Mo, 23. Juli 2018

Als Taliban schießen

24.08.2010 12:13

"Medal of Honor" gerät ins Kreuzfeuer der Politik

Bereits Wochen vor seiner geplanten Veröffentlichung am 14. Oktober sorgt EAs jüngster Ableger der "Medal of Honor"-Serie für Negativschlagzeilen. Verantwortlich dafür zeichnet der Mehrspieler-Modus des im Afghanistan-Krieg angesiedelten Egoshooters, in dem Spieler die Rolle der Taliban übernehmen und damit auch Alliierte ins Visier nehmen können. Der britische Verteidigungsminister Liam Fox forderte den Einzelhandel daher am Montag dazu auf, das Spiel nicht in sein Sortiment aufzunehmen.

"Die Taliban sind dafür verantwortlich, dass Kinder ihre Väter und Frauen ihre Ehemänner verloren haben", sagte Fox gegenüber Yahoo.com. Es sei schockierend, so der Minister weiter, "dass überhaupt jemand auf die Idee kommt, gegen britische Soldaten gerichtete Handlungen nachzuspielen." Er forderte den britischen Einzelhandel daher auf, dieses "unbritische" Spiel nicht zum Verkauf anzubieten.

Auch Wilfried Stolze, Sprecher des Deutschen Bundeswehrverbands, einem Interessensverband aktiver und ehemaliger Soldaten der Bundeswehr, übt gegenüber dem deutschen Nachrichtenmagazin "Focus" lautstark Kritik an dem Shooter: "Es ist widerwärtig, so ein Spiel auf den Markt zu bringen, während in Afghanistan Menschen sterben."

Publisher Electronic Arts versucht indes die Gemüter zu beruhigen. Es gebe in Kriegen nun mal zwei Seiten, so der Spielehersteller. "Wenn aktuelle Gewalt in Büchern, Filmen oder im TV thematisiert werden darf, warum nicht auch in einem Game", wird ein Firmensprecher von "Focus" zitiert.

Dass Spieler in die Rolle der Bösen schlüpfen können, sorgte in der Vergangenheit immer wieder für heftige Diskussionen. Erst im November vergangenen Jahres durften Gamer in Activisions "Call of Duty: Modern Warfare 2" als russische Terroristen in einem Flughafen auf wehrlose Zivilisten schießen. In der deutschen Version war dies zwar nicht möglich, wer wollte, konnte dem brutalen Massker jedoch als Augenzeuge beiwohnen.

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