30.06.2020 12:30 |

Schockierende Häufung

Zahl der Frauenmorde steigt in Österreich

Alle paar Tage versucht ein Mann in Österreich eine Frau umzubringen - im Schnitt gelingt es dreimal pro Monat. Zuletzt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Imst. Die eigenen vier Wände sind der gefährlichste Ort für Frauen. Die Täter, meist Partner oder Familienangehörige, versuchen die Taten häufig zu vertuschen - doch „Frauenmorde sind keine Beziehungsdramen“.

26 Jahre alt war Jenny V., als sie im Februar 2017 spurlos verschwand. Dabei, so die Zeugenaussagen damals, hätte Jenny ihre beiden Kinder nie verlassen. Nachrichten, die von ihrem Handy versandt wurden, sollten aber Gegenteiliges beweisen. Dennoch geriet der Schwiegervater der jungen Frau rasch ins Visier der Ermittler. Bei einem Indizienprozess im Jänner 2018 wurde der Mann schließlich wegen Mordes verurteilt. Die Geschworenen hatten keine Zweifel daran, dass der damals 43-Jährige seine Schwiegertochter umbrachte, in den Inn warf und versuchte, die Tat zu vertuschen. Eine Trennung der Frau von seinem Sohn war zuvor im Raum gestanden.

Wunsch nach Trennung für Frauen gefährlich
Dass der Wunsch nach Trennung für eine Frau extrem gefährlich werden kann, ist auch einer der Schlüsse, die eine Arbeitsgruppe im Vorjahr gezogen hatte. Die „Screening-Gruppe“ war aufgrund der schockierenden Häufung an Frauenmorden eingesetzt worden. Denn in Österreich besteht dringend Handlungsbedarf: Während es im Jahr 2014 laut Kriminalstatistik 19 Morde an Frauen gab, waren es 2018 41, im Vorjahr 39 – eine Entwicklung, die sich auch heuer fortsetzt. Nach einer Erhebung des Statistischen Amtes der EU (Eurostat) 2019 ist der Anteil weiblicher Opfer bei Tötungsdelikten in keinem europäischen Land höher als in Österreich.

„Frauenmorde sind keine Beziehungsdramen“
Die meisten Frauenmorde würden sich in Intimbeziehungen und Familien ereignen, so ein weiteres Ergebnis der Arbeitsgruppe. Doch „Frauenmorde sind keine Beziehungsdramen“, sagt Katrin Biber, die sich dafür einsetzt, die Dinge beim Namen zu nennen. „In Österreich bringen Männer regelmäßig Frauen um. Wir müssen dringend anfangen, über die Strukturen zu sprechen, die sich dahinter verbergen“, sagt Biber, deren Schwester Larissa im Jahr 2013 von ihrem damaligen Freund brutal ermordet wurde. Dominik W. erwürgte und erstickte die damals 21-Jährige, warf sie danach ebenfalls in den Inn – und beteiligte sich danach tatkräftig an der Suche nach ihr. Er wurde im Jahr 2014 zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt.

„Müssen die Dinge beim Namen nennen“
Katrin Biber beschäftigt sich seither mit dem Thema Trauer, hat ein Buch über den Mord an ihrer Schwester geschrieben – und setzt sich dafür ein, die Dinge beim Namen zu nennen. Denn das Wort „Beziehungsdrama“ klinge nach Theaterstück, nach Krimi – „aber es sind echte Menschen, die da gestorben sind.“

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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