10.03.2020 10:17 |

Kritik an Behörden

Vergewaltigungs-Serie: Kärntner Polizist packt aus

Hätte die dramatische Serie von Vergewaltigungen in Klagenfurt gestoppt werden können? Nach der Verhaftung des mutmaßlichen Täters (30) fast fünf Jahre nach der ersten Tat wird die Kritik an den Behörden immer lauter. Jetzt packt ein Polizist aus: „Beamte wurden nicht informiert - man hätte wohl viel verhindern können!“

Zumindest siebenmal hatte der gebürtige Afrikaner zwischen Juni 2015 und Oktober 2019 zugeschlagen. Die Vergewaltigungen sind mittels DNA-Test bestätigt. Dass über beinahe fünf Jahre von dem Mann immer mehr Frauen missbraucht werden konnten, hat wohl auch mit Behördenversagen zu tun, wie jetzt Recherchen nahelegen.

Vizebürgermeister Jürgen Pfeiler: „Die Stadt wurde weder vom Innenministerium, noch vom LKA, noch von ermittelnden Beamten in der Causa informiert. Dennoch veranlasste man im Frühling 2018, dass die Sträucher im Bereich der Disco, in deren Nahbereich es zu den Sex-Attacken kam, gerodet wurden? Pfeiler: „Das war als Präventivmaßnahme gedacht. Für Prävention war es zu diesem Zeitpunkt allerdings zu spät.

Chef der Disco und zuständige Beamten zu spät informiert
Auch der Chef der Disco wurde offenbar erst bei einem Sicherheitsgipfel über die Vergewaltigungsserie in Kenntnis gesetzt, als diese bereits vorbei war. Unfassbar: Nicht einmal die Beamten der zuständigen Inspektion wurden offenbar zeitgerecht über die Serie informiert, wie jetzt ein Polizist auspackt: „Die Kollegen hätten den Bereich verstärkt überwachen, Disco-Personal und Gäste warnen können.“

„Eltern hätten ihre Töchter sensibilisieren können.“
Anstatt die Inspektion Viktring zu informieren, hätten der Operative Kriminaldienst, der die Ermittlungen zu diesem Zeitpunkt leitete und das Landeskriminalamt die Infos aber für sich behalten, so der Vorwurf. „Das ist unverantwortlich – man hätte wohl viel verhindern können“, so der Polizist: „Eltern hätten ihre Töchter sensibilisieren können.“ Stadt, Disco-Chef, die eigenen Kollegen und auch die Medien wurden jedoch im Dunklen gelassen, konnten nicht warnen.

Stadtpolizeikommandant Horst Jessenitschnig gab dazu keine Stellungnahme ab. Kripo-Chef Gottlieb Türk: „Erst Mitte 2018 war klar, dass es sich um eine Serie handeln könnte. Da haben wir übernommen.“ Alle Dienststellen in Kärnten seien dann informiert worden.

Thomas Leitner
Thomas Leitner
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