„Die Zeit nutzen“

Kraftakt für Maturanten: Eine reife Leistung

Österreich
13.05.2020 06:00

„Wir sollten dranbleiben und die aktuelle Ausnahmesituation nutzen, um die Zentralmatura weiterzuentwickeln“, erklärt Bildungsforscherin Christiane Spiel gegenüber der „Krone“. Das Wissen, wie eine Schule aussehen müsste, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Schüler orientiert und Lernfreude vermittelt, ist schon lange bekannt, so Dr. Andreas Salcher.

„Alle Maturanten haben eine herausfordernde Zeit hinter und vor sich. Die lange Ungewissheit, wie die Reifeprüfung aussehen wird, war natürlich sehr belastend“, erklärt Bildungsforscherin Christiane Spiel. „Denn alles, was neu ist, wo wir keine Erfahrungen und Routinen haben, löst Unsicherheitsgefühle aus. Es war schon ein mentaler Kraftakt für die Maturanten.“ Es zeigte sich auch, dass vor allem die Oberstufenschüler schon besser ausgestattet sind mit technischen Geräten. Nicht alle, aber sehr viele. „Das ist natürlich auch eine finanzielle Frage“, so Prof. Spiel.

(Bild: stock.adobe.com, Krone Kreativ)

Besonderer Jahrgang
Dass sich die Matura 2020 negativ im Lebenslauf auswirken wird, glaubt sie nicht: „Im Gegenteil, es ist ein Jahrgang, der eine besondere Herausforderung unter schwierigen Bedingungen geschafft haben wird.“ Und alle, die auch zur mündlichen Matura antreten, bringen sogar eine Art Zusatzleistung. Eine reife Leistung also.

Bildungspsychologin Christiane Spiel (Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)
Bildungspsychologin Christiane Spiel

Viele Fragen noch offen
Die heurige Matura sollte aber auch Anstoß sein, die Zentralmatura weiterzuentwickeln. Welches Wissen sollten Maturanten haben? Das ist eine Frage, die nicht nur in Mathematik derzeit diskutiert wird. „Die schulischen Lehrpläne sind als Rahmenlehrpläne konzipiert. Das heißt, sie enthalten keine klaren Informationen darüber, was jeder unbedingt können sollte. Lehrpersonen können aus dem, im Allgemeinen, zu umfangreichen Stoff selbst eine Auswahl treffen. Das betrifft im Übrigen nicht nur die Matura. Denn es ist auch nicht klar definiert, was Schüler beim Übergang in die Sekundarstufe II oder am Ende der Grundschulzeit können sollten“, so Spiel. An all diesen Fragen werde derzeit gearbeitet.

So wünschen wir uns die Schulen der Zukunft
Das Wissen, wie eine Schule aussehen müsste, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Schüler orientiert und Lernfreude vermittelt, ist schon lange bekannt. Die guten Schulen basieren auf bestimmten Prinzipien: Die Schüler werden systematisch in ihren Stärken und Schwächen erfasst und entwickeln sich ständig weiter. Die Definition von Talent umfasst gleichberechtigt kognitive, sportliche, künstlerische, emotionale und soziale Begabungen. Es besteht ein klarer Verhaltenskodex für Schüler und Lehrer, der auch konsequent umgesetzt wird.

Orientierung an Bedürfnissen der Schüler
„Für schwierige Fälle, sogenannte verhaltensoriginelle Kinder, gibt es dafür ausgebildete Spezialisten. Die Zeitstruktur und die Räume der Schule orientieren sich an den Bedürfnissen der Schüler und Lehrer. Pausenglocken und starre Stundenpläne werden abgeschafft“, betont Salcher. Lehrer bereiten nicht allein „ihre“ Stunden vor, sondern erarbeiten gemeinsam in Teams die Lernerfahrungen für ihre Schüler.

Bildungsexperte Dr. Andreas Salcher (Bild: EcowinVerlag, stock.adobe.com, krone.at-Grafik)
Bildungsexperte Dr. Andreas Salcher

Dafür gibt es auch Räume für Teambesprechungen. Die Lehrer haben moderne Arbeitsplätze, selbstverständlich mit Computern und leistungsfähigen Internetverbindungen. „Die Reduktion der bisher üblichen zwölf bis 22 Fächer auf deutlich weniger, aber größere Lernfelder nimmt ungemein viel Stress von den Lehrern und Schülern“, betont der Bildungsexperte.

Susanne Zita, Kronen Zeitung

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