17.11.2019 06:00 |

Zonen werden aufgelöst

Auch Österreichs Bahnhöfe bald völlig rauchfrei!

Kein Scherz! Ab 1. April hat es sich auf allen Bahnhöfen des Landes völlig ausgeraucht. Auch im Freien. Nach dem Verbot in den Eingangshallen und Wartehäuschen werden sich in den kommenden viereinhalb Monaten auch die beliebten Raucherinseln auf den Bahnsteigen in Luft auflösen. Sukzessive werden die Bundesbahnen alle Aschenbecher und roten Hinweisschilder entfernen.

Bundesweit gibt es bei 1000 Bahnhöfen ohnehin nur noch rund 100 Zugstationen mit Raucheroasen. Davon entfallen Dutzende auf Kärnten und die Steiermark, 35 auf Niederösterreich, auf Oberösterreich rund 20 (darunter etwa der Linzer und Welser Hauptbahnhof) und der Rest auf die drei westlichen Bundesländer Tirol, Salzburg und Vorarlberg.

Gänzlich rauchfrei sind bereits Wien und das Burgenland. In der Bundeshauptstadt gilt das generelle Rauchverbot am Hauptbahnhof schon seit zwei Jahren. Zu Monatsbeginn zogen nun auch die sechs anderen Bahnhöfe nach.

Tschickstummel landen zu oft in Gleisanlagen
Den Zorn der Raucher nimmt ÖBB-Boss Andreas Matthä in Kauf: „Mit dem generellen Verbot wollen wir verhindern, dass Zigarettenstummel auf die Gleise geworfen werden oder am Bahnsteig liegen bleiben. Es handelt sich um giftigen Sondermüll mit Mikro-Plastik!“ Neben dem Öko-Aspekt haben sich die ÖBB auch auf Rücksicht auf die Nicht-Raucher zu diesem radikalen Schritt entschlossen. Matthä: „Auch wenn die Raucherbereiche im Freien sind und die Belästigung dadurch gering ist, steht der Schutz der vielen Kunden im Vordergrund!“

Vorerst muss man nicht mit Strafen rechnen
Eine Aktion scharf wird es nach der Umstellung nicht geben. Wer sich beim Warten auf den Zug eine Zigarette anzündet, muss vorerst nicht mit Strafen rechnen. „Die Einhaltung des generellen Rauchverbots wird durch unsere Sicherheitsmitarbeiter kontrolliert, die bei Zuwiderhandeln höflich auf das Rauchverbot hinweisen“, erklärt der oberösterreichische ÖBB-Pressesprecher Karl Leitner.

Nikotinkonsum auf Wiener Flughafen
Und wie sieht es auf den Flughäfen aus? Fluggäste dürfen auf dem Wiener Airport weiter in speziellen Bereichen qualmen. In den Lounges gilt hingegen ein generelles Verbot. Gleich acht Kabinen öffnen sich bei den diversen Gates B bis G für jene Passagiere, die auf dem Flughafen in Wien-Schwechat ihrer Nikotinsucht frönen und möglicherweise mit einer Zigarette vor dem Boarding ihre Flugangst einbremsen wollen. Diese sind allerdings fast luftdicht verschlossen, um Nichtraucher unter den Reisenden nicht zu belästigen. Dafür sorgen - so Direktor Dr. Günther Ofner - ein spezielles Lüftungssystem und entsprechende Schleusentüren, die sich automatisch öffnen und schließen.

Verschärfung bislang nicht angedacht
Vor der Sicherheitskontrolle ist der Zug an der geliebten Zigarette ohnehin nur außerhalb des Flughafengebäudes erlaubt. Auch nach der Gepäckausgabe müssen Raucher - auch wenn der Flug noch so transatlantisch lang war - raus ins Freie. Das gilt auch für die Restaurants, natürlich die Toilettenanlagen und den Duty-Free-Bereich. Ein generelles Verbot gilt jetzt auch in den Lounges. Dort gab es bisher noch Ausnahmen. An eine Verschärfung dieser Bestimmungen ist vorläufig nicht gedacht.

Die Erfahrung der „Krone“-Leser mit Rauchverbot
Die „Krone“ wollte wissen: Wie geht es Rauchern und Nichtrauchern mit dem Verbot? Hunderte Reaktionen ließen nicht auf sich warten. Wir bringen hier (wegen der Länge teils gekürzte) Auszüge aus Ihren Mails und freuen uns auf weitere Erfahrungsberichte mit Foto unter rauchverbot@kronenzeitung.at.

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„Nichtraucher wurden medial dermaßen aufgehetzt, dass diese den Rauchern kein einziges Raucherplätzchen in der Gastro gönnen. Was soll das? Wo ist ihre Fairness? Es muss doch möglich sein, dass Raucher in einem Raucherlokal rauchen, wenn Wirt und Angestellte das so wollen und Jugendschutz gewährleistet ist. Dorthin muss kein Nichtraucher (unfreiwillig) hineingehen.“

Gert Arnold

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„Denkt eigentlich jemand darüber nach, dass der Rauch in Gasthäusern, Restaurants überwiegend über die Klima- bzw. Lüftungsanlage abgesaugt wurde? Und dort befinden sich Filter, die Schad- und Geruchsstoffe ausfiltern. Nebenbei wurden die Stummel entsorgt. Jetzt geht der Rauch ungefiltert in die Umwelt, und die Stummel landen im Kanal und zuletzt im Grundwasser! Das ist Klimaschutz!“

Ernst Knarek

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„Ich war im Café Freiraum in der Mariahilfer Straße. Vorher musstest du durch den Raucherraum in den Nichtraucherbereich. Die Kellner sind auch froh darüber. Nach meinem letzten Wien-Besuch wollte ich dieses Café nicht mehr besuchen, da ich nach Rauch gestunken habe. Aber die Österreicher sind halt Suderer. Hätte man vor 20 Jahren keine Kompromisse gemacht, würde niemand mehr darüber reden.“

Anneliese Riedl

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„Es ist immer nur die Rede vom Rauchverbot in Lokalen, doch kein Wort von einem Rauchverbot in Krankenhäusern. Es sollte auf dem ganzen Krankenhausgelände Rauchverbot herrschen.“

Michael Kolonovits

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„In meinem Stammlokal hat das Rauchverbot dazu geführt, dass zumindest ein vorher über 50 Jahre eingefleischter Nichtraucher sich jetzt alle paar Tage eine Schachtel Moods holt und vor dem Lokal mitraucht, damit er nicht ständig ganz alleine an der Theke sitzt.“

Steffen Persson

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„In der Novarag gibt es ein urgemütliches U2-Café. Vor dem Rauchverbot war es immer voll, jetzt herrscht gähnende Leere. Ich bin Nichtraucherin, aber die Lösung mit Raucher- und Nichtraucher-Bereich fand ich durchaus akzeptabel! Schade darum. Es werden wieder einmal nur die Kleinen verlieren, und die Großen überleben!“

Margarete Groß

Mario Zeko und Mark Perry, Kronen Zeitung

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