Natur als Vorbild

Linzer Forscher lernen Technik von den Webspinnen

Spinnen lassen Menschen nur in den seltensten Fällen völlig gleichgültig. Viele ekeln oder fürchten sich vor den achtbeinigen Tierchen, andere wiederum sind hochgradig fasziniert von ihnen. Unter Leitung der Kepler Uni Linz wollen Forscher unterschiedlichster Disziplinen von Spinnen den Umgang mit klebrigen Nanofasern lernen und die Erkenntnisse in technische Anwendungen fließen lassen.

Die Mehrzahl der Webspinnen fängt ihre Beute mit Fäden, die sie bei der Produktion mit einer klebrigen Substanz aus einer Drüsenöffnung benetzen. In heißen Gebieten würden diese rasch eintrocknen, daher haben Spinnen dort eine andere wirksame Methode entwickelt. Sie bilden ihre Fangnetze aus einer Art Nanofaser-Wolle, deren Fasern 100-mal dünner als normale Spinnennetz-Fäden sind.  Diese sind vollkommen trocken, kleben unter anderem aber aufgrund von „Van-der-Waals-Kräften“ (Wechselwirkung zwischen Atomen und Molekülen) von sich aus. Während Insekten davon nicht mehr loskommen, bleiben die Spinnen daran nicht hängen. Diese Eigenschaft wollen sich Forscher der Kepler Uni Linz und der Technischen Hochschule Aachen bei der Entwicklung neuer technischer Oberflächenlösungen zunutze machen.

„Bin zuversichtlich, dass es gelingt“
„Je dünner eine Faser ist, desto dominanter werden die Van-der-Waals-Kräfte, die sie an andere Objekte binden“, erklärt Johannes Heitz vom Institut für Angewandte Physik. Nano-Fasern bleiben praktisch an jeder Oberfläche kleben. In einem mit drei Millionen Euro geförderten EU-Projekt sollen internationale Forscher verschiedenster Fachdisziplinen nun unter Federführung der JKU Linz drei Jahre lang den von den Webspinnen vorgelebten Anti-Haft-Mechanismus genau untersuchen und praktische Lösungen kreieren. „Ich bin relativ zuversichtlich, dass das gelingt“, sagt Werner Baumgartner, Professor für Medizin- und Biomechatronik.

Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

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