02.03.2020 11:37 |

Corona-Epidemie

Wirtschaftswachstum könnte sich 2020 halbieren

Die Coronavirus-Epidemie kann nach Einschätzung der Industriestaaten-Organisation OECD die Weltwirtschaft aus der Spur bringen. Sollte sich die Lage nicht bessern und immer weitere Länder betroffen sein, könnte das Wachstum dieses Jahr auf eineinhalb Prozent fallen, teilte die OECD am Montag mit. Das wäre in etwa die Hälfte des erwarteten Plus vor Ausbruch des Virus.

Sollte sich die Lage dagegen bald stabilisieren, dürfte die Weltwirtschaft 2020 um 2,4 Prozent zulegen, nachdem es 2019 bereits vergleichsweise schwache 2,9 Prozent waren. Am stärksten wäre China betroffen, wo das Virus zuerst auftrat. Folgen der wirtschaftlichen Probleme in der Volksrepublik dürften dann schnell zu spüren sein in den weltweit vernetzten Lieferketten von Unternehmen, ebenso für Reiseanbieter und Rohstoffhändler.

Weltwirtschaft könnte schrumpfen
Für das laufende erste Quartal schließt die OECD nicht aus, dass die Weltwirtschaft sogar schrumpfen könnte. Alle 20 führenden Industrie- und Schwellenländer sind wirtschaftlich betroffen. Je stärker die Verbindungen zu China seien, desto stärker seien auch die Auswirkungen - etwa in Japan, Südkorea und Australien.

„Moderates“ Ansteckungsrisiko in Europa
Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) stuft das aktuelle Risiko einer Infektion mit dem neuen Coronavirus europaweit als „moderat“ ein (Stand: 1. März). Die Wahrscheinlichkeit, dass Fälle auch aus anderen Ländern als China importiert werden, steige offenbar, da das Virus in mehr Staaten nachgewiesen wurde. Die Fallzahlen in Europa haben sich etwas erhöht.

Immer noch seien die meisten Fälle in Europa klar darauf zurückzuführen, dass Menschen auf Reisen in Gebieten mit stärkerer Verbreitung des Covid-19-Virus waren oder mit Personen engen Kontakt hatten, auf die das zutraf. Die EU-Behörde hält jedoch in ihrer Risikobewertung fest, dass auch jene Fälle in Europa im Zunehmen sind, wo die Infektionskette nicht mehr klar nachvollzogen werden kann. Das Risiko einer weiteren Ausbreitung in Europa sei daher „moderat bis hoch“. Es handle sich immer noch um eine sich entwickelnde Situation, deren Fortgang nur schwer vorhergesagt werden kann.

Schwerer Verlauf bei 20 Prozent der Fälle
Weiter betont die ECDC auch das Gefährdungspotenzial für Patientengruppen mit Vorerkrankungen oder ältere Menschen. Gleichzeitig hält die Behörde fest, dass 80 Prozent der Fälle milde verlaufen, bei 20 Prozent stellt sich ein schwererer Verlauf ein. Kritisch wird es bei rund vier bis fünf Prozent der Infizierten.

Virus darf nicht „davonlaufen“
Die Covid-19-Epidemie kann unter Kontrolle gebracht werden. Voraussetzung ist, dass der SARS-CoV-2-Erreger den Gesundheitsbehörden nicht „davonläuft“. Entscheidender Faktor dabei ist das schnelle Erkennen einer Infektion ab Symptombeginn, haben jetzt Experten der London School of Hygiene in Computersimulationen berechnet.

Isolierung soll Erkrankungen unter Kontrolle zu bringen
„Die Isolierung von Fällen (Patienten; Anm.) und das Nachverfolgen der Personenkontakte wird benutzt, um Ausbrüche infektiöser Erkrankungen unter Kontrolle zu bringen und wurde auch für Covid-19 durchgeführt. Ob diese Strategie aber die Krankheit wirklich unter Kontrolle bringt, hängt von den Charakteristika des Erregers und der Antwort (durch das Gesundheitssystem, Anm.) ab“, schrieben Joel Hellellwell und die Ko-Autoren im Fachblatt „Lancet“.

Mathematisches Modelle zur Ausbreitung entwickelt
Die Experten haben mathematische Modelle für die Ausbreitung von SARS-CoV-2 entwickelt und unter den verschiedenen Parametern rund 1000 Mal durchgerechnet. Stehen am Anfang nur fünf Erkrankte und beträgt die Basisreproduktionsrate des Virus 1,5 (ein Infizierter steckt statistisch 1,5 Personen an) und erfolgt keine weitere Übertragung vor Auftreten von Krankheitssymptomen, kommt es kaum auf das Auffinden von Kontaktpersonen an, stellten die Fachleute fest.

Das ist aber bei SARS-CoV-2 nach derzeitigem Wissen nicht der Fall. Bei mehr anfänglichen Erkrankungsfällen und einer Basisreproduktionsrate von 2,5 bis 3,5 (bei Covid-19 wird ein Faktor von etwa zwei angenommen) sowie mehreren weiteren Infektionen bis zum Auftreten von Symptomen wird die Wahrscheinlichkeit, den Ausbruch binnen drei Monaten unter Kontrolle zu bringen, schon geringer.

Kontaktpersonen als entscheidender Faktor
Ein entscheidender Faktor ist, wie viele der Kontaktpersonen eines Erkrankten wirklich aufgefunden werden können. „Die Mehrheit der Szenarios mit einer Basisreproduktionsrate von 1,5 waren unter Kontrolle zu bringen, wenn weniger als 50 Prozent der Kontaktpersonen erfolgreich gefunden werden konnten“, schrieben die Autoren.

Je schneller sich Personen mit Coronavirus-Verdacht melden oder identifiziert werden, desto besser. Die Zeitverzögerung zwischen Auftreten von Symptomen und der Quarantäne von Betroffenen hat eine große Bedeutung für die Kontrolle von Ausbrüchen.

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