Nerven liegen blank

Lage zwischen Küstenwache und Migranten eskaliert

Ausland
02.03.2020 23:03

Die Nerven liegen angesichts der vielen Migranten, die von der Türkei aus nach Griechenland und damit in die EU wollen, blank. Ein Video, das derzeit in sozialen Netzwerken verbreitet wird, zeigt, wie die Lage einmal mehr bedrohlich eskaliert. Aufnahmen, die unbestätigten Berichten zufolge Montagfrüh vor Bodrum entstanden sind, zeigen, wie die griechische Küstenwache versucht, Menschen in einem Schlauchboot von ihrem Weg über das Mittelmeer abzuhalten. Mit teils drastischen Maßnahmen ...

Ein Soldat feuert zuerst Gummigeschosse auf das Boot, dann fährt ein weiteres Schiff der Küstenwache so knapp vorbei, dass es fast das Schlauchboot rammt. Man hört die Menschen in dem Boot schreien. Zuletzt sticht ein Besatzungsmitglied der Küstenwache sogar mit einem langen Stock, möglicherweise ein Bootshaken, auf das Boot ein. Was danach passiert, ist in dem Video nicht zu sehen. Auch ob die Aufnahmen tatsächlich erst vor Kurzem entstanden, lässt sich vorerst nicht verifizieren.

Frontex billigte Soforteinsatz in Griechenland
Die EU-Grenzschutzagentur Frontex hatte zuvor einen Soforteinsatz in Griechenland zugesagt. Sobald man sich auf einen Plan mit Griechenland geeinigt habe, werde sich Frontex an die Mitgliedsstaaten wenden und diese bitten, „unmittelbar“ ihre nationalen Grenzschützer bereitzustellen. Bis dahin soll auch geklärt werden, welches Material benötigt wird und in welchen Bereichen genau Experten tätig werden sollen.

Tausende Migranten versuchen gerade im Nordwesten der Türkei die griechische Grenze zu erreichen. (Bild: AP)
Tausende Migranten versuchen gerade im Nordwesten der Türkei die griechische Grenze zu erreichen.
Grenzgebiet zwischen der Türkei und Griechenland bei Kastanies: Die griechische Polizei möchte die Flüchtlinge aufhalten, die in die EU einreisen wollen. (Bild: AFP)
Grenzgebiet zwischen der Türkei und Griechenland bei Kastanies: Die griechische Polizei möchte die Flüchtlinge aufhalten, die in die EU einreisen wollen.

Etwa 100.000 Geflüchtete in Griechenland
Auch der Leiter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Griechenland, Gianluca Rocco, bezeichnete die Situation als „nicht tragbar“. Eine Situation wie 2015/2016 sieht Rocco nicht kommen. Wenn man von Krise sprechen könne, dann von einer politischen - zumindest hat sie einen „politischen Ursprung“, sagte er im APA-Interview.

Das griechische Dorf Skala Sikaminias auf der Insel Lesbos: Hier kommen immer wieder Boote mit Flüchtlingen an, die sich von der nahen Türkei aus auf den Weg gemacht haben. (Bild: AP)
Das griechische Dorf Skala Sikaminias auf der Insel Lesbos: Hier kommen immer wieder Boote mit Flüchtlingen an, die sich von der nahen Türkei aus auf den Weg gemacht haben.

Die Auswirkungen dieser Krise würden alleine die Migranten zu spüren bekommen. Derzeit würden sich entlang der Landgrenze zwischen Griechenland und der Türkei rund 2000 bis 3000 Migranten befinden, teilte Rocco mit. Insgesamt warteten im türkischen Grenzgebiet, also auch und vor allem an den Küsten, rund 13.000 Menschen darauf, Richtung EU reisen zu können. In Griechenland befinden sich aktuell laut IOM-Schätzungen etwa 100.000 Geflüchtete.

Immer wieder versuchen die Flüchtlinge auch Zäune durchzuschneiden, um sich so ihren Weg nach Griechenland und in die EU bahnen zu können. (Bild: AP)
Immer wieder versuchen die Flüchtlinge auch Zäune durchzuschneiden, um sich so ihren Weg nach Griechenland und in die EU bahnen zu können.

Wegen der Lage an der griechischen Grenze zur Türkei kommen die EU-Innenminister am Mittwoch zu einem Sondertreffen in Brüssel zusammen. Das Treffen sei eine Möglichkeit, „um Unterstützungsmaßnahmen für Griechenland zu beschließen“, teilte der für Migration zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, am Montagabend auf Twitter mit.

Caritas baut Hilfe in Griechenland aus
Die Caritas teilte am Montag mit, man stocke die Hilfe in Griechenland auf. Die Arbeit insbesondere auf den Inseln Lesbos und Chios werde ausgebaut:. „Dorthin werden vermehrt Menschen kommen und damit den bestehenden Druck auf den Inseln weiter erhöhen.“

Eine Helferin reicht Flüchtlingen in der Nähe von Edirne Essen. Die Stadt befindet sich im Nordwesten der Türkei. (Bild: AFP)
Eine Helferin reicht Flüchtlingen in der Nähe von Edirne Essen. Die Stadt befindet sich im Nordwesten der Türkei.

Vor allem diese Neuankommenden müssten schnell versorgt werden, erklärte die Caritas weiter. Die offiziellen Flüchtlingscamps könnten dieser Aufgabe schon lange nicht mehr nachkommen - sie seien schon überbelegt, zum Teil um das Zehnfache. „Der Hilfebedarf ist bereits jetzt enorm und wird weiter steigen.“

Erdogan fordert in Telefonat mit Merkel „Lastenteilung“
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in einem Telefonat mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel eine „Lastenteilung“ in der Flüchtlingskrise gefordert. Wie die türkische Präsidentschaft am Montagabend mitteilte, forderte Erdogan eine „gerechte Aufteilung der Last und der Verantwortung gegenüber Migranten“ zwischen der EU und der Türkei. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sagte am Montag mit Blick auf den türkischen Präsidenten, die EU dürfe sich „nicht von Erdogan erpressen lassen“.

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