14.05.2020 06:00 |

Zweites Studioalbum

Nico Santos: Der Goldjunge mit dem Gespür für Hits

Zuerst als Songwriter und Produzent, nun auch als wiederkehrender TV-Star und Sänger - Nico Santos ist das derzeit heißeste Eisen der deutschen Pop-Landschaft. Was er berührt, wird zu Gold. So auch sein zweites Studioalbum „Nico Santos“, auf dem er sich persönlich wie nie gibt und dazu Freunde und Familie engagiert hat. Mehr dazu erzählt er uns im großen „Krone“-Interview.

Es geschah vor zwölf Jahren. Nico und Adri sind unzertrennlich. Beide 15 Jahre alt. Ein Band, wie es nur Teenager verbinden kann. Eines morgens kauft sich Adri neue Schuhe. Unabhängig davon, besucht Nico im Laufe des Tages ebenfalls einen Schuhladen, probiert, ohne von Adris Kauf zu wissen, dieselben Schuhe an, entscheidet sich aber gegen einen Kauf. Am selben Tag wird Adri bei einem Unfall ums Leben kommen. Das Band ist für immer zerrissen, die Welt zerstört. Zwei Tage später besucht Nico die Eltern des Verstorbenen, man schwelgt in Erinnerungen, weint, reflektiert. Die Schuhe kommen zur Sprache und Nico bekommt sie von Adris Eltern geschenkt. „Es war ein unglaublicher Zufall“, erinnert sich Popstar Nico Santos, heute 27, im „Krone“-Interview an diesen Tag zurück. Zu Adris Ehren hat er „Walk In Your Shoes“ geschrieben, den emotionalsten Song auf einem von Emotionen nicht armen Album.

Ohne Berührungsängste
„Es hat zwölf Jahre gedauert, bis ich den Song schlussendlich fertiggestellt hatte. Ich hatte immer das Gefühl, er wäre nicht gut genug, ich würde nicht die richtigen Worte finden und die Melodien würden ihm nicht gerecht werden.“ X-fach hat er den Song zerlegt und ihn nun als Zentrum auf seinem zweiten Werk „Nico Santos“ geparkt. Mit seinem Debüt „Streets Of Gold“ hat sich Santos vor zwei Jahren selbst im Rampenlicht festgesetzt. Schon davor glänzte er als Songwriter oder Produzent ohne Berührungsängste. Er war beteiligt an Songs der Rüpel-Rapper Bushido und Sido, Helene Fischers „Achterbahn“ und Mark Forsters „Wir sind groß“. Ohne, dass die Aufmerksamkeit groß Notiz von ihm genommen hätte, verwandelte er sich innerhalb weniger Jahre zu einem der wichtigsten Player der deutschsprachigen Pop-Szene. Das war freilich nicht immer so, wie er etwa mitunter im neuen Song „Play With Fire“ anklingen lässt.

„Das kann für die Familie, eine Beziehung oder den Job gelten, bei mir geht es da um die Musik. Ich bin damals ein Risiko eingegangen, als ich alles auf die Musik setzte und die ersten drei, vier Jahre fast nur Rückschläge erlebt habe. Manchmal ist es aber gut, wenn man sich die Finger verbrennt, weil man gestärkt daraus hervorgeht.“ Auf altkluge Ratschläge verzichtet Santos in den selbstgeschriebenen Songs bewusst. Er hat sich im Gegensatz zum Debüt, das gänzlich ohne Features ausgekommen ist, den Traum erfüllt, all seine Lieben um sich zu scharen. Freunde und Familie nehmen neben der persönlichen Lebensbeichte den wichtigsten Platz auf seinem Zweitwerk ein. So spielt sein 75-jähriger Vater Egon Wellenbrink auf „Changed“ ein Saxofonsolo oder gelang mit Lena und der Single „Better“ schon vor Monaten ein großer Wurf, mit dem man Kapazunder wie Ed Sheeran oder Ariana Grande in den deutschen Charts auf die Plätze verwies.

Fan von Mathea
Auf „7 Days“ hört man Nico sogar das erste Mal Spanisch singen. Seine Geburtssprache, die der in Mallorca geborene und aufgewachsene Vollblutmusiker bisher eher unter Verschluss hielt. „Der Song basiert auf einem Schlaflied von meiner Mama. Ich habe mir die Melodie einfach zu eigen gemacht und die Sprache hat aufgrund des Hintergrunds perfekt dafür gepasst. Ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft öfter mal auf Spanisch zu singen, aber es muss sich natürlich anfühlen.“ Deutsch ist für Santos - trotz perfekter Aussprache - übrigens weiterhin kein Thema. Da bewundert er vielmehr die österreichische Chart-Stürmerin Mathea. „Als ich das letzte Mal bei euch in Wien war, haben alle über ihren Song ,2x‘ geredet. Die Nummer ist mega! Wenn ich auf Deutsch singen würde, dann würde ich das gerne so gut hinkriegen wie sie. Im deutschsprachigen Raum ist sie mit ihrer Art zu singen für mich einzigartig.“ Zum Album-Release-Konzert Matheas auf Instagram am 1. Mai war Santos auch sofort bereit für einen Gastauftritt. Zukünftige Kooperation nicht ausgeschlossen? „Es wäre spannend und eine verrückte Kombi. Mal sehen.“

Im Gegensatz zu anderen Künstlern hat Santos die Veröffentlichung des Albums aufgrund der Corona-Krise nicht unnötig rausgeschoben. Langweilig wurde es ihm aber auch währenddessen nicht. Einerseits hat er das Online-Festival „Wir bleiben zuhause“ organisiert, andererseits regelmäßig Kontakt mit seinen auf Mallorca lebenden Eltern gehalten, weitere Songs geschrieben und viel gelernt. „Ich habe endlich damit begonnen, den Führerschein zu machen“, lacht er, „da gibt es für den theoretischen Teil genug zu tun.“ Zum Reflektieren brachte ihn nicht zuletzt die Zeit davor. „Bei ,Sing meinen Song‘ haben wir vor dem Lockdown viel über Stress und Stressresistenz geredet. Ende 2019 kam bei mir extrem viel zusammen. Die Fertigstellung des Albums, Livekonzertproben, Veröffentlichung der Singles, die Proben für ,Sing meinen Song‘, ,The Voice Of Germany‘ und noch diverses Privates. Die Pause war dringend notwendig und jetzt freue ich mich wieder, wenn es richtig losgeht. Eigentlich wollte ich 2021 eine große Tourpause machen - jetzt tue ich das halt in diesem Jahr.“

Bunte Vielfalt
Mit dem Album hat er auf jeden Fall auch so genug zu tun. Auf „Nico Santos“ befinden sich zahlreiche Hits, die sich nicht davor scheuen, vielseitig zu sein. „,Like I Love You‘ mit Topic haben wir auf so 2000er Emo-Gitarren geschrieben, ,7 Days‘ klingt sehr Spanisch, ,Changed‘ ist bewusst altmodisch gehalten und erinnert vielleicht an Michael Jackson. ,Low On Love‘ und ,Walk In Your Shoes‘ sind hingegen Klavierballaden, während ,Easy‘ mit einem prägnanten Basslauf beginnt und sich dann weiterarbeitet. Ich habe irrsinnig viel experimentiert und mich nirgends eingegrenzt.“ Die Versatilität war Santos schon in die Wiege gelegt. Vater Egon war durchaus erfolgreicher Jazzmusiker, die Frau Mama Rockgitarristin in einer Frauen-Grunge-Band. „Wenn das Album denn überhaupt einen Sound hat, dann den von Nico Santos.“ Mission eindeutig gelungen.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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