27.01.2020 15:28 |

VdB in Auschwitz:

„Ich verbeuge mich hier in Demut vor allen Opfern“

Mehr als eine Million Todesopfer. Vergast, vergiftet, erschossen oder auf sonst eine grauenvolle Weise zu Tode gequält. Das polnische Auschwitz-Birkenau ist zum Mahnmal geworden für den Holocaust in der Nazi-Zeit, dem mehr als sechs Millionen Juden und Angehörige anderer Minderheiten zum Opfer gefallen sind. „Wir haben alles gesehen, wir haben es aber nicht geglaubt“, erinnert sich Viktor Klein, der im Alter von 17 Jahren nach Auschwitz deportiert worden ist, das Lager überlebt hat und jetzt Bundespräsident Alexander Van der Bellen begleitet. „Der menschliche Verstand kann gar nicht begreifen, dass man so eine Masse an Menschen vernichten kann in so kurzer Zeit. Das ist nicht fassbar.“

Und er erinnert sich: „An der Rampe wurde gleich selektiert: Mein Vater, mein Bruder, zwei Onkel und ich sind nach rechts geschickt worden. Meine Mutter, zwei Geschwister und alle Verwandten meiner Eltern sind nach links gegangen in die Vernichtung. Sie wurden sofort ins Gas geschickt. Mehr als 70 Personen.“

„Es ist nicht leicht, Auschwitz zu besuchen. Aber notwendig.“
Am Montag wurde in Auschwitz des 75. Jahrestages der Befreiung des Todeslagers durch die Rote Armee gedacht. „Es ist nicht leicht, Auschwitz zu besuchen“, sagt Bundespräsident Van der Bellen, der gemeinsam mit rund 50 weiteren hochrangigen Vertretern anderer Staaten an der Gedenkfeier teilnahm. „Es ist nicht leicht, aber notwendig. Ich empfinde tiefes Entsetzen darüber, was hier Kindern, Frauen und Männern angetan worden ist.“

Auch Zehntausende Menschen aus Österreich seien Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie geworden, erinnert Van der Bellen und fügt hinzu: „Ich verbeuge mich hier in Demut vor allen Opfern.“

„Allzu viele Landsleute schauten weg“
Zugleich empfinde er Scham, sagt der Bundespräsident: „Viele Österreicherinnen und Österreicher haben als Täterinnen und Täter, teils an führender Stelle, bei diesen barbarischen Verbrechen mitgewirkt. Allzu viele Landsleute liefen mit, schauten weg, zu wenige leisteten Widerstand.“ Und er betont ganz deutlich: „Österreich ist mitverantwortlich für den Holocaust.“

Aus Trauer um die Gedemütigten, Gequälten und Ermordeten entstehe für Österreich der Wille und die Verpflichtung, die Erinnerung wachzuhalten. „Es ist unser aller Aufgabe, eine Brücke zu bauen“, erklärt Van der Bellen. „Zwischen den Erfahrungen der Überlebenden des Holocaust und den nachfolgenden Generationen.“

Und er sagt weiter: „Der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus ist mir persönlich sehr wichtig.“ Antisemitismus und Rassismus der Nationalsozialisten seien nicht vom Himmel gefallen. Sie seien schon zuvor in der österreichischen Gesellschaft stark präsent gewesen. „Aus Abwehr von Menschen wurde Ausgrenzung, wurde Entmenschlichung, wurde Ermordung“, sagt Van der Bellen: „Der Holocaust war der grausame Höhepunkt.“

Daraus entstehe der feste gemeinsame Wille und die Pflicht, jedem Aufkeimen von Menschenverachtung, Rassismus und Antisemitismus in der Gegenwart kompromisslos entgegenzutreten.

Christian Hauenstein, Kronen Zeitung, aus Polen

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