17.11.2019 09:05 |

Ungemach vor Wahl

Johnson in Bredouille: Wahlbetrug und ein Ex-Model

Der britische Premier Boris Johnson muss sich dieses Wochenende gleich an mehreren Fronten verteidigen: Einerseits geht die Polizei zwei Fällen von mutmaßlichem Wahlbetrug und Fehlverhalten in Zusammenhang mit der anstehenden Parlamentswahl nach, andererseits gab eine US-Unternehmerin ein emotionales TV-Interview, in dem sie über die im September bekannt gewordene mutmaßliche Affäre mit Johnson sprach und ihm vorwarf, er habe sie „mit gebrochenem Herzen“ und „gedemütigt“ zurückgelassen. Bei der Frau handelt es sich um jenes Ex-Model, das Johnson zu seiner Zeit als Bürgermeister von London begünstigt haben soll.

Der Chef der Brexit-Partei, Nigel Farage, hatte dem konservativen Premierminister Johnson am Samstag „Korruption auf schlimmstem Niveau“ vorgeworfen. Kandidaten seiner Brexit-Partei seien Jobs und Adelstitel angeboten worden, wenn sie ihre Kandidatur bei der Wahl am 12. Dezember zurückziehen würden. Regierungsvertreter, darunter Johnsons Chefberater Edward Lister, hätten mindestens acht Kandidaten kontaktiert, um über diese Angebote zu sprechen.

„Kann mir nicht vorstellen, dass das stimmt“
Ann Widdecombe, Kandidatin der Brexit-Partei im Südwesten Englands, wurde nach eigenen Angaben für die Zeit nach der Wahl eine Funktion im Brexit-Verhandlungsteam angeboten, wenn sie auf eine Kandidatur verzichte. Johnsons Kabinettskollege Michael Gove sagte dem Radiosender BBC, er wisse nichts von solchen Angeboten. „Ich kann mir nicht für eine Sekunde vorstellen, dass das stimmt“, sagte er zum Vorwurf Widdecombes. Johnson selbst dementierte, dass Adelstitel angeboten wurden.

Ihr seien zwei Fälle von Wahlbetrug und Fehlverhalten in Zusammenhang mit der anstehenden Parlamentswahl gemeldet worden, teilte jedenfalls die Londoner Polizei am Samstag mit. Die Vorwürfe würden derzeit von Sonderermittlern geprüft. Nähere Angaben machte die Polizei nicht.

Als Londons Bürgermeister US-Unternehmerin begünstigt?
Neu aufgeflammt sind jene Vorwürfe gegen Johnson, denen zufolge Johnson eine US-Bürgerin und Unternehmerin begünstigt haben soll. Jennifer Arcuri, die sich nun, wenige Wochen vor der Wahl, in einem emotionalen Interview äußerte, steht im Zentrum eines mutmaßlichen Interessenkonflikts, der in die Zeit von Johnson als Bürgermeister von London zurückgeht. Laut „Sunday Times“ soll Johnson eine Affäre mit Arcuri gehabt haben. Bisher weigerte sie sich, darüber zu sprechen, nun sagte in dem ITV-Interview, das in Auszügen im Voraus veröffentlicht wurde, sie fühle sich von Johnson wie „einen flüchtigen One-Night-Stand“ behandelt.

Der Premier habe ihre Anfragen „nach Rat“ abgelehnt, als die Vorwürfe im September ans Licht gekommen waren, so Arcuri. „Ich bin schrecklich untröstlich, weil du mich beiseite geworfen hast, als wäre ich ein kleines Monster“, sagte die Unternehmerin, die Johnson in dem Interview damit auch direkt ansprach. Johnson, der von 2008 bis 2016 Londoner Bürgermeister war, kämpft bei den Parlamentswahlen im kommenden Monat um seine Wiederwahl als Premierminister.

126.000 Pfund an öffentlichen Fördergeldern erhalten?
Die „Sunday Times“ hatte im September berichtet, das ehemalige Model habe zwischen 2008 und 2016 insgesamt 126.000 Pfund (rund 150.000 Euro) an öffentlichen Fördergeldern erhalten. Außerdem sei Arcuri bei Auslandsreisen des damaligen Bürgermeisters bevorzugt worden. Johnson bestreitet die Vorwürfe.

Umfrage: Tories so hoch in Wählergunst wie zuletzt 2017
Doch es gibt auch gute Nachrichten für Johnson: Die Konservative Partei des Premierministers erzielt kurz vor der Wahl am 12. Dezember in einer Umfrage im Auftrag des „Sunday Telegraph“ die höchste Zustimmung seit 2017. 41 Prozent der Befragten würden danach für die Konservativen stimmen, wie die Umfrage des Instituts SavantaComRes ergab. Die Labour-Partei liegt danach bei 33 Prozent. Die proeuropäischen Liberaldemokraten kommen auf 14 Prozent, die Brexit-Partei auf fünf Prozent.

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