20.02.2020 15:02 |

Umzug für mehr Geld

Hohe Sozialleistungen ziehen Flüchtlinge nach Wien

Welche Rolle spielen Sozialleistungen bei der Auswahl des Wohnortes? Dieser Frage gingen jetzt zwei Wissenschaftler auf den Grund und werteten die Daten von rund 20.000 Flüchtlingen aus. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Wien sei dank seiner hohen Sozialhilfe besonders attraktiv.

Untersucht wurden Daten von Personen, die zwischen 2010 und 2018 nach Österreich gekommen sind und bleiben durften - entweder als anerkannte Flüchtlinge oder als subsidiär Schutzberechtigte. Die beiden Ökonomen Fanny Dellinger von der Universität Innsbruck und der Migrationsexperte Peter Huber machten laut „Standard“ von einem natürlichen Experiment Gebrauch: Nachdem in Niederösterreich im Jahr 2017 die Mindestsicherung von 837 Euro auf 522 Euro gekürzt wurde, übersiedelte um ein Fünftel mehr Flüchtlinge nach Wien.

Hier beziehen sie Mindestsicherung in voller Höhe. Der Hintergrund: Asylwerber werden nach ihrer Ankunft relativ gleichmäßig auf alle Bundesländer aufgeteilt. Wird ihnen Asyl zuerkannt, können sie ihren Wohnort frei auswählen - und dann zieht es sie nach Wien.

Bei subsidiär Schutzberechtigten verhält es sich ähnlich. In anderen Bundesländern, etwa Nieder- und Oberösterreich, erhalten sie eine niedrige Grundsicherung, in der Hauptstadt aber Sozialhilfe in vollem Umfang. Dass die Donaumetropole beliebt ist, liegt also auf der Hand ...

Raab warnt vor „weiteren Parallelgesellschaften“
In ihrer Reaktion auf die Studie warnte Susanne Raab vor „der weiteren Bildung von Parallelgesellschaften in Ballungsräumen“. „Die Ergebnisse der aktuellen Studie zu Pull-Faktoren für Flüchtlinge zeigen, dass es unser Ziel sein muss, dass Flüchtlinge dorthin gehen, wo sie Arbeit finden und nicht, wo die Sozialhilfe am höchsten ist“, sagte die Integrationsministerin.

„Vor dem Hintergrund, dass Wien die höchste Arbeitslosenquote hat und der Bedarf an Arbeitskräften im Westen sehr hoch ist, ist das der einzige Weg“, so die ÖVP-Politikerin in einer Aussendung.

Kronen Zeitung/krone.at

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