05.03.2020 20:31 |

„Haut ab“

Bürger verhindern Anlegen von Flüchtlingsboot

Die Lage auf der griechischen Insel Lebos ist weiter angespannt. Dutzende aufgebrachte Bürger haben am Donnerstag erneut das Anlegen eines Flüchtlingsboots einer humanitären Organisation im Hafen von Mytilini - der Hauptortschaft auf Lesbos - verhindert. Die Flüchtlinge wurden dabei wüst beschimpft. 

Das Schiff Mare Liberum sollte am Nachmittag anlegen. Dutzende Menschen hatten sich an der Kaimauer hingestellt und verhinderten das Anlegen, wie ein deutscher Reporter auf Twitter berichtete.

Wie der Sender n-tv am Donnerstagabend berichtete, beschimpften die Bürger die Besatzung und skandierten „Haut ab“. Das Boot sei anschießend aus dem Hafen ausgelaufen und in unbekannte Richtung weitergefahren.

Video: Lage zwischen Küstenwache und Migranten eskaliert

Boot wurde erst vor wenigen Tagen angegriffen
Unbekannte hatten das Boot bereits am 3. März angegriffen. Verletzt wurde nach Angaben eines Offiziers der Küstenwache niemand.

In den vergangenen Tagen hatten Unbekannte in mehreren Fällen Journalisten und Mitglieder humanitärer Organisationen auf Lesbos verbal, aber auch tätlich angegriffen. Sie warfen NGOs vor, das Übersetzen von Migranten aus der Türkei auf den griechischen Inseln zu fördern. Auf Lesbos harren zurzeit mehr als 20.000 Migranten aus.

Nachdem die Winde nach zwei Tagen nachließen, kamen am Donnerstag auf dem Nordteil der Insel Lesbos 42 Migranten aus der Türkei mit einem Schlauchboot an. In ihrer Mehrheit seien es Afghanen, berichtete örtliche Medien.

EU-Kommissar: EU-Länder sollten mehr für Flüchtlinge in Türkei zahlen
Nach Ansicht des EU-Kommissars für Krisenmanagement, Janez Lenarcic, sollen die EU-Staaten sicherstellen, dass auslaufende Hilfsprogramme für syrische Flüchtlinge in der Türkei verlängert werden. „Wir können nicht einfach davonlaufen, wenn unsere jetzige Unterstützung ausläuft. Unsere Arbeit ist noch nicht erledigt“, sagte der Slowene der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Die Türkei hatte am Wochenende die Grenze zur EU für Migranten für offen erklärt - und verstößt damit gegen einen Grundpfeiler des EU-Türkei-Abkommens 2016. In diesem Rahmen hatte die EU Ankara auch sechs Milliarden Euro zur Versorgung der syrischen Flüchtlinge im Land zugesagt. Zwei der Hilfsprogramme laufen dem Bericht zufolge in diesem und im kommenden Jahr aus.

Athen schließt neue Lager auf unbewohnten Inseln nicht aus
Die griechische Regierung erwägt unterdessen, zur Bewältigung der Flüchtlingskrise auch geschlossene Lager auf kleinen, unbewohnten Inseln zu errichten. „Ich schließe nichts aus“, sagte der griechische Migrationsminister Notis Matarakis am Donnerstag.

Derzeit mehr als 42.500 Flüchtlinge auf griechischen Inseln
In einem ersten Schritt sollen Matarakis zufolge 2000 Flüchtlinge und Migranten die überfüllten Lager von Inseln wie Lesbos, Samos und Chios verlassen und in bestehende Unterkünfte auf dem griechischen Festland gebracht werden. Es handle sich dabei um Menschen, deren Asylverfahren gute Aussichten auf Erfolg hätten. Die Migrantenlager auf den griechischen Ägäis-Inseln sind völlig überlastet. Aktuell leben nach Angaben des griechischen Bürgerschutzministeriums mehr als 42.500 Migranten auf Lesbos, Samos, Kos, Leros und Chios. Auf diesen Inseln gibt es eigentlich nur eine Aufnahmekapazität von rund 6000 Plätzen.

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