„Krone“ bleibt dran

Die Tiertransporte endlich stoppen!

Ende Februar war der große „Krone“-Gipfel zu den Tiertransporten - was hat sich seither aber getan? Rudolf Anschober erwirkt einen Erlass und hat seinen eigenen Corona-bedingt verschobenen Gipfel auf Anfang Juli gesetzt.

Allein die enorme Flut an Leserbriefen zur „Krone“-Tiertransportberichterstattung zeigt überdeutlich: Die Österreicher wollen nicht, dass die Lebewesen auf ihrem Weg in den Tod auch noch gequält werden. Und viele fordern ein Verbot der Langstreckentiertransporte. Und das ohne Wenn und Aber. Und ohne die Unterscheidung zwischen Zucht- und Schlachtrindern (siehe auch Interview unten.) Inzwischen werden aber andere zu Vorreitern: Aus wichtigen Bundesländern Deutschlands und den Niederlanden kommt nämlich die Sensationsmeldung, dass der Export in Drittländer eingestellt wurde!

Österreich hinkt hinterher
Währenddessen verharrt Österreich in der Debatte. Rudolf Anschober hat jedoch angekündigt, einen Erlass herauszugeben, wonach Lebendtiertransporte in diese Drittstaaten nicht mehr genehmigungsfähig sind: Nach Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan sowie in die Russische Föderation. Allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung, „soweit der Bestimmungsort nicht innerhalb der zulässigen und realistischen Transportzeit von einer zugelassenen Versorgungsstation erreicht werden kann“.

„Die Einhaltung muss belegt werden“
Ohne entsprechend dokumentierter Versorgungsstation in Russland sei „davon auszugehen, dass es auf den Transportrouten in und über Russland nach unserem derzeitigen Wissens- und Informationsstand zu erheblichen Verstößen gegen die tierschutzrechtlichen Vorschriften kommt. Daher muss die Einhaltung belegt werden.“

Überprüfbarkeit gibt es nie zu 100 Prozent
Bei dieser sehen Kritiker die Crux - denn wer kann das exakt überprüfen? Und: Wieso muss überhaupt noch diskutiert werden, dass in modernen Zeiten lebende Tiere über Zigtausende Kilometer gekarrt werden? In Länder, in denen Tierschutz keinen Stellenwert hat? Ein zweiter Aspekt: „Im Erlass des Ministeriums aus dem April wurde verlangt, dass die Fahrer bei Verladungen an Versorgungsstationen mitfilmen“, sagt Tobias Giesinger vom Verein gegen Tierfabriken.

VGT brachte Anzeige ein
Aber: „Wurden tatsächlich von allen Drittland-Exporten, die seither stattgefunden haben, die Videos an österreichische Behörden übermittelt?“ Der Verein hat mittlerweile fünf Anzeigen eingebracht. Unter anderem, weil eine Transportdauer mit 5200 Kilometern und einer Woche angegeben wurde - ohne geeignete Versorgung.

Das Versprechen der „Kronen Zeitung“
Der Geschäftsführende Chefredakteur Klaus Herrmann bleibt dabei: „Wir von der ,Krone‘ wissen, dass viele auf uns setzen, und versprechen: Wir bleiben mit unseren Lesern im Rücken dran, bis dieses Tierleid ein Ende findet!“ Rudolf Anschobers Expertengipfel wird jetzt am 6. Juli stattfinden.

Einigung bei „Krone“-Forderungen gegen Tierleid

Für Österreich:

  • Nur noch österreichisches Fleisch in öffentlichen Großküchen von Bundesheer bis Krankenhaus
  • Förderungen für Landwirte, die Tierwohl-orientiert arbeiten
  • Förderungen für Mutterkuh-Haltungen und Mast von Kälbern im Inland
  • Sofortige Kontrollverschärfung aller Tiertransporte durch unabhängige Organisationen

Für die EU:

  • Export-Verbot von Lebendtieren in Drittstaaten
  • Import-Verbot von Lebendtieren aus Drittstaaten
  • Auflösung aller bestehenden Abkommen zum Export/Import von Schlachttieren
  • Kennzeichnungspflicht für Frischfleisch, für die lebensmittelverarbeitende Industrie und in der Gastronomie
  • Maximale Transportdauer von acht Stunden inklusive der Verlade- und Abladezeit
  • Strengere und bessere Kontrollen von Transporten mit deutlichen Strafen bei Vergehen

Rabitsch: „Transport-Stopp ist einzige Lösung“
Der Kärntner Veterinär Alexander Rabitsch kennt die Transportproblematik in allen Einzelheiten und forciert den Stopp.

„Krone“: Wie ist die aktuelle Lage bei Transporten?
Alexander Rabitsch: Die Niederlande und Deutschland, darunter Brandenburg, das sonst Transport-Hotspot ist, exportieren nicht mehr in Drittstaaten. Österreich macht aber weiter. Wenn Rudolf Anschobers Erlass tatsächlich zu einem Exportstopp führen sollte, wäre das ein großer Schritt.

Bei uns wird argumentiert, dass ohnehin nur „wertvolle Zuchtrinder“ transportiert würden.
Rabitsch: Ja, das ist auch so eine Augenauswischerei. Ein Großteil der Tiere, die etwa in Afrika ankommen, erkrankt, weil sie das Klima nicht aushalten, vielfach Futter und Know-how fehlen. Die meisten dürfen abkalben, werden dann aber nicht mehr trächtig, verlieren damit ihren „Nutzen“ und enden, sobald sie ausgemergelt und fixfertig sind, ebenfalls als Schlachttiere.

Kann man wirklich den Transport bis in die Ankunftsländer lupenrein auf ihre Tierschutzkonformität überprüfen?
Rabitsch: Nein. Es geht schlicht nicht. Daher gibt es nur diese Lösung: Stopp der Langstreckentiertransporte in Drittstaaten.

Maggie Entenfellner und Christa Blümel, Kronen Zeitung

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