04.07.2020 12:59 |

Legende erinnert sich

Berger: Zank mit Ecclestone wegen Red-Bull-Flasche

„Seinetwegen hatte ich im Jahr darauf meinen ersten Clinch mit F1-Boss Bernie Ecclestone, weil ich meine Red Bull-Trinkfasche in Mexiko auf das Siegespodium mitnahm, er das Podest aber exklusiv an einen Champagnerhersteller verkauft hatte.“ Österreichs Formel-1-Legende Gerhard Berger erinnert sich in dieser Red-Bulletin-Kolumne (hier unten) an seine erste Begegnung mit Didi Mateschitz und die darauf folgende Beziehung.

Ich fuhr gerade meine erste volle F1-Saison im Team von ArrowsBMW. Geld war knapp, und selbst für kleinere Summen musste ich mich unglaublich lang machen. BMW glaubte an mich, das war mein Glück. Aber ich lebte von der Hand in den Mund und musste ständig zittern, ob nicht eines Tages ein anderer Fahrer mit solider Mitgift zu Teamchef Jackie Oliver gehen und mir mein Cockpit streitig machen würde. Das Auto war robust, aber langsam, mein Maßstab war Teamkollege Thierry Boutsen - Belgier, routinierter Fahrer -, und ich hatte das Gefühl, dass ich ihn Zug um Zug immer besser in den Griff bekam.

Keine rosige Zukunft
Doch meine Zukunft sah alles andere als rosig aus, denn der WM-Stand vor dem Großen Preis von Österreich sagte etwas ganz anderes: Boutsen neun WM-Punkte, Berger null. Jetzt hatte er mich auch noch im Qualifying ausgerechnet hier beim Heimrennen geschlagen, wenngleich bloß um eine mickrige Hundertstelsekunde. So stand ich also im Fahrerlager, als sich mir ein großgewachsener Mann vorstellte. Beim Heimrennen steht man noch mehr im Fokus als normal, und die allermeisten der Händeschüttler wollen etwas von dir. So auch dieser Mann hier: Er wolle mich sponsern, sagte er. Er habe die Idee für ein tolles neues Produkt, und ich sei das perfekte Testimonial.

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Er habe auch nicht wirklich Geld, ich müsste also bitte ein wenig in Vorleistung gehen. Er könne mir immerhin die unglaubliche Summe von 10.000 Dollar anbieten. Jetzt wäre eigentlich der zweite Zeitpunkt zum Augenrollen gewesen, denn 10.000 Dollar brachten einen schon 1985 in der Formel 1 nirgendwohin, aber irgendwie gefiel mir der Typ von Anfang an, und er taugte mir mit jedem Satz mehr

Gerhard Berger

„Irgendwie gefiel mir der Kerl“
Normalerweise hältst du das Gespräch in solchen Fällen kurz, rollst innerlich die Augen und gehst. Leider war ich nicht in der Position, die Augen rollen zu können, und begann zuzuhören. Firma habe er zwar noch keine, erklärte er mir, aber das sei bloß eine Frage von Tagen, höchstens Wochen oder Monaten. Er habe auch nicht wirklich Geld, ich müsste also bitte ein wenig in Vorleistung gehen. Er könne mir immerhin die unglaubliche Summe von 10.000 Dollar anbieten. Jetzt wäre eigentlich der zweite Zeitpunkt zum Augenrollen gewesen, denn 10.000 Dollar brachten einen schon 1985 in der Formel 1 nirgendwohin, aber irgendwie gefiel mir der Typ von Anfang an, und er taugte mir mit jedem Satz mehr. Er war enthusiastisch, überzeugend, ein Macher, kein Dampfplauderer, das war eindeutig. Die Chemie zwischen uns beiden stimmte von Anfang an, und das ist ein guter Start für jede Art von Geschäftsbeziehung, wie ich finde. Wir verabredeten uns nach dem Training auf ein Bier oben im Enzingerhof, in der Nähe der alten Bosch-Kurve.

Lebenslange Freundschaft
Sie haben es sicher erraten, der lange Kerl hieß Didi Mateschitz, das tolle Produkt, an das er so fest glaubte, war Red Bull. Ein halbes Jahr nach unserem Treffen hatte er seine Firma tatsächlich gegründet und rief mich an, ob unser Deal noch gelte. Klar, sagte ich, haben wir ja so ausgemacht. So wurde aus der Begegnung im Fahrerlager eine einzigartige Erfolgsgeschichte im Motorsport, eine all die Jahre überdauernde Partnerschaft - und noch viel mehr: eine lebenslange Freundschaft zwischen uns beiden.

Clinch mit Ecclestone
Seinetwegen hatte ich im Jahr darauf meinen ersten Clinch mit F1-Boss Bernie Ecclestone, weil ich meine Red Bull-Trinkfasche in Mexiko auf das Siegespodium mitnahm, er das Podest aber exklusiv an einen Champagnerhersteller verkauft hatte. Bernie ging durch die Decke, doch ich ließ mich nicht unterkriegen. Das war der Geist der frühen Jahre, immer ein wenig frech und gegen den Strich gebürstet. Dass ich bei Ferrari fuhr, als es mit Red Bull so richtig losging, half uns natürlich beiden. Manchmal staune ich, was aus der Begegnung vor 35 Jahren geworden ist. Sie war der Ursprung des Motorsport-Sponsorings bei Red Bull, das es sonst vielleicht nie gegeben hätte.

Aus dem Österreichring ist der Red Bull Ring geworden. Es gibt mit Red Bull Racing und der Scuderia AlphaTauri gleich zwei F1-Rennställe, es gibt das Nachwuchsprogramm. Red Bull hat Sieger und Weltmeister hervorgebracht. Hätte Didi damals im Fahrerlager nicht auf mich gewartet, wären wir heute nicht hier - ich am Ring und Sie vor dem Fernseher mit den tollen Bildern aus Spielberg beim ersten Großen Preis der Steiermark.

krone Sport
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