18.06.2020 11:15 |

Mehrere Achillesfersen

Große Gefahr für unsere Lebensmittelversorgung

Die heimische Lebensmittelproduktion hat gleich mehrere Schwächen. Das zeigt eine neue Analyse auf, die sich mit den größten Gefahren für eine sichere Lebensmittelversorgung in Österreich befasst. Neben der Klimakrise bedrohen künftig insbesondere die Bodenversiegelung, Lebensmittelverschwendung, Agrotreibstoff-Produktion, zunehmende soziale Ungleichheit, Abhängigkeit von Futtermittelimporten und der übermäßige Flächenverbrauch für die Fleischproduktion die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln.

Eine von Greenpeace beauftragte BOKU-Analyse zeigt, dass etwa aufgrund der Klimakrise und zunehmenden Extremwetterereignissen wie Dürren Österreich schon ab 2035 mit Ertragseinbußen in der Landwirtschaft um 19 Prozent rechnen muss. Gleichzeitig landen bis zu einer Million Tonnen Lebensmittel jährlich im Müll, was österreichische Haushalte finanziell belastet und klimaschädliche Emissionen erzeugt.

Fleischkonsum vernichtet Anbauflächen
Auch der übermäßige Fleischkonsum bedroht die Versorgungssicherheit, denn rund 80 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen werden hierzulande für die Haltung von Nutztieren oder die Produktion von Futtermitteln genutzt. Dadurch gehen wertvolle Flächen verloren, auf denen gesunde Lebensmittel produziert werden könnten. Die Lebensmittelproduktion in Österreich also „hat gleich mehrere Achillesfersen“, so Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich.

„Die Umstellung auf eine ökologische, kreislauforientierte sowie viel stärker regional ausgerichtete Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung, ist angesichts kommender Krisen unverzichtbar. Nur dann können wir uns in Österreich künftig mit ausreichend und gesunden Lebensmitteln selbst versorgen“, sagt Thomas Lindenthal, einer der beiden Autoren der Analyse.

Griff zu umweltfreundlichen Produkten erleichtern
„Das heißt unter anderem: Wir müssen in Österreich die biologische Landwirtschaft ambitioniert ausbauen und einen nachhaltigen gesünderen Ernährungsstil etablieren. Das bedeutet unter anderem weniger Fleisch essen, dafür mehr biologisches, saisonales und regionales Gemüse und Obst und generell Konsumenten den Griff zu umweltfreundlichen Produkten aus Österreich erleichtern. Beispielsweise, indem die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln in allen Bereichen deutlich verbessert wird“, so Lindenthal.

Soziale Ungleichheit erschwert gesunde Ernährung
Aber nicht nur ökologische Faktoren gefährden die Versorgungssicherheit. Auch die zunehmende soziale Ungleichheit macht es einkommensschwachen Haushalten schwerer, sich ausreichend gesund zu ernähren. Im Krisenfall kommen dann oft plötzliche Preissteigerungen hinzu. So zeigen etwa die Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat einen starken Anstieg der Kosten für frische Lebensmittel seit Beginn der Corona-Krise. Lag die monatliche Teuerung für frische Lebensmittel EU-weit im Jänner noch bei 2,3 Prozent, waren es im April schon 7,6 Prozent.

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Die Corona-Krise hat uns vor Augen geführt, dass unsere Lebensmittelversorgung auch im Krisenfall einwandfrei funktionieren muss.

Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace

Die Corona-Krise hat uns vor Augen geführt, dass unsere Lebensmittelversorgung auch im Krisenfall einwandfrei funktionieren muss. Die vorliegende Analyse verdeutlicht, welche Lehren die Bundesregierung jetzt aus der Krise ziehen muss", so Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich.

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