Peinliche Pleite

Foda: „Es fehlte in allen Bereichen sehr viel“

Österreichs Nationalmannschaft hat am Dienstag dafür gesorgt, dass vor der EURO 2020 keine überzogene Erwartungshaltung aufkommt. Das 0:1 zum EM-Qualifikations-Abschluss in Riga gegen Lettland ließ die Vermutung zu, dass es um die Kadertiefe der ÖFB-Auswahl vielleicht doch nicht so gut bestellt ist, und sorgte für große Verärgerung bei Teamchef Franco Foda.

Die ersten 80 Minuten seien „sehr enttäuschend“ gewesen, stellte der Deutsche fest. „Es hat in allen Bereichen sehr viel gefehlt, bei Intensität, Zweikämpfen, Passspiel, Tempo. Wir hatten auch nicht so viele große Chancen wie in den Spielen zuvor.“ Zwar habe man im Finish den Druck erhöht, „aber wir hätten es nicht verdient gehabt, die Partie zu drehen, weil wir von Beginn an zu nachlässig waren. Es hat auch die Laufbereitschaft gefehlt“, gab Foda zu.

Sieben Stammspieler
Der 53-Jährige hatte nach der am Samstag gegen Nordmazedonien fixierten EURO-Teilnahme gleich sieben Stammspieler daheim gelassen, im Endeffekt begannen mit Julian Baumgartlinger und Aleksandar Dragovic nur zwei Spieler, die auch vor drei Tagen in der Startformation gestanden waren. Diese Tatsache wollte Foda jedoch ebensowenig als Grund für die Niederlage anführen wie die ausgiebigen Feierlichkeiten in der Nacht auf Sonntag.

„Das darf alles keine Ausrede sein. Man kann von jedem Spieler mehr erwarten“, erklärte der Nationaltrainer. Etwas Lob verteilte der Teamchef lediglich an Dragovic, Stefan Posch, Karim Onisiwo und Reinhold Ranftl. „Aber ansonsten war nicht viel Positives erkennbar. Der eine oder andere hat seine Chance nicht genützt.“

„Wichtige Erkenntnisse“
In diesem Zusammenhang sprach Foda von „wichtigen Erkenntnissen“, die er gesammelt habe. „Jeder muss einen Zahn zulegen, denn im nächsten Jahr gibt es enge Entscheidungen, dann zählt nur die Leistung“, meinte der Nationaltrainer mit Blick auf den EURO-Kader.

Für dieses 23-Mann-Aufgebot konnte sich in Riga kein ÖFB-Kicker wirklich empfehlen. „Die Spieler stellen alle den Anspruch, dass sie von Beginn an spielen wollen, da muss ich einfach auf dem Platz mehr erwarten können. Das heißt nicht, dass alles funktioniert bei neun neuen Spielern, dass alle Abläufe stimmen und wir begeisternden Fußball spielen. Darum geht es nicht - es geht darum, dass du so ein Spiel seriös rüberbringst und gewinnst“, betonte Foda.

„Das war nicht der Fall"
Generell habe die Bereitschaft gefehlt, alles zu geben. „Wenn man nicht bei 100 Prozent ist, ist es schwierig zu gewinnen, egal gegen welchen Gegner“, sagte Foda. Nun gelte es, die richtigen Schlüsse aus dem verkorksten Auftritt zu ziehen. „Es war für die Spieler ein Hinweis, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Man darf sich nie mit einem Erfolg zufriedengeben, man muss sich immer schon im nächsten Spiel neu beweisen. Das war heute nicht der Fall.“

Trotz des Ärgers über die Niederlage gegen die Nummer 143 der Welt, die davor 17 Länderspiele nicht gewonnen hatte, gab Foda aber auch zu bedenken: „Man darf nicht vergessen, wir haben unser Ziel erreicht. Wir haben uns für die EM qualifiziert.“

Neuer Vertrag
Der Teamchef muss nun vier Monate auf die nächsten Länderspiele warten - Ende März stehen zwei Testpartien auf dem Programm. „Für mich persönlich ist es wieder eine sehr lange Zeit, ich stehe gerne auf dem Platz, trainiere gerne, das wird mir ein Stück weit fehlen bis zum nächsten Lehrgang“, berichtete Foda.

Die Zeit bis dahin werden er und sein Trainerteam unter anderem damit verbringen, die ÖFB-Spieler bei ihren Clubs zu beobachten. „Uns wird ganz sicher nicht langweilig werden in den nächsten vier Monaten“, versprach Foda.

In diese Zeit wird wohl auch das eine odere andere Treffen mit ÖFB-Präsident Windtner fallen, um eine mögliche Vertragsverlängerung noch vor der EM zu besprechen. „Wir werden uns zusammensetzen, aber es gibt hier keinen Druck“, meinte der Verbandschef, den die Niederlage sichtlich schmerzte. „Es ist legitim, dass der Teamchef versucht hat, mit dem zweiten Anzug zu spielen. Das hat nicht geklappt, aber das muss man zu Kenntnis nehmen, das ist noch kein Beinbruch. Es ist schade, weil es doch auf die Stimmung drückt, die zuletzt wieder in die Höhe gekommen ist.“

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