24.11.2019 21:46 |

Wahl-Reportage

Steirische Parteien zwischen Jubel und Depression

Es sind Momente des Triumphs für die ÖVP, während die SPÖ in Lethargie versinkt. Wundenlecken hießt es bei der FPÖ - und KPÖ, NEOS und Grüne sind im Partytrubel.

Bei der ÖVP alles eitel Wonne – das hat man hier seit vielen Wahlen nicht mehr gesehen. Zu oft sind hochgeschraubte Erwartungen im letzten Moment enttäuscht worden: Bei der Wahl 2015 etwa, als Hermann Schützenhöfer als vermeintlicher Sieger einmarschiert war, und dann das desaströse Graz-Ergebnis die ÖVP zurückgeworfen hatte. Am Sonntag dann grenzenloser Jubel: „Schützi“-Chöre, intensive Umarmungen. Mitten im Freudentaumel aber auch ein nachdenklicher, dankbarer Landeshauptmann, der sich die eine oder andere Träne nicht wegdrücken kann oder will.

Einige Messer in der SPÖ waren schon gewetzt
Als Michael Schickhofer um 17 Uhr das Medienzentrum in der SPÖ-Zentrale betritt, klopfen ihm einige rote Genossen aufmunternd auf die Schulter, während andere dem Landeshauptmann-Stellvertreter - vorerst noch halblaut - die alleinige Schuld am Absturz geben. Immerhin war die SPÖ als Erste ins Rennen gegangen.

Doch so schlimm ist es bei der zweiten Hochrechnung dann doch nicht, wie manch einer befürchtet, manch anderer „Parteifreund“ insgeheim vielleicht gehofft hatte: Einige Messer waren im Vorfeld ja schon zur „Schicki-Demontage“ gewetzt worden. Schickhofer wähnt sich jedenfalls weiterhin sicher im Parteichef-Sattel.

Stilles, blaues Wundenlecken
Die FPÖ-Anhänger treffen sich zum Wundenlecken in der Grazer „Thalia“. Die Stimmung im Lokal gleicht einem Männer-Fernsehabend, zu dem der Lieferservice statt Pizza und Bier gemischten Salat und stilles Mineralwasser bringt. Auf Sekt und Champagner hätte man vermutlich auch im Triumph verzichtet - die Strache’sche Luxus-Spesenaffäre liegt ja noch den meisten unverdaut im Magen.

Überraschend tauchte dann FPÖ-Chef Norbert Hofer auf. Er und Spitzenkandidat Mario Kunasek wurden mit „Mario“-Rufen und Applaus empfangen. „Es war eine beinharte Wahlauseinandersetzung“, sagte Kunasek, der zuerst von seiner Frau begrüßt wurde. „Ich bin stolz auf dich. Danke, Bussi, ich liebe dich“, bedankte er sich bei seiner Gattin. Er bedankte sich auch bei den Funktionären und rief sie dazu auf, „jetzt bittschön nicht traurig zu sein“. Hofer meinte, dass die Menschen zur FPÖ stünden. „Wir sind nicht klein zu kriegen. Wir bauen auf diesen 17 Prozent auf.“

Die Grüne jubeln, heben aber nicht ab
Schauplatzwechsel zu den Grünen: Im Lokal „Scherbe“ in Graz, die Gasse davor voll mit Fahrrädern, ist die Stimmung ausgelassen, aber nicht überschäumend. Zu viel erwartet? „Nein, wir bleiben aber am Boden!“

Ex-KPÖ-Chef Ernest Kaltenegger bei Wahlfeier „sehr zufrieden“
Bei der Wahlparty der KPÖ in der Grazer Lagergasse war die Stimmung schon am frühen Abend freudig-bewegt. Zunächst wurde noch eine Gesprächsrunde der Spitzenkandidaten im Fernsehen angeschaut und dabei Claudia Klimt-Weithaler heftig bejubelt. Als die Klubchefin endlich selbst im (passend gewählten) Volkskaus erschien, kannte die Begeisterung keine Grenzen. „Geschafft“, seufzte Klimt-Weithaler und umarmte ihre Tochter. Auch der frühere KPÖ-Chef Ernest Kaltenegger freute sich: „Sehr zufrieden, großartig“, lautete seine Reaktion.

Grazer Lokal ganz in Pink getaucht
Die NEOS-Jubelchöre hört man im ganzen Uni-Viertel, wo ein kleines Lokal, das Moridal, ganz in Pink getaucht wurde. Spitzenkandidat Niko Swatek ließ sich von einigen Dutzend seiner Parteifreunde lautstark und ausgiebig ob des erstmaligen Einzugs in den steirischen Landtag bejubeln. 

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