätte mein Auto eine gewöhnliche, niedrige Nase gehabt … Ich möchte gar nicht daran denken.“

Sato wurde noch am Unfallort von Professor Sid Watkins untersucht, bevor er in das medizinische Zentrum des A1‑Rings und dann zur weiteren Beobachtung ins Krankenhaus nach Graz gebracht wurde.

Bereits am folgenden Tag wurde er wieder entlassen, zwei Wochen später ging er sogar beim Rennen in Monaco an den Start. Was Heidfeld betrifft, so kam er mit einem verletzten linken Bein davon. Und die Bremsbeläge hat er nie wieder benutzt.

The Red Bulletin

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